Fall "White Tiger": Wo es Hilfe bei Suizidgedanken und Missbrauch gibt
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Ermittlungen zu einem internationalen Netzwerk, das Jugendliche im Internet missbraucht und zum Teil in den Suizid getrieben haben soll, sorgen gerade für Entsetzen. Wo Betroffene von sexueller Gewalt und Menschen mit Suizidgedanken Hilfe finden können.
"Das sind Abgründe, die nur schwer auszuhalten sind": So blickt Hamburgs Polizeipräsident Falk Schnabel auf die aktuellen Ermittlungen. Die Taten zeigten ein unvorstellbares Maß an Verrohung und Unmenschlichkeit.
Polizeipräsident Falk Schnabel
Ein 20 Jahre alter Deutsch-Iraner war in der Nacht zu Dienstag im Haus seiner Eltern in Hamburg festgenommen worden. Er soll der Kopf einer Gruppe von Cyberkriminellen sein, die Kinder und Jugendliche im Alter von elf bis 15 Jahren im Internet zu Gewalt gegen sich selbst gezwungen haben.
"764": internationales sadistisch-pädokriminelles Netzwerk
Ein 13-jähriger US-Amerikaner wurde demnach in den Suizid getrieben, eine 14-jährige Kanadierin habe versucht, sich umzubringen. Auch junge Menschen in Deutschland sind laut den Ermittlern betroffen. Vor der Festnahme hatte es monatelange Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Pädokriminellen und eine berüchtigte internationale Gruppe mit dem Namen "764" gegeben.
Vorwurf: mehr als 120 Straftaten unter dem Namen "White Tiger"
Der Beschuldigte soll der Staatsanwaltschaft zufolge im Alter von 16 bis 19 Jahren unter dem Internetnamen "White Tiger" mehr als 120 Straftaten begangen haben: gegen das Leben, die körperliche Unversehrtheit und die sexuelle Selbstbestimmung von insgesamt acht jungen Geschädigten. Der 20-Jährige bestreitet die Vorwürfe pauschal.
Kinderschutzorganisation appelliert zu Aufmerksamkeit
Julia von Weiler von "Innocence in Danger"
"Dieser Fall zeigt wirklich sehr deutlich, dass digitale Gewalt sehr reale Auswirkungen im analogen Leben hat", sagt Julia von Weiler von der Kinderschutzorganisation "Innocence in Danger". "Wir müssen aufmerksamer sein", rät sie im Interview mit dem WDR. Man sollte im Gespräch mit Kindern bleiben und wachsam sein, wenn man glaube, jemand im eigenen Umfeld gehe gewalttätig gegen andere vor.
Forderung: Provider stärker in die Pflicht nehmen
Doch Aufklärung und Begleitung reicht aus Sicht von Julia von Weiler nicht aus. Sie fordert auch, dass die Provider mehr Verantwortung übernehmen. Damit sind die Anbieter der Internet- und Kommunikationsdienstleistungen gemeint.
"Provider müssen schauen, dass sie kindersichere Räume schaffen, die Algorithmen müssten verändert werden, um gewaltvolles Verhalten nicht zu bestärken. Und wir brauchen dazu verbindlich politische Regeln." Julia von Weiler, "Innocence in Danger"
Hilfe bei Suizidgedanken und sexueller Gewalt
Sind Sie Opfer sexueller Gewalt oder haben Sie Suizidgedanken? Unter anderem hier gibt es Hilfe:
- Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch (0800 / 22 55 530): Das Hilfe-Telefon berät anonym, kostenfrei, mehrsprachig und in Gebärdensprache. Außerhalb der Telefonzeiten kann man eine Nachricht schreiben.
- Telefonseelsorge (116 123 oder 0800 / 11 10 111): Mit der Telefonseelsorge kann man nicht nur sprechen, sondern auch mailen, chatten oder vor Ort in die Beratung kommen. Hilfe zur Selbsthilfe gibt es außerdem in der App "KrisenKompass".
- Nummer gegen Kummer (116 111): Hier gibt es nicht nur ein Kinder- und Jugendtelefon sowie eine Online-Beratung. Angeboten wird außerdem ein Eltern-Telefon. Dies ist unter der Nummer 0800 / 111 0550 zu erreichen.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur dpa
- Interview mit Julia von Weiler in der WDR-Sendung "Aktuelle Stunde"
- WDR-Recherchen zu Hilfsmöglichkeiten für Betroffene
Über dieses Thema haben wir am 19.06.2025 auch im WDR Fernsehen berichtet: Aktuelle Stunde, ab 18.45 Uhr. Aus rechtlichen Gründen ist dieser Videobeitrag online leider nicht verfügbar.