Heißer Sommer für 77-jährigen Schädlingsbekämpfer

Bildquelle: Loïc Michels

3 Min. 25 Sek. Verfügbar bis 21.08.2028

Seit 52 Jahren Ungeziefer ohne Ende für Schädlingsbekämpfer Julius

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Mehr Mäuse als je zuvor, Bettwanzen sind zurück, Ameisenplagen gibt es jeden Tag. Die Urlaubszeit war schon immer Hochbetrieb für Schädlingsbekämpfer - aber das sich verändernde Klima und neue Regeln machen dieses Jahr voller als je zuvor.

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Loic Michels

An heißen Tagen ist der Anzug fast unerträglich, aber die Hornissen lassen ihm keine Wahl. An einem durchschnittlichen Reihenhaus in Herzogenrath haben sie es sich, gerade über der Haustür, gemütlich gemacht: Ein Loch führt dort in eine Höhle, wo sie ihr Nest aufgebaut haben. Julius Linden macht den Reißverschluss seines Imkeranzugs zu und richtet sein Hornissenspray auf das Loch in der Ecke. So in Aktion sieht man es ihm nicht an, aber er ist 77 Jahre alt und hat schon vieles im Fach erlebt. Energie für seine Arbeit hat er aber immer noch.

Julius Linden, ein Mann mit grauem Schnurrbart und Brille, trägt einen Imkeranzug.

Der Imkeranzug ist nur ein Bruchteil des Werkzeugs, das Linden benutzt – aber ein sehr wichtiger Teil.

Bildquelle: Loïc Michels

Ein Dutzend große Hornissen mit orangen Streifen am Unterleib surren bedrohlich um ihn herum. Pssht, pssht, pssht - gegen die Spritze können sie aber nichts ausrichten. Mehr als fünf Minuten dauert es nicht. "Wenn sie in einigen Tagen doch zurück sind, rufen Sie mich dann nochmal an", sagt Julius Linden zu der Kundin. Und dann steigt er wieder in seinen großen Dienstwagen, auf dem Weg zum nächsten Kunden. Täglich kann er zurzeit locker zehn, zwölf solcher Einsätze machen.

Schädlingsbekämpfer im Hochsommer: Aufträge ohne Ende

Der enge Takt der Aufträge ist ihm nicht anzumerken: Entspannt und zielsicher geht er an die Arbeit, aber er findet trotzdem immer noch die Zeit für einen kleinen Witz. Wenn er von einem Einsatz zum anderen fährt, beantwortet er ständig Anrufe von Kunden. Ein leichtes Zupfen an seinen grauen Schnurrbartspitzen ist das einzige Zeichen seiner Anspannung.

Rechts im Bild sieht man Julius Linden im Imkeranzug. Er hält eine Spraydose, mit der er in eine Ecke zwischen Tür und Wand sprüht, um ein Hornissennest zu entfernen.

Manche Schädlinge, wie Flöhe und Bettwanzen, werden von Menschen aus dem Urlaub mitgebracht. Hornissen aber, wie hier in der Wand versteckt, erscheinen von ganz alleine.

Bildquelle: Loïc Michels

"Es ist im Moment von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang", sagt Linden über seine Arbeitsstunden. Sommer war schon immer Hochsaison für Schädlingsbekämpfer, es wird aber immer mehr. Die milden Winter lassen mehr Insekten und Nagetiere überleben und sich vermehren. Darüber hinaus kommen strengere Regeln fürs Gift: Kunden dürfen viele Köderdosen nicht mehr selbst aufstellen, sie müssen Schädlingsbekämpfer dafür anrufen.

