Für Umwelt und Meere: Neues Plastikabkommen? | WDR aktuell
4 Min. 40 Sek.. Verfügbar bis 05.08.2027.
Plastikmüll: Schafft die UN die Wende?
Stand:
Die UN-Staaten verhandeln in Genf darüber, wie Plastikmüll weltweit reduziert werden kann. Auch Deutschland könnte mehr tun. Ein NRW-Unternehmen zeigt, wie Kunststoff aus Pflanzen- statt Erdöl produziert werden kann.
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Zu den Kommentaren [3]Plastiktüten und Verpackungen, Dosen und Deckel, Netze und Folien: Seit Jahrzehnten nutzt die Menschheit immer mehr Plastik. Selbst Biogemüse kommt oft in Plastikverpackungen daher. Das soll die Haltbarkeit von Lebensmitteln erhöhen. Das Problem: Der Plastikmüll gefährdet Umwelt, Mensch und Tier. Etwa entlang zugemüllter Strände und in Gestalt von Vögeln, die an verschluckten Plastikteilen ersticken.
Erdölproduzierende Länder schießen quer
Die Verhandlungen über ein UN-Plastikabkommen werden am Dienstag im schweizerischen Genf wieder aufgenommen, nachdem die Delegierten im Dezember im südkoreanischen Busan keine Einigung erzielt hatten. Mehr als 160 Staaten, darunter Deutschland, unterstützten damals ein ehrgeizige Regelung. Sie stießen damit jedoch bei einigen überwiegend ölproduzierenden Ländern, die Ausgangsstoffe für Plastik liefern, auf Widerstand.
Besonders für Deutschland könnte sich eine globale Wende beim Plastikmüll wirtschaftlich lohnen, meint Henning Wilts vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Beim Recycling von Plastikabfällen sei "Deutschland richtig gut", sagt der Wissenschaftler.
Henning Wilts
Hierzulande seien viele Techniken entwickelt worden, mit denen sich die Rückverwandlung von Verpackungen in Rohstoff besonders effektiv und sauber erledigen ließe. Leider halte sich der wirtschaftliche Erfolg der Recycling-Industrie derzeit in Grenzen.
Neuer Kunststoff viel billiger als recycelter
Dafür gebe es einen einfachen Grund, meint Wilts: "Aktuell ist der Rohölpreis so niedrig, dass neuer Kunststoff etwa 25 Prozent billiger ist als recycelter." Dies habe zu einer Insolvenzwelle bei den Spezialfirmen geführt. Das wiederum könne ein weiteres Problem nach sich ziehen.
Denn die chinesische Regierung engagiere sich massiv beim Plastikrecycling - als strategische Investition in die Zukunft, obwohl aktuell in dem Geschäft noch nichts zu verdienen sei. "Sie spekulieren darauf, dass in Zukunft Mindestquoten in der EU eingeführt werden", so Wilts. Möglicherweise müsse Europa in Zukunft also recyceltes Plastik aus China einführen, wenn die hiesige Industrie die aktuelle Durststrecke nicht überlebe.
Luft nach oben gibt es in Deutschland jedenfalls. Nach Zahlen des Wuppertal Instituts deckt die deutsche Wirtschaft ihren Bedarf nur zu 16 Prozent aus recycelten Kunststoff. Satte 60 Prozent des Plastikmülls werden "thermisch verwertet" - also nicht wiederverwertet, sondern verbrannt.
Chance für die NRW-Wirtschaft
Von einer "Plastikwende" könnte auch die chemische Industrie in NRW profitieren. Ein Beispiel: Das Dortmunder Start-up "Simplyfined" hat eine Möglichkeit entwickelt, pflanzliche Öle so zu veredeln, dass daraus eine klimaschonende Alternative für Erdöl wird.
Das Verfahren macht aus pflanzlichen Ölen eine präzise berechenbare Basis für Kunststoffe, Kosmetika oder Schmiermittel – ganz ohne fossile Bestandteile. Simplyfined wird mit 1,7 Millionen Euro Bundesmitteln gefördert. Damit soll das Unternehmen aufgebaut werden.
