Gärtnereien kämpfen mit der Hitze

WDR 02:40 Min. Verfügbar bis 22.07.2028

Trockenheit und Hitze Was Gärtner in der Aachener Region unternehmen

Stand:

Die heißen Temperaturen setzen nicht nur uns Menschen heftig zu. Auch Bäume, Blumen und Pflanzen leiden. In Aachen und der Region versuchen die Gärtnereien mit viel Aufwand, ihre Pflanzenbestände über den Sommer zu bringen - manchmal auch mit findigen Tricks.

Von
Logo des Westdeutschen Rundfunk
Loic Michels

Die kleinen, runden Eukalyptusblätter im Gartenbaubetrieb von Eckhard Müller sehen noch ganz ansehnlich aus. Erstaunlich, nach wochenlanger Dürre unter der prallen Sommersonne in Aachen-Richterich. Irgendwann sollen sie im Gartencenter über die Ladentheke gehen.

Der große Mann mit sonnengebräunter Haut sitzt in seinem Traktor, fährt alle Reihen der jungen Eukalyptuspflanzen ab, und gibt ihnen eine kleine Dusche. "Hier gehen tausend Liter Wasser rein!", sagt Müller, während er den Deckel seines weißen Fasses öffnet, das er als Tank hinter seinem Traktor herzieht.

Der Gärtner sitzt in seinem Traktor. Hinter ihm prallt die Sommersonne auf sein Feld voller Eukalyptuspflanzen.

Eckhard Müller bewässert seine Pflanzen.

Wasser für den Wald in Aachen

Ältere Pflanzen mit tiefen Wurzeln können einfacher an Wasser kommen, das in 15 Zentimetern Tiefe im Boden zu finden ist. Das Wasser aus dem Fass ist für die jungen Pflanzen, die noch nicht einmal ein Jahr alt sind. Die Wurzeln sind noch nicht tief genug, dass die Pflanzen sich durchgängig selbst versorgen können.

Die tausend Liter aus dem Fass reichen aber nicht für das ganze Feld. Gärtner Müller wird heute fünfmal zu seinem Wasserzapfpunkt zurückmüssen - fünf Fahrminuten entfernt. Das Gießen wird den ganzen Tag in Anspruch nehmen.

Ein Tag, an dem er seine andere Arbeit liegen lassen muss. Der Aufwand lässt sich grob auf 500 Euro schätzen - zweimal pro Woche. "Das alles, damit wir irgendwann hier einen Eukalyptuswald stehen haben." Und damit mit den Pflanzen durch den Verkauf am Ende auch ein Gewinn erzielt werden kann.

Ein Feld voller kleinen Eukalyptuspflanzen. Ein Traktor fähr vorbei und sprüht Wasser auf die Pflanzen.

Die jungen Eukalyptuspflanzen brauchen noch viel Wasser.

Pflanzen brauchen Schatten - auch in Würselen

Bisher ist das Bewässern für Müller die beste Lösung. Eine andere Methode hat Armand Kremer gewählt - der Gärtner aus Würselen züchtet zwar auch Pflanzen, aber auf wesentlich kleinerer Fläche: 1.200 Quadratmeter, während Eckhard Müller auf ganze 150.000 Quadratmeter kommt.

Im Kampf gegen die Sonne setzt Kremer auf Schatten. Um die lilanen Blumen auf seinern Pflanztischen schwirren die Bienen, außen herum stehen eiserne Gerüste. Dazwischen sind grüne, halbtransparente Tücher gespannt: "Die Pflanzen bekommen so 30 Prozent weniger Sonne", sagt Kremer mit einer Schere in der Hand. "Sie wachsen langsamer, aber während der Dürre müssen wir nicht ständig gießen."

Klimawandel: Eine Zukunft in der Dürre

Trotz der eher geringen Größe des Gärtnereibetriebes sind die Tücher eine Investition von 30.000 bis 35.000 Euro, so Kremer. Dazu kommen noch Vließmatten - 500 Euro pro Quadratmeter - um das Wasser besser festzuhalten. "Als Unternehmer muss man immer investieren. Immer auf neue Umstände einspielen. Ich bin bereit, den Kampf mit dem Klimawandel anzugehen."

Armand Kremer lächelt während er neben einem Tisch voller Pflanzen, violetten Blumen und unter seinen Schattentüchern steht

Schatten schaffen ist die Taktik von Armand Kremer.

Zurück in Aachen-Richterich: Hier zeigt sich Müller nicht ganz so kampfeslustig. "Ich kann hier natürlich eine riesige Bewässerung und schattige Hallen bauen, aber irgendwann ist das nicht mehr das, was ich hier im Freiland produzieren möchte", sagt er, während die Sonne die Luft zum Zittern bringt. "Das ist nicht die Gärtnerei, wie ich sie mal angefangen habe."

Wie gieße ich richtig?

Gärtner Kremer empfiehlt, beim Gießen eher die Menge als die Regelmäßigkeit zu priorisieren. "Viele Menschen denken, sie müssten jeden Tag gießen. Besser ist es aber, einmal alle zwei Tage zu gießen - dann aber ordentlich." Man könne mit den Fingern in die Erde prüfen, ob man genug gegossen hat. Am besten sei es, zehn bis fünfzehn Zentimeter nasse Erde zu spüren. "Eine Pflanze kann schon recht viel Wasser vertragen."

Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräch mit Gärtner Eckhard Müller, Aachen
  • WDR-Gespräch mit Gärtner Armand Kremer, Würselen

Sendung: WDR.de, Gärtnereien kämpfen mit der Hitze, 22.07.2026, 10:20 Uhr

Weitere Beiträge aus der Städteregion Aachen

1 / 2