A3 soll achtspurig werden
Bildquelle: WDR/ Gaby van den Boom03:17 Min.. Verfügbar bis 04.08.2028.
Die Mitglieder der Initiative "3 reicht" sind sauer: Seit vielen Jahren setzten sie sich für eine Nutzung des Seitenstreifens der A3 ein. Vor allem in den Stoßzeiten soll so der Verkehrsfluss zwischen Hilden und Leverkusen-Opladen erhöht werden. Doch jetzt haben das Bundesumweltministerium und die Autobahn GmbH ihre Argumente gegen den achtspurigen Ausbau ad acta gelegt.
"Zwei weitere Fahrspuren auf rund 15 Kilometern Länge ergeben eine zusätzliche versiegelte Fläche von fast 12 Hektar - das entspricht rund 16 Fußballfeldern", sagt Werner Roth von der Initiative "3 reicht". Er zeigt auf die A3 die unterhalb einer Brücke in Solingen verläuft.
Werner Roth ist verärgert
Bildquelle: WDR/ Gaby van den BoomRechts und links breitet sich die Ohligser Heide aus. Ein wertvolles Naturschutzgebiet, ein Moor. Solche Flächen seien selten, aber wichtig. Denn Moore halten schädliches CO2 zurück - ein Vielfaches von dem, was Wälder bewirken können.
Standspurlösung abgelehnt
Bereits 2022 bescheinigte ein Gutachten, dass die Nutzung der Seitenstreifen technisch möglich sei. "Das hat festgestellt, dass man die Seitenstreifenlösung, wie sie an anderen Stellen in NRW und Deutschland ja schon existiert, auch zwischen Hilden und Leverkusen anwenden könnte, um die Leistungsfähigkeit der A3 an dieser Stelle zu erhöhen", sagt Werner Roth.
Gemeinsamer Protest
Unterstützt wird die Initiative von den bergischen Städten und der IHK. Sie haben einen Brief an den neuen Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) geschrieben. Darin machen sie sich nochmal für den Seitenstreifen stark. Sie halten die Temporäre Seitenstreifenfreigabe weiterhin für die sinnvollste und schnell umsetzbare Lösung, um die Leistungsfähigkeit der zentralen Verkehrsachse zu erhöhen und zugleich den Flächenverbrauch gering zu halten.
Die Absage an die temporäre Nutzung der Seitenstreifen können sie nicht nachvollziehen: Neue technische Entwicklungen und wissenschaftliche Erkenntnisse seien nicht berücksichtigt worden.
Bürgermeister kritisiert unfairen Kampf
Gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer sowie den Bürgermeistern der anliegenden Kommunen setzt sich Langenfelds Bürgermeister Gerold Wenzens (Bürgergemeinschaft Langenfeld) für die günstigere, und vor allem schneller umsetzbare Lösung der temporären Seitenstreifenlösung.
Die A3 zwischen Hilden und Leverkusen
Bildquelle: WDR/ Gaby van den Boom"Die gibt es ja heute schon auf einem weiteren Teil der A3 ab dem Kreuz Hilden", sagt er und: "Ich habe das zweifelhafte Vergnügen gehabt über 20 Jahre als Pendler im Stau auf der A3 zu verbringen. Da geht sehr viel Lebenszeit drauf."
Zehn Jahre Bauzeit, das sei auch für die Wirtschaft nicht tragbar. Aber große Chancen, die Standspurlösung doch noch durchzusetzen, rechnet er sich nicht aus. Die Städte gegen das Bundesverkehrsministerium, das sei ein bisschen wie ein Kampf David gegen Goliath.
Statt Flächenfraß, vorhandene Kapazitäten nutzen
Auch die Bürgerinitiative "3 reicht" hat Zweifel an der Stichhaltigkeit der Ablehnung – viele Vorschläge seien gar nicht aufgenommen worden. "Unser Denkansatz besteht darin, die vorhandenen Kapazitäten zu nutzen und das ist der Seitenstreifen und die umgebenden Autobahnen 1, 59 und 57 in ein Gesamtkonstrukt mit Leitsystem einzubinden", so Werner Roth. Sie hätten sogar empfohlen, daraus ein Pilotprojekt für NRW zu entwickeln.
Seitenstreifen gilt als sicherheitsrelevant
Die Autobahn GmbH verteidigt den Ausbau. Nach Abwägung aller Vorteile und Kosten bleibe man beim Ausbau – zumal sich durch die Seitenstreifenlösung keine finanziellen Vorteile ergeben. Für diese benötige man mindestens 27 Haltebuchten mit einer Länge von jeweils 200 Metern.
Friederike Schaffrath von der Autobahn GmbH verteidigt Ausbaupläne
Bildquelle: WDR/ Gaby van den BoomAußerdem müssten mehr als 30 Brücken auf der Strecke erneuert und verbreitert werden. Auch das seien gravierende Eingriffe in die Landschaft. Die Brücken stammten meist aus den 1930er Jahren und seien nicht in der Lage, den zusätzlichen Verkehr aufzunehmen.
"Die Kosten für den Ausbau sind annähernd identisch zur Seitenstreifen-Freigabe. Deshalb muss man genau überlegen, ob es sinnvoll ist, einen Seitenstreifen dauerhaft wegzunehmen." Friederike Schaffrath, Leiterin Außenstelle Autobahn GmbH
Brief an Verkehrsminister: alles nicht durchdacht
Diese Argumente wollen die Bürgermeister nicht akzeptieren. Der mangelhafte Zustand der Brücken sei bereits in dem Gutachten von 2022 berücksichtigt und keinesfalls als Hindernis gesehen worden. Es sei deshalb von vornherein geplant gewesen, dass die Sanierung oder der Neubau von Brücken zu den notwendigen Arbeiten für Umsetzung der Seitenstreifenlösung gehören würde, genauso wie der Bau von Nothaltebuchten.
Gleichzeitig heiße es nun, dass die Autobahn GmbH die Brücken bereits jetzt prüfen, sanieren oder neu bauen wird, um Gewichtsbeschränkungen oder gar Komplettsperrungen auf der A3 zu vermeiden.
Vorplanung steht
Bis der achtspurige Ausbau kommt, da werden wohl noch Jahre vergehen. "Irgendwann in der 2030ern", sagt Frederieke Schaffrath von der Autobahn GmbH. Für sie ist klar, dass sie bei so vielen maroden Brückenbauwerken und Unwägbarkeiten natürlich die leistungsfähigere Variante bevorzugt. Die Vorentwürfe für den Ausbau stehen mittlerweile.
Unsere Quellen:
- Bundesverkehrsministerium
- Autobahn GmbH
- Bürgerinitiative "3reicht!"
- Stadt Langenfeld
- Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, A3 soll achtspurig werden, 07.08.2026, 5:01 Uhr