"Manchmal komme ich erst um zehn nach Hause. Dann gelingt es mir nicht einmal, Fernsehen zu gucken. Direkt essen und ins Bett - und aufpassen, dass ich nicht schon mit dem Teller vor mir einschlafe." Julius Linden, Schädlingsbekämpfer

Städteregion Aachen: Stammkunden beim Schädlingsbekämpfer

Linden bekämpft viele unterschiedliche Tierchen: Flöhe, Bettwanzen, Mäuse. Oft reicht ein Spray ins Nest aus oder einige Köderdosen mit Gift - wie auch heute, in einer Drei-Zimmer-Wohnung in der Aachener Innenstadt. Das weiße Interieur gehört einer Influencerin, wie der Tisch mit Mikrofon und Handystativ belegt - aber auch Ameisen wollen die Wohnung in Besitz nehmen.

Dagegen sucht Linden die kleinen Spalten in den Fußleisten und stellt kleine weiße Köderdosen auf. Die Schädlinge lassen sich immer gut bekämpfen, aber ihre Erscheinung ist für viele Leute ein Albtraum. Das ist auch Teil des Berufs, sagt Linden: "Man sollte vor allen Dingen die Ruhe bewahren beim Ganzen, nicht in Panik kommen. Ich versuche, mit meinem ruhigen Auftreten die Situation zu normalisieren." Die Kundin hinter ihm mischt sich ein: "Das gelingt Ihnen gut!" Linden lächelt und guckt auf die Köderdosen in seinen Händen. "Danke schön".

So ein Einsatz gegen Ameisen, mit Materialkosten der Köderdosen, kann einen Kunden schon zweihundert Euro kosten. Dafür versucht er immer, Service zu liefern und verfügbar zu sein. Manche Kunden sind schon seit Betriebsanfang 1994 mit dabei. "Man hat dann eine Stammklientel aufgebaut. Die bleiben einem in gewisser Weise treu - und dann wird man mit diesen Kunden alt."

Schädlingsbekämpfer aus Herzogenrath - oder: Aufräumcoach

Er hat gesehen, wie sich das Fach ändert. "Es waren schöne Zeiten", sagt er mit einem Lächeln, als er alte Fotos durchguckt. "Da werden ganz viele alte Erinnerungen wieder wach." Er spricht zum Beispiel von einer Bekämpfung von Tauben auf der Kirche von Immerath, die seitdem dem Tagebau weichen musste.

Auf dem Tisch liegt ein altes Foto von Julius Linden im Einsatz, als er noch schwarze Haare und einen schwarzen Schnurrbart hatte.

Früher war der Sommer die einzige Hochsaison der Schädlingsbekämpfer. Mittlerweile ist es auch im Winter Vollbetrieb.

Bildquelle: Loïc Michels

Als Schädlingsbekämpfer sieht man vieles: Linden erlebt immer öfter, dass Tiere sich in einem Haus breitmachen, wo die Hygiene nicht ausreicht. "Dann ist zum Beispiel die Ehepartnerin verstorben, und der Mann kommt nicht mit der Situation zurecht. Der hinterlässt chaotische Verhältnisse, räumt nicht mehr auf. Dann wird das querbeet, danach ist jeder Raum eine Mülldeponie."

"Man muss manchmal auch hartgesotten in manchen Bereichen sein... Da ist leider alles möglich." Julius Linden, Schädlingsbekämpfer

Doch der Beruf macht ihm immer noch Spaß - und trotz seines Alters, in dem manche schon mit dem Rollator durch die Gegend laufen, will er noch nicht aufhören. Warum auch, "solange ich noch laufen kann, mich gut fühle..."

Gedanken macht er sich trotzdem: Ein Mitarbeiter hat schon Interesse gezeigt, den Betrieb zu übernehmen. Achtzig Jahre scheint ihm ein schönes Alter, ihn zu übergeben. Nicht nur für sich selbst: "Meine Frau möchte auch etwas von mir haben: Sie sagt immer, du bist mit der Firma verheiratet."

Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräch mit Schädlingsbekämpfer Julius Linden
  • Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort

Sendung: WDR.de, Ungeziefer ohne Ende für Schädlingsbekämpfer Julius, 29.08.2026, 7:05 Uhr

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