"Schleichende Epidemie": Immer mehr Menschen haben Schlafprobleme | WDR aktuell
02:05 Min.. Verfügbar bis 04.06.2028.
Wie gut man schläft, hängt nicht nur von den persönlichen Gewohnheiten ab. Auch äußere Faktoren haben immer mehr Einfluss auf die Schlafqualität. Hitze, Lärm, künstliches Licht oder die ständige digitale Erreichbarkeit führen dazu, dass immer mehr Menschen Probleme haben ein- oder durchzuschlafen.
Stille Epidemie schlechter Schlafgesundheit
Mittlerweile leide weltweit etwa jeder dritte Mensch unter Schlafstörungen, sagt der Neurowissenschaftler Dr. Masoud Tahmasin vom Forschungszentrum Jülich. Er warnt vor einer "schleichenden Epedimie schlechter Schlafgesundheit" und plädiert dafür, dass Schlaf nicht mehr nur als persönliches Thema gesehen wird, sondern als gesellschaftliches.
"Schlaf ist keine private Nebensache, sondern eine zentrale Voraussetzung für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und gesellschaftliche Resilienz." Dr. Masoud Tahmasin, Forschungszentrum Jülich
Ein neuer Blick auf den Schlaf
Zusammen mit einem internationalen Team hat er das Konzept "One Sleep Health“ verfasst. Damit wollen die Wissenschaftler Schlaf erstmals gemeinsam mit Umwelt-, Gesellschafts- und Gesundheitsfaktoren betrachten. Sie fordern, dass die Politik bessere Bedingungen für einen guten Schlaf schafft - etwa bei der Stadtplanung oder in der Arbeitswelt.
"Unsere moderne Umwelt entfernt sich zunehmend von den biologischen Bedingungen, unter denen gesunder Schlaf möglich ist." Dr. Masoud Tahmasian, Neurowissenschaftler
Mensch, Tier und Umwelt zusammendenken
Dr. Masoud Tahmasian vom Forschungszentrum Jülich
Besonders wichtig ist den Forschenden auch ein ganzheitlicher Ansatz: Viele Faktoren, die Menschen nachts wachhalten, beeinflussen auch Tiere. Künstliches Licht, Lärm oder veränderte Tagesrhythmen können natürliche biologische Rhythmen stören und Auswirkungen auf ganze Ökosysteme haben.
Der Ansatz erweitert deshalb das sogenannte "One Health"-Prinzip, das die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt gemeinsam betrachtet. Schlaf soll künftig als Teil dieses großen Ganzen verstanden werden.
Was die Neurowissenschaftler fordern
Aus Sicht des Forschungsteams sollte Schlaf künftig stärker bei politischen Entscheidungen berücksichtigt werden - etwa bei der Stadtplanung, in der Arbeitswelt oder durch mehr Aufklärung in Schulen.
Unsere Quellen:
- Forschungszentrum Jülich
- Gespräch mit Dr. Masoud Tahmasian
Sendung: WDR2 für Aachen und die Region, Lokalzeit, 03.06.2026, 15:31 Uhr.
