Mehr Übersicht und mehr Flexibilität, die verspricht der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr seinen Fahrgästen durch die größte Tarifreform seiner Geschichte. Die erfolgt in zwei Schritten. Der erste wurde im März 2025 umgesetzt und hat das Tarifsystem deutlich entschlackt. Erfolgreich findet VRR-Vorstandssprecher OIiver Wittke:
Die vereinfachten Tarifstrukturen haben maßgeblich dazu beigetragen, dass das DeutschlandTicket in unserem Verbundraum auf große Nachfrage stößt. Und auch der digitale Tarif eezy.nrw verzeichnet ein rasantes Wachstum. Oliver Wittke
Vorstandssprecher Verkehrsverbund Rhein-Ruhr
Vereinfachte Tarife und steigende Preise ab 2026
Der zweite Schritt soll Anfang 2026 gemacht werden und wurde jetzt von den Gremien beschlossen. Wittke verspricht den Fahrgästen weitere Vereinfachungen. So werden die Tarifgebiete neu zugeschnitten. Große Städte wie Düsseldorf, Essen, Dortmund, Duisburg und Wuppertal bestehen dann nur noch aus einem Tarifgebiet, andere wurden zusammengelegt, wie Herne und Castrop-Rauxel. Dadurch können einzelne Fahrten im VRR günstiger werden.
Oliver Wittke, Vorstand des Verkehrsverbands Rhein-Ruhr
Insgesamt aber werden die Ticketpreise weiter ansteigen. Im Schnitt sollen sie zu Beginn des kommenden Jahres um 4,9 Prozent angehoben werden. Bei einzelnen Tickets, wie dem Ticket2000 ist der Preisanstieg deutlich stärker. Das 24-Stunden-Ticket hingegen wird sogar günstiger.
VRR setzt auf digitale Angebote wie eezy.nrw
Von den Tarifanpassungen ausgenommen hat der VRR ganz bewusst sein gemeinsames digitales Angebot mit den anderen Verkehrsverbünden in NRW eezy.nrw, so VRR-Sprecher Dino Niemann: "Eezy bleibt gleich. Eezy ist für uns das Produkt, das wir nicht nur im VRR eingeführt haben. Auch die anderen Taifgemeinschaften im Rheinland und Westfalen wenden es an. Es erfreut sich immer größerer Beliebtheit."
Damit will der Verkehrsverbund seine digitalen Angebote stärken. Bei eezy.nrw wird der Preis kilometergenau entsprechend der zurückgelegten Strecke berechnet. Lothar Ebbers vom Fahrgastverband ProBahn kritisiert, dass die Verkehrsverbünde so stark auf solche Angebote setzen:
Jetzt wollen sie eezy mit dem Holzhammer druchsetzen. Aber das hilft nicht allen, weil es nicht barrierefrei ist. Nicht jeder hat ein Smartphone, nicht jeder kann die App bedienen. Wenn sie kein Netz haben, müssen sie auf den Bartarif umsteigen und wenn ihr Handy schlappt macht sind sie ein Schwarzfahrer. Lothar Ebbers
Fahrgastverband ProBahn
ProBahn kritisiert Abschaffung des Zwei-Waben-Tarifs
Und nicht jeder wolle auf Schritt und Tritt verfolgt werden. Für den eezy-Tarif muss das Geotracking eingeschaltet sein. Es sei durchaus richtig auf Digitalisierung zu setzen, aber der Smartphone-Zwang sei falsch. In den Niederlanden könne man solche Tarife auch mit der Bahn- oder Bankkarte nutzen.
Ebbers hat aber noch einen zweiten großen Kritikpunkt. Der VRR schafft den sogenannten Zwei-Waben-Tarif ab. Bislang hat der dafür gesorgt, dass für Menschen die nah an der Grenze einer Wabe wohnen, für Fahrten in nahegelegene Bereiche der Nachbarstadt auch die Tarifstufe A gilt. So kann man aktuell zum Beispiel für 3,60 Euro von Herne in die Bochumer Innenstadt fahren. Ab 2026 wären dafür in Tarifstufe B 7,80 Euro fällig.
ProBahn befürchtet abschreckenden Effekt
Der VRR argumentiert, dass diese Preissteigerung nur sehr wenige Menschen betreffe. Lothar Ebbers von ProBahn befürchtet aber, dass sie sich dennoch negativ auf die Fahrgastzahlen auswirken könnte: "Solche Tickets sind das Einstiegssegment, wo Leute das erste Mal Bekanntschaft mit dem ÖPNV machen. Wenn die solche Preise erleben, kriegen die einen Schreck und kommen nie wieder."
Quellen:
- Pressemitteilung VRR
- VRR-Sprecher Dino Niemann
- Interview mit Lothar Ebbers von ProBahn NRW