Unsere Quellen:
- Interview mit Henning Wilts, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
- Besuch beim Dortmunder Start-up "Simplyfined"
- Agenturen afpd und RTR
3 Kommentare
Kommentar 3: SEAN schreibt am 05.08.2025, 18:15 Uhr :
Ich bin in den 60iger Jahren aufgewachsen da waren die Bausteine aus Kunststoff ein Versprechen auf eine schöne neue Welt. Mit den Klemmbausteinen konnte man alles bauen - Häuser -Autos -Tiere -Blumen... Heute lebe ich in dieser Welt- Häuser mit Schaumstoffdämmung Aussen und Prägetapeten Innen-, Autos oder Fahrräder, Flugzeuge mit Kohlefaser Werkstoffen ,- wir tragen Kleidung aus Kunstfaser und decken uns mit Polyesterdecken zu wenn wir ins Bett gehen... Ich glaube die Geister die wir riefen werden wir so schnell nicht mehr los
Kommentar 2: Brigitta S. schreibt am 05.08.2025, 14:15 Uhr :
Die Welt erstickt bald mit Plastik. Sehr spät nun das Einsehen, nachdem Plastikpartikel jeden Raum auf der Erde und die Gesundheit der Menschen mit der Zeit schädigte. Die EU und kleine Staaten fordern, dass das Abkommen nicht nur Recycling regelt, sondern die Herstellung von Neuplastik begrenzt? Wir stark kann die Forderung beim UN- Abkommen werden, wenn massiv Widerstand gegen ein globales Plastikabkommen von USA und Ölstaaten kommen sollten? Bis zum 14.08. verhandeln Vertreter von ca. 160 Staaten, bin gespannt was bis dahin verhandelt wird? Die EU zeigt sich stark als Vorreiter beim Verbot von Einweg-Plastik? Dann hoffe ich doch, dass es der EU nicht nur um Klein- Klein geht, wie zum Bsp. bei Strohhalm, Plastikbesteck und Flaschenverschlüsse. Grund genug auch für ein Verbot von „Coffee and Go" Becher“! Muss man Kaffee unbedingt trinken beim Spazierengehen, was sich noch auf Straßen bewegt? 2,8 Milliarden Becher jährlich in DE, das ergibt 40.000 Tonnen Abfall, lt. 26.09.2024.
Kommentar 1: Brianna Harer schreibt am 05.08.2025, 12:56 Uhr :
Warum trinken die Amerikaner nicht aus Gläsern , anstatt Millionen Plastikstrohhalme zu benutzen ? Warum muss man beim Broteinkauf eine Plastiktüte ums Brot bekommen ? Und...und....und Es fängt auch bei uns selber an, aber die Menscheit ist träge und bequem, lass doch laufen wie es läuft, geht mich eh, nichts an, steht auf so vielen Stirnen geschrieben.
Antwort von Brigitta S. , geschrieben am 05.08.2025, 14:21 Uhr :
Warum braucht der Mensch überhaupt Trinkhalme? Sich damit Urlaubsgefühle vom Strand sich erträumen? Ich finde, Trinkhalme sind da nötig, wenn es um kranke Menschen oder kleine Kinder geht, wo ihnen das saugen angenehmer ist beim Trinken.
Antwort von Brianna Harer , geschrieben am 05.08.2025, 20:15 Uhr :
@Brigitte S. Ich bin genau so wütend darüber wie Sie und auch enttäuscht, fassungslos und auch hilflos. Ich stehe an der Brottheke und sage, bitte keine Plastiktüte und man muss dann zusehen wie sie mit Plastikhandschuhen angefasst werden, die nach einmaligem Gebrauch entsorgt werden und ein neues Paar für jedes Brot verwendet wird. Alles erschreckend.
Antwort von Brigitta S. , geschrieben am 06.08.2025, 11:39 Uhr :
@Brianna Harer, danke für Ihre Meinung. Leider können wir alleine die Welt nicht verbessern. Obwohl, manches gelingt uns doch, wenn wir den Vernunft- Kopf leben, während viele mit Unvernunft beim Denken noch es zeigen. Nice day!