Liebevolle Pflege von Wegkreuzen
Bildquelle: Loïc MichelsWDR. 3 Min. 17 Sek.. Verfügbar bis 11.03.2037.
Wegekreuze in Vaals : Dieser Verein restauriert ein altes Erbe
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Sie stehen an vielen Wegesrändern - und werden dennoch von vielen gar nicht beachtet. Wegekreuze sind nicht nur im niederländischen Vaals häufig anzutreffen, auch in Aachen und der Region sind die kleinen Kunstwerke anzutreffen. Und damit sie lange schön bleiben, werden sie von Freiwilligen wie Paul gepflegt.
Im Gartenhaus von Paul Mays Schrebergarten stehen die Regale voller Töpfe mit Farbe und Lack - die werden heute dringend gebraucht. May war vor der Rente Maler und wendet seine Fähigkeiten jetzt an für die hölzernen Bretter, die neben dem Haus liegen. Noch hat er den Heißluftfön und den Schaber in der Hand und schabt geduldig die alte weiße Farbe vom Holz. Vor ihm liegt ein Wegkreuz, was jahrelang bei Wind und Wetter an einer Straßenecke stand.
"Das sind alles Monumente, und wenn keiner sich drum kümmert, verfallen die alle. Und da hätte ich was gegen - oder lieber: tue ich was dagegen." Paul May
Wegkreuze sind weit verbreitet in ursprünglich katholischen Gegenden. Menschen bauten sie, um Gott zu danken oder einem Sterbefall zu gedenken. In der Gemeinde Vaals gibt es viele: hölzerne, eiserne, mit einem kleinen oder großen Jesus. Mal stehen sie in einer verlorenen Ecke oder mitten im Dorf. Vor fünf Jahren waren viele zerfallen. Also gründeten Bürger einen Verein, um sie zu reparieren und zu pflegen. Paul May ist aktives Mitglied.
Arbeit an den Wegekreuzen auch für das eigene Gewissen
An den Sommerwochen verbringt er jeden Tag an der Arbeit. Es wirkt dann so, als ob er noch gar nicht in Rente wäre. Und er ist nicht der Einzige: Heute ist zum Beispiel sein Kumpel Bert Vandeberg dabei - er schneidet Holz. "Wir zwei", sagt Paul, "wir haben so viel Sünden begangen, jetzt müssen wir wieder etwas Gutes tun, damit wir wieder ins Plus kommen." Er lacht laut, und Bert erwidert: "So viele Kreuze können wir nicht mehr machen!"
Die zwei sind Teil einer Gruppe von rund fünf Handwerkern, die die Bilder restaurieren. „Die Chemie hat sofort gestimmt“, sagt Paul über die Gruppe.
Bildquelle: Loïc MichelsAuch ein kleines Marienbild, das entzwei gegangen ist, werden sie reparieren. "Klar, wir könnten so ein Marienbildchen auch locker neu kaufen. Aber die Person, die das hier gemacht hat, hat da viel Arbeit und Liebe reingesteckt; das Bild hat eine Seele." Deshalb restaurieren sie lieber das Original, anstatt es auszutauschen.
An dem Kreuz werden die Männer locker mehr als zwei Wochen arbeiten müssen: Sie schleifen, lackieren, kleben, retuschieren, lasieren und patinieren. Und dann muss das Kreuz wieder zurück an seine Stelle. Dafür braucht es die Muskelkraft von vier Menschen. Geschätzte Maße des Handwerkstücks: anderthalb Meter breit, knapp das doppelte hoch.
Wenn wir es repariert haben, kümmern die Leute sich besser drum. Dann kaufen sie neue Blumen, Kerzen, machen es sauber. Das war vorher nicht so. Paul May
Eine Warteliste für Paten in Vaals
Neben Paul und Bert gibt es noch einige weitere Handwerker, die an den Kreuzen arbeiten. Und vor allem: Mehr als sechzig Paten, die sie weiterhin pflegen, wenn sie wieder restauriert an Ort und Stelle stehen. Sie putzen die Kreuze, entfernen Unkraut und pflanzen Blumen drumherum.
Jedes Mal, wenn sie vorbeikommt, dauert die Pflege für Elly so ungefähr eine halbe Stunde – inklusive des Weges dorthin.
Bildquelle: Loïc MichelsAuch Elly Kikken macht das: Sie hat ein kleines Exemplar zwischen Feld und Wald "adoptiert" und dank ihr sieht das hier hängende Jesusabbild gepflegt aus. Während sie die Blätter von seinem Podest fegt, vergleicht sie den Effekt mit dem Fitnessstudio: "Da hat man nach den Übungen auch ein gutes Gefühl. Das ist es auch, wenn man mit den Kreuzen fertig ist."
Es gehört einfach hier dazu! Manchmal kommen Leute vorbei und fragen, warum wir so etwas tun - wir machen das halt. Elly Kikken
Sie wurde damals von einem alten Schulkameraden angeworben, der jetzt den Verein leitet. Lambert Jaegers hatte die Aufgabe vor fünf Jahren übernommen und die Arbeit bekannter gemacht, auch viele der Ehrenamtlichen angeworben. Er macht nicht nur die logistische Arbeit, sondern erforscht auch die Hintergründe hinter jedem einzelnen Kreuz.
Das Kreuz ist nicht das einzige Denkmal in der Gegend, das Elly adoptiert hat und pflegt.
Bildquelle: WDR / Loïc MichelsDafür spricht er mit Dorfbewohnern, recherchiert in Gemeindearchiven, ruft das Archiv vom Bistum an. "Aber wir haben noch mehrere Jahre nötig, um das für alle Kreuze in Vaals zu finden. Das ist Schwerarbeit." Er lächelt, ist sich aber dennoch der noch anstehenden Arbeit bewusst.
Für die Ehrenamtler lohnt sich die Arbeit
Manche werden sich wünschen, dass die Arbeit nie ausgeht. Bert und Paul genießen den Teamgeist im Wegkreuzverein komplett, sagen sie. Und auch die Anerkennung, die ihre Arbeit ihnen im Dorf bringt. "Wenn wir zum Beispiel beim Griechen sitzen, da gibt es Fremde, die dir auf die Schulter klopfen und sagen: 'Haste schön gemacht, Jungen!'" Auch bekommt den Verein viel Unterstützung: Verschiedene Firmen spenden Materialien für die Reparatur, und die Gemeinde stellt jedes Jahr gratis Blumen zur Verfügung.
"Da ist aus einem Schneebällchen eine Lawine geworden", sagt Paul schließlich über die Bewegung, die vom Verein ausgelöst worden ist. Eine gute Idee? Die Vaalser Organisation hat mittlerweile andere Dörfer in Niederländisch-Limburg inspiriert: So ist auch in Gulpen ein Wegekreuzverein gegründet worden.
Unsere Quellen:
- Eindrücke und Gespräche des WDR-Reporters vor Ort
- WDR-Gespräch mit Lambert Jaeger, Elly Kikken, Paul May
Sendung: WDR.de, Liebevolle Pflege von Wegekreuzen, 05.09.2026, 8:03 Uhr
