Sabotage-Versuche: Fahndung nach Verdächtigem aus Gevelsberg
Bildquelle: WDR/Christof VoigtAktuelle Stunde . 04.09.2026. 43 Min. 24 Sek.. UT. Verfügbar bis 04.09.2028. WDR. Von Timucin Tim Köksalan.
Die Polizei fahndet mit Hochdruck nach einem 48-jährigen Mann aus Gevelsberg, der in zwei Bekennerschreiben die Verantwortung für Anschläge auf Umspannwerke in NRW und Brandenburg für sich reklamiert. Laut NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) begründete der Mann die Taten darin mit Kritik an der Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen.
Bei der Durchsuchung der Wohnung des Verdächtigen wurden Reul zufolge am Freitag unter anderem "sprengstoffverdächtige Gegenstände" gefunden. Diese würden untersucht, sagte der Minister bei dem gemeinsamen Presse-Statement mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Der Mann selbst befinde sich weiter auf der Flucht. Nach ihm wird europaweit gefahndet.
Zwischenzeitlich wurde das mutmaßliche Fahrzeug des 48-Jährigen durch Spezialeinsatzkräfte in Niederzier im Kreis Düren gestürmt. Der Mann habe sich aber nicht in dem Wagen befunden, so Reul. Jetzt werde das Fahrzeug auf Spuren durchsucht.
Sabotage an Umspannwerken, Bekennerschreiben, Ermittlungen: Hier sortieren wir, was wann passiert ist und was wir bislang wissen.
1. September:
3. September:
4. September:
Anschlagsversuch auf das Umspannwerk Jänschwalde
Einsatzkräfte einer Polizeihundertschaft durchsuchen großräumig die Umgebung eines Umspannwerks in Brandenburg.
Bildquelle: dpa1. September 2026: Am Dienstagmorgen werden am Umspannwerk Turnow‑Preilack nahe dem Kohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg mehrere sogenannte unkonventionelle Brand- und Sprengvorrichtungen entdeckt. Es kommt zu Kurzschlüssen an Leitungen, die Stromversorgung bleibt dank Ersatzleitungen jedoch stabil.
Nach Angaben des Netzbetreibers handelt es sich um selbstgebaute Flugkörper, die Silvesterraketen ähneln und mit leitfähigem Material bestückt sind, um Kurzschlüsse in Hochspannungsleitungen auszulösen. Das Landeskriminalamt Brandenburg übernimmt die Ermittlungen, die Landesregierung spricht von einem "Anschlagsversuch" auf die Stromversorgung. Es wird auch wegen Terrorverdachts ermittelt.
Sabotage am Umspannwerk in Bergheim
1. September 2026: Am selben Tag kommt es in NRW zu einer Störung am Umspannwerk des Netzbetreibers Amprion bei Bergheim im Rhein‑Erft‑Kreis. In der Nacht zu Dienstag werden feuerwerksähnliche Raketen mit leitfähigem Material über Höchstspannungsleitungen abgeschossen. Es kommt zu einem Kurzschluss, mehrere Kraftwerksblöcke gehen vorübergehend vom Netz.
Im Umfeld werden Abschussvorrichtungen und Reste von Pyrotechnik gefunden. Die Konstruktionen ähneln denen in Brandenburg. Polizei und Staatsanwaltschaft Köln ermitteln wegen verfassungsfeindlicher Sabotage und Störung öffentlicher Betriebe. Ein politisch motivierter Hintergrund wird geprüft.
Sabotage-Versuch in Dormagen
Amprion-Mitarbeiter vor dem Umspannwerk in Dormagen
Bildquelle: WDR/Peter Hild3. September 2026: Am Donnerstagabend entdecken Spaziergänger an einem Umspannwerk bei Dormagen im Rhein‑Kreis Neuss verdächtige Konstruktionen. Es handelt sich um Abschussvorrichtungen, die stark den Vorrichtungen aus Bergheim ähneln. Schäden entstehen nicht, das Gelände wird abgesperrt und von Spezialisten untersucht.
Polizei durchkämmt Umgebung am Kraftwerk Weisweiler und in Eschweiler
Aufgrund eines Sabotageverdachts untersucht die Polizei das Braunkohlekraftwerk in Weisweiler.
Bildquelle: Purvi Patel / WDR4. September 2026: Am Kraftwerk Weisweiler bei Aachen und einem Umspannwerk in Eschweiler durchkämmte die Polizei mit zahlreichen Kräften die Umgebung, weil der Ort in einem Bekennerschreiben genannt worden war. Mitarbeiter der Spurensicherung waren in Schutzanzügen und mit Atemschutz im Einsatz. Dabei stellten sie zahlreiche dünne Drähte sicher.
Bekennerschreiben und SEK-Einsatz in Gevelsberg
4. September 2026: In den Bekennerschreiben heißt es zur Begründung der Taten: "Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen." Der Verfasser betont, allein gehandelt zu haben - und hinterlässt eine konkrete Adresse. Daraufhin kommt es in Gevelsberg zu einem SEK-Einsatz. Der Gesuchte wird dort jedoch nicht aufgefunden. Die Polizei fahndet nun europaweit nach dem Mann.
Pressestatement: Dobrindt und Reul sprechen von "Klimaextremismus"
4. September 2026: Die Polizei fahndet nach den Worten von Reul weiter nach dem Mann. "Wir prüfen, ob der Verfasser tatsächlich mit den Taten zu tun hat. Wir prüfen, ob er allein gehandelt hat oder ob andere beteiligt waren", sagte der CDU-Politiker. Bundesinnenminister Dobrindt sagte: "Nach aktuellem Stand muss man hier von Klimaextremismus ausgehen."
SEK-Zugriff auf verdächtiges Fahrzeug am Hambacher Forst
Das Fahrzeug des gesuchten Mannes
Bildquelle: WDR/Sophia Naim4. September 2026: Die Polizei stürmt laut Innenminister Reul das Fahrzeug des Mannes, der mehrerer Sabotage-Aktionen gegen die deutsche Stromversorgung verdächtigt wird. Der Zugriff sei in Niederzier bei Düren erfolgt, so der CDU-Politiker. Jetzt sei der Mann vermutlich zu Fuß unterwegs und werde nicht weit kommen. Das Fahrzeug wird auf Spuren untersucht.
Unsere Quellen:
- Vorherige WDR-Berichterstattung
- dpa
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 04.09.2026, 18:45 Uhr