Friedenspreis für iranische Regimekritiker und Festival-Organisatoren
Lokalzeit aus Aachen. 01.09.2025. 02:26 Min.. Verfügbar bis 01.09.2027. WDR. Von Thomas Wenkert.
Die Auszeichnung ging an den regimekritischen Amirkabir Newsletter aus dem Iran sowie an Birgit und Horst Lohmeyer aus Mecklenburg-Vorpommern. Das Ehepaar veranstaltet jedes Jahr ein Open-Air-Rockfestival, dass sich gegen Rechtsextremismus positioniert.
Die Laudatio auf die Preisträger hielt der Regisseur und Grimme-Preisträger Ali Samadi Ahadi. Den "Amirkabir Newsletter" würdigte er als "Licht" in einem ideologischen Staat, der freies Denken als Bedrohung ansehe. "Ein Licht, das von Generation zu Generation der Studierenden weitergereicht wird. Es flackert, es wird bedrängt, aber es erlischt nicht", so Samadi.
Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen spricht ein Grußwort.
Das Ehepaar Lohmeyer bezeichnete der Filmemacher als "Symbolfiguren der Zivilcourage". Mit ihrem Festival "Jamel rockt den Förster" verteidigten sie die Seele eines Ortes gegen Rechtsextremisten - trotz persönlicher Anfeindungen. "Sie haben bewiesen, wie zwei Menschen - mit einer Idee, einer Bühne und großem Mut - ein Dorf, ein Land, eine Gesellschaft bewegen können", sagte Samadi.
Preis für iranischen regimekritischen Newsletter
Das studentische Mitteilungsblatt war Ende der 1990-er Jahre an der Amirkabir-Universität in Teheran entstanden. Mittlerweile wird es im Internet verbreitet. Das Mitteilungsblatt dokumentiert vor allem Repressionen und Menschenrechtsverletzungen an iranischen Universitäten. Es setzt sich auch kritisch mit der Hochschulbildung im Iran auseinander. Das regimekritische Medium ruft auch immer wieder zu Aktionen des zivilen Ungehorsams auf.
Geheimdienst übt Druck aus
Seit Jahren übe das Geheimdienstministerium der Islamischen Republik Druck auf den Amirkabir Newsletter aus. Mitarbeiter – so heißt es von den Organisatoren des Aachener Friedenspreises – würden entführt, verhaftet und mit Freiheits- und Züchtigungsstrafen belegt.
Der Newsletter habe viele Vergehen aufgedeckt, zum Beispiel Anordnungen zur Besetzung von Fakultätspositionen mit regimetreuen Personen. Er berichtet seit Jahren über Missstände und Menschenrechtsverletzungen im Iran.
Die Aachener Aula Carolina war bei der Preisverleihung voll besetzt.
Eigentlich sollte der Chefredakteur den Preis in Aachen entgegennehmen. Er lebt seit zwei Jahren in Armenien. Ihm sei jedoch kein Visum ausgestellt worden, um nach Deutschland einzureisen. Offenbar – so eine Sprecherin des Aachener Friedenspreises – sei die Angst zu groß, dass er in Deutschland bleiben wolle.
"Er ist ein Kämpfer für die Sache, nicht für die eigene Person", heißt es in einer Stellungnahme. Deutschland verweigere einem vehementen Kämpfer für Menschenrechte und Demokratie die Einreise.
Mit Rock gegen Rechtsextremismus
Birgit und Horst Lohmeyer leben seit 2004 in dem mecklenburgischen Dorf Jamel. Seit 2007 engagieren sie sich mit "Jamel rockt den Förster"-Festival lautstark für Demokratie und Toleranz. Und das vor dem Hintergrund, dass sich 95 Prozent der Einwohner Jamels als bekennende Nazis bezeichnen. Seit den 2000er-Jahren ziehen immer mehr Familien aus der rechtsextremen Szene in das Dorf im Wismarer Umland.
Brandanschlag auf Wohnhaus
Vor knapp zehn Jahren wurde ein Brandanschlag auf dem Gelände der Familie verübt. Seitdem hat das Festival an Popularität gewonnen. Mehr als 3.500 Besucher kommen jährlich, nehmen an Informations- und Workshopprogrammen teil. "Trotz Widerstands und täglicher Bedrohung setzen sich die Lohmeyers für Demokratie und Frieden ein. Sie sind Vorbild und Wegbereiter", hieß es von den Organisatoren des Friedenspreises.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Lea Heuser vom Aachener Friedenspreis
- WDR-Reporter vor Ort
- Nachrichtenagentur KNA