Wildschweinunfall: Wie reagiere ich richtig?

Aktuelle Stunde 18.01.2026 29:31 Min. UT Verfügbar bis 18.01.2028 WDR Von Marius-Antonius Brüning

Wildschweine auf der Straße – wie gefährlich sind Rotten im Januar?

Stand:

Wenn es draußen kalt und ungemütlich wird, beginnt für Wildschweine eine besondere Zeit. Nach der Ernte ist vor der Paarungszeit – eine gefährliche Kombination.

Es ist eine Schreckensvorstellung für alle Autofahrenden. Plötzlich, aus dem Nichts, steht eine Rotte von Wildschweinen auf der Autobahn. Fünf Tiere, verteilt auf alle drei Fahrstreifen. Ausweichen unmöglich! In der Nacht auf Sonntag ereignete sich ein besonders schwerer Wildunfall auf der A2 bei Dortmund.

Der Unfall ist für den Unfallforscher Siegfried Brockmann eher ungewöhnlich. "Das liegt daran, dass wegen der hohen Geschwindigkeiten in der Regel Wildschutzzäune rechts und links sind." Auf die Fahrbahn der A2 haben es die Tiere gestern trotzdem geschafft und das, obwohl die Zeit mit den meisten Unfällen gerade hinter uns liegt.

Paarungszeit zwischen November und Februar

Zwischen Oktober und Dezember gibt es laut dem Deutschen Jagdverband besonders häufig Unfälle mit Wildschweinen. Gründe, warum diese Zeit besonders gefährlich ist, gibt es einige.

Abgeerntete Felder nehmen den Tieren ihren Unterschlupf und eine Nahrungsquelle. Sie suchen nach Wurzeln, Eicheln oder auch Schnecken. Keiler sind häufig alleine unterwegs. Weibliche Tiere streifen zusammen mit Jungtieren in kleinen Gruppen, sogenannten Rotten, durch die Wälder.

Dazu kommt, dass ab November auch die Paarungszeit bei Wildschweinen beginnt. Diese dauert bis Ende Februar. Das erfahrenste Weibchen leitet die Rotte und entscheidet auch, wann es Zeit für die Paarung ist und die Suche beginnt.

Und nicht zuletzt, ist durch die frühe Dämmerung und die viele Dunkelheit auch die Sicht auf den Straßen schlechter, wodurch Wildtiere später erkannt werden. Die meisten Meldungen über Wildunfälle gehen übrigens zwischen 6 und 10 Uhr morgens ein.

Wildschweine verursachen besonders schwere Unfälle

Knapp die Hälfte aller Wildunfälle in Deutschland passieren mit Rehen, der traurige Spitzenreiter. Kollisionen mit Wildschweinen gibt es wesentlich weniger. Sie befinden sich in der Statistik auf Platz 6 - zusammen mit Igeln.

In einer anderen Statistik sind die Wildschweine allerdings ganz vorne. Sie gehören zu den schwersten Unfällen. Ein Keiler, kann bis zu 250 Kilogramm schwer werden. Schon ab einem Tempo von 60 Stundenkilometern können die auftretenden Kräfte vergleichbar sein mit einem Nashorn, das sich auf die Motorhaube setzt.

Also wie reagieren, wenn der Keiler auf der Straße steht?

Kontrolliert Bremsen und die Spur halten

Für Autofahrer heißt das: Wachsam fahren, vor allem in der Dämmerung. Und wenn doch einmal ein Wildtier auf der Fahrbahn steht, dann empfiehlt der ADAC folgendes:

  • Scheinwerfer abblenden
  • Beide Hände fest am Lenkrad & Spur halten
  • Kontrolliert bremsen
  • Hupen, um das Tier zu verscheuchen

Außerdem rät der ADAC dazu, nicht unkontrolliert auszuweichen, weil dadurch das Verletzungsrisiko größer ist, als bei einem frontalen Zusammenstoß.

Moderne Autos können Kollisionen auch mit Wildschweinen sehr gut überstehen. Wenn man draufhält, so schwierig es ist, geht es meist ziemlich gut aus für den Fahrer – nicht für das Wild. Unfallforscher Siegfried Brockmann

Besonders auf Landstraßen durch Wälder rät der ADAC bei Dämmerung langsamer zu fahren, auch weil es immer mehr Wildschweine in NRW gibt.

Wildschweine fühlen sich in NRW wohl

Wildschweine finden in NRW gute Bedingungen vor. Die Wälder bieten viel Futter und das sorgt auch für hohe Geburtenraten. Da die Tiere wild leben, gibt es keine genauen Zahlen über die Population. Rückschlüsse über den Bestand werden allerdings über die sogenannten Jagdstrecken gezogen.

Dazu zählen die Tiere, die bei der Jagd erlegt worden sind, oder aber bei Unfällen starben. Zwischen 1951 und 1981 gab es gut 4.000 getötete Tiere. Zwischen 1991 und 2021 waren es 28.000. Und in den letzten Jahren lag die Zahl sogar über 40.000. Damit hat sich die Zahl über die letzten 45 Jahre verzehnfacht.

Wildschweine in Hagener Wohnzimmer

Die steigende Population zeigt sich auch an anderen Stellen. Immer häufiger dringen Wildschweine auch in Lebensräume außerhalb des Waldes vor. Im Juni 2023 zog eine Rotte mit mehr als 20 Tieren durch einen Park in Hagen.

Ein WIldschwein liegt auf dem Sofa in einem Wohnhaus

Wildschwein auf dem Sofa

Ein Jahr vorher ging ebenfalls ein Wildschwein aus Hagen viral, das in ein Wohnhaus eingedrungen war, eine Wohnung im Erdgeschoss verwüstete und es sich dann auf dem Sofa gemütlich machte, bis die Polizei kam. Die Vorfälle mit Wildschweinen nehmen auch deshalb zu, weil es immer mehr Wildschweine gibt.

Quellen:

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 18.01.2026, 18.45 Uhr

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