Demenzgärten gegen das Vergessen

Bildquelle: WDR/Sabine Rieck

WDR Verfügbar bis 11.03.2037

Besonderer Garten Wie sich Demenzkranke an ihre Kindheit erinnern

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Im Garten eines Seniorenheims in Euskirchen erleben Menschen mit Demenz Momente, die längst verloren schienen. Pflanzen riechen, Erde fühlen, Kräuter schmecken – und plötzlich sind Erinnerungen wieder da.

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Sabine Rieck

"Machen Sie mal die Hand auf, Frau Bauer" - vorsichtig legt Gartentherapeutin Ulrike Kreuer ein frisches Minzblatt in die Hand der Bewohnerin und streicht sanft darüber. Inge Bauer sitzt im Garten des Resi-Stemmler-Hauses in Euskirchen und schließt kurz die Augen. Der Duft steigt in ihre Nase. Dann lächelt die 83-Jährige.

Solche Momente erlebt Kreuer hier öfter. Einmal pro Woche arbeitet sie mit Bewohnerinnen und Bewohnern des Seniorenheims im sogenannten "Garten der Sinne". Rund 15 Menschen mit Demenz sind heute mit ihr draußen unterwegs.

Erinnerungen über den Körper

Die Idee der Gartentherapie: Erinnerungen nicht über Gespräche hervorrufen, sondern über das Erleben mit dem Körper. Die Bewohner nehmen Blätter in die Hand, riechen an Kräutern oder schmecken Pflanzen. Auch der Garten ist speziell: Giftpflanzen sind tabu. Durch Wege werden die Senioren geleitet.

Viele Pflanzen können gegessen werden. Bunte Duft-Blumen sollen anlocken. Manche Bewohner streichen über Blätter, andere umarmen einen Baum. "Die Menschen sollen etwas tun, sobald sie in den Garten kommen", sagt Kreuer.

Senioren mit Demenz erleben mit allen Sinnen Pflanzen.

Senioren mit Demenz erleben in einer Therapiestunde mit allen Sinnen Pflanzen.

Bildquelle: WDR/Sabine Rieck

Gerüche oder Berührungen können Erinnerungen wecken, die lange verborgen waren. Schöne Blumen können Reize wecken. Bewohnerin Renate Austermann hält einen Zitronensalbei fest in der Hand. Den will sie gar nicht mehr loslassen. "Die Blumen sind schön", sagt sie und lächelt. "Die habe ich euch mitgebracht."

Plötzlich ist die Kindheit wieder da

Auch Inge Bauer nimmt eine Salbeipflanze in die Hand. Sie riecht daran und beginnt plötzlich zu erzählen. "Das erinnert mich an meine Kindheit", sagt sie.

"Ich bin nach dem Krieg auf dem Land groß geworden. Da mochte man Blumen – und natürlich auch das Gemüse." Inge Bauer, Bewohnerin des Resi-Stemmler-Hauses

Für Gartentherapeutin Kreuer sind genau das die Augenblicke, auf die sie hofft. Ein Geruch, eine Pflanze oder ein Gefühl kann Erinnerungen hervorrufen, die durch die Demenz oft tief verborgen sind.

Therapie mit Pflanzen

In Deutschland leben laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Therapien wie Gartenarbeit sollen dabei helfen, Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten und positive Emotionen auszulösen.
Gerade Sinneseindrücke wie Gerüche oder Berührungen können Erinnerungen an frühere Lebensphasen wecken.

Senioren mit Demenz erleben einen Garten in Euskirchen.

Senioren mit Demenz gehen im Garten spazieren.

Bildquelle: WDR/Sabine Rieck

Zum Abschluss der Therapiestunde greifen die Bewohner selbst zur Harke. Gemeinsam setzen sie eine Blume ins Beet. "Kommen Sie, Frau Bauer", sagt Kreuer. "Dann pflanzen wir das hier im Beet ein." Inge Bauer nimmt das Werkzeug in die Hand und arbeitet konzentriert in der Erde. Dann schaut sie kurz auf, lächelt – und sagt: "Das habe ich früher auch immer gemacht."

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
  • Interview mit Gartentherapeutin Ulrike Kreuer
  • Interviews mit Bewohnern des Resi-Stemmler-Hauses
  • Deutsche Alzheimer-Gesellschaft

Sendung: WDR.de, Demenzgärten gegen das Vergessen, 07.05.2026, 16:20 Uhr

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