Im Kreuz Herne, das die A42 mit der A43 verbindet, wird die A43 sechsstreifig ausgebaut

Baustelle + Urlaubszeit = Nervenprobe

Staus im Ferienverkehr Arbeitet da wirklich niemand auf der Autobahn?

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Ferienzeit ist leider auch Stauzeit. Besonders ärgerlich: Wenn der Grund eine Baustelle ist, an der man keine Arbeiter sieht.

Diese Situation kennen wohl die meisten: Ein Stau auf der Autobahn, der nicht wegen eines Unfalls entsteht, sondern an einer Baustelle. Alle bremsen runter, einige zu stark. Mit maximal Tempo 20 zuckelt man dann die verengten Fahrstreifen entlang. Von vorne drückt die Sonne durch die Scheibe und sorgt für Schweißperlen auf der Stirn. Hinten treten die lieben Kleinen gegen die Sitze und zersägen die Nerven: "Wann sind wir da-ha? Wie lang noch?"

Und all der Langmut, den man sich im Laufe der Jahre antrainiert hat, geht spätestens dann flöten, wenn man schließlich die Baustelle und somit den Grund des Staus erreicht - und da ist dann keiner! Zwei verwaiste Bagger, ein verschlossener Bauwagen, haufenweise Baumaterial, nur Bauarbeiter sind nirgends zu sehen. Und dafür haben wir uns jetzt eine Dreiviertelstunde durch den Stau gequält? Was ist da los?

Ein Schild weist auf eine Baustelle auf einer Autobahn hin

Die Autobahn GmbH rechnet in den Sommerferien mit einem der staureichsten Wochenenden des Jahres.

Warum gerade in den Ferien viel gebaut wird

Gerade in der Ferienzeit wird auf den Autobahnen viel gebaut. Das liegt am guten, meist verlässlichen Wetter, aber auch daran, dass in den Ferien einfach weniger los ist auf den Straßen und somit auch weniger Menschen betroffen sind von den Bauarbeiten. Für diejenigen, die mit dem Auto in den Urlaub fahren und dann im Stau stehen, ist das aber kein großer Trost.

Hier ist das Staurisiko in NRW besonders hoch

Am kommenden Wochenende sind gute Nerven gefragt. Der ADAC rechnet mit einem staureichen Wochenende - in Nordrhein-Westfalen rollt die zweite Reisewelle, und Urlauber aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland sind auf dem Heimweg, weil dort bald die Ferien enden. 

Laut ADAC sind am Freitagnachmittag, Samstagvormittag und Sonntagnachmittag die meisten Staus zu erwarten. Es wird empfohlen, auf Alternativrouten auszuweichen, antizyklisch zu fahren und sehr früh oder sehr spät ins Auto zu steigen - oder am besten an einem anderen Tag fahren.

Da das nicht bei jedem möglich ist, hat die Autobahn GmbH eine Übersicht veröffentlicht mit Autobahnabschnitten auf den Ferienrouten, die jetzt besonders anfällig für Staus sind - alleine 20 davon befinden sich in NRW:

"Geisterbaustellen" können viele Ursachen haben

Aber warum sieht man immer wieder diese Geisterbaustellen, wo scheinbar nichts vorwärts geht? Das könne ganz verschiedene Gründe haben, sagte Bernd Löchter von der Autobahn GmbH. Bei Fahrbahnarbeiten müsse der Belag oft aushärten: "Bei Asphalt geschieht das in 24 Stunden, bei Beton allerdings kann das bis zu 28 Tage dauern." Manche Arbeiten wie Markierungen oder das Anbringen von Flüsterasphalt könnten nur bei bestimmten Witterungsbedingungen erfolgen.

Autos fahren durch Baustelle auf der Autobahn A1 Richtung Köln

Oft fehlen Arbeiter auf den Baustellen.

Gerade bei Brückenarbeiten seien die Arbeiter oft nicht sichtbar, weil sie seitlich oder unter der Brücke zu Gange sind. "Außerdem wird nicht überall gleichzeitig gearbeitet", sagt Löchter. So komme es öfter vor, dass man beispielsweise einen sechs Kilometer langen Bauabschnitt Stück für Stück abarbeite: "Da sieht man dann fünf Kilometer lang niemanden, weil alle im letzten Abschnitt zu tun haben." Um die komplette Baustelle gleichzeitig anzugehen, fehlten oft die Arbeiter, erklärt Löchter.

Materialmangel und Logistikprobleme

Besonders dann, wenn die verschiedenen Gewerke ineinander übergehen, komme es oft zu Engpässen, sagt auch Roman Suthold vom ADAC. Oft seien auf den Autobahnen verschiedene Firmen am Werk. "Ist die Baustelle von Firma A eingerichtet und Firma B hat gerade Personalmangel, kommt es zu leeren Baustellen." Auch Materialmangel und Probleme bei der Logistik könnten dabei eine Rolle spielen.

Zudem wurde bei den Ausschreibungen für Autobahnarbeiten früher nur nach dem Preis ausgewählt - der günstigste Anbieter bekam den Zuschlag. Das mag mit Hinblick auf die öffentlichen Haushalte sinnvoll sein, führte in der Praxis aber oft dazu, dass langsamer gearbeitet und Arbeiten an anderen Baustellen vorgezogen wurden. Um das zu ändern, habe NRW die Bedingungen für die Auftragserteilung geändert, sagte Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) dem WDR. "Die Bauzeit ist jetzt ein Vergabekriterium."

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Textes stand, dass die Ferien in Baden-Württemberg und Bayern schon am kommenden Wochenende beginnen. Tatsächlich beginnen sie aber erst am ersten August-Wochenende, wir haben den Text entsprechend korrigiert. 

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagenturen dpa, AP
  • Mitteilung Autobahn GmbH
  • Mitteilung ADAC
  • Interview mit Bernd Löchter
  • Roman Suthold (ADAC)
  • NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer

Gründe für Geisterbaustellen auf Autobahnen

WDR 22.07.2026 01:31 Min. Verfügbar bis 22.07.2028

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Sendung: WDR.de, Gründe für Geisterbaustellen auf Autobahnen, 23.07.2026, 5:02 Uhr

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