Anna war Kosmetikerin, jetzt rettet sie Leben
WDR. 03:48 Min.. Verfügbar bis 26.06.2028.
Wenn Anna Dabrowska Leben retten will, geht sie erstmal in Richtung Toilette. Dem Trubel im Einkaufszentrum Monheimer Tor schenkt die 56-Jährige heute wenig Beachtung. Nur ab und zu schaut sie prüfend an die Decke.
Ihre blonden Haare sind zum Dutt gebunden, Arbeitshose, Handschuhe und einen Eimer voller Werkzeug in der Hand: Wer es nicht besser wüsste, würde die 56-Jährige für eine Hausmeisterin halten. Doch kurz vor der Kundentoilette stoppt sie an einer unscheinbaren Tür.
Sprinklertechnikerin: ein verantwortungsvoller Job
Egal ob Einkaufzentrum, Büro- oder Wohngebäude: Fast alle modernen Immobilien haben Sprinkleranlagen. Oft sind sie ganz unscheinbar, doch wenn es brennt, müssen sie sofort funktionieren: Bei großer Hitze bricht eine Glasampulle oder ein Siegel und Wasser spritzt heraus. Die Sprinkler sollen den Brand im Zaum halten, bis die Feuerwehr eintrifft.
Damit das klappt, müssen die Anlagen regelmäßig gewartet werden. Das ist der Job von Anna Dabrowska. Sie ist Sprinklertechnikerin und mittlerweile im Keller unter den Klos angekommen. In dem Raum steht ein riesiger roter Druckkessel. An den Wänden führen mehr als ein Dutzend Rohre nach oben. An jedem von ihnen sind runde Anzeigen angebracht, die aussehen wie Taschenuhren.
Schraubenschlüssel statt Nagelfeile
Sobald ein Sprinkler aufgeht, braucht es genügend Wasserdruck, sonst kommt nichts raus. Das muss Dabrowska überprüfen. Routiniert greift sie in die Anlage, dreht ein Teil ab, es zischt, die Anzeige schlägt aus. Die Arbeit ist ein Handwerk. Nur ihre sorgsam nachgezogenen Augenbrauen deuten noch auf ihren früheren Job hin: Kosmetikerin in einem Schönheitssalon in Polen.
Sprinklerzentrale im Einkaufszentrum: Im Ernstfall rettet die Anlage Leben
Wo sie heute den Schraubenschlüssel hält, hat sie früher die Nagelfeile herausgeholt. Ihr großer Traum: Ein eigenes Kosmetikstudio. Nur das Geld fehlte. Deshalb kam sie nach Deutschland, um ein paar Jahre zu arbeiten. Doch eine Krebserkrankung machten ihre Pläne zunichte.
Auf Jobsuche nach der Krankheit
Im Sprinklerkeller spricht sie jetzt von "einer kleinen Pause". Man habe ihr sogar angeboten, in Frührente zu gehen. "Aber das wollte ich nicht", schiebt sie mit Nachdruck hinterher. Weiter als Kosmetikerin arbeiten aber auch nicht: "Ich habe zwanzig Jahre lang mit Frauen gearbeitet", sagt sie und lächelt wissend. "Das war immer sehr stressig. Frauen sind einfach ein bisschen, wie sagt man, zickig."
Dabrowska beim Ausladen: Job mit Ruhe gesucht
Warum aber gerade Sprinklertechnikerin? "Ich habe einen Job gesucht, wo ich nicht so viel sprechen muss", sagt sie. "Und ich brauche ein bisschen Ruhe. Hier im Keller bin ich meistens allein und kann meine Sachen erledigen."
Nur gibt es den Job, den Dabrowska macht, eigentlich nicht. Denn Sprinklertechniker ist kein anerkannter Ausbildungsberuf. Aber man kann sich dafür weiterbilden, Qualifizierung heißt das.
Gute Jobchancen im Brandschutz
Qualifizierungsleiter Maik Brodehl: gute Jobchancen
Zum Beispiel in Wülfrath bei der Zentrale Brandschutztechnik-Akademie. Die Kosten zahlen meist Jobcenter oder Agentur für Arbeit. Die Jobchancen im Brandschutz seien gut, sagt Maik Brodehl, der sich um die Lehre kümmert. Viele Teilnehmer würden schon vor dem Ende der Maßnahme einen Arbeitsvertrag angeboten bekommen.
Plötzlich schrillt eine Sirene durch den Keller im Monheimer Tor. Auch der Alarm löst aus. Anna Dabrowska ist zufrieden, die Wartung ist abgeschlossen. Die Weiterbildung zur Sprinklertechnikerin bereut sie kein bisschen. Festes Gehalt statt Zittern um die nächste Kundin.
Aber es geht ihr nicht nur ums Geld, wie sie sagt: "Die Verantwortung hier ist viel größer. Ich arbeite für 1.000 Menschen und nicht nur für einen. Ich prüfe die Anlagen, die Leben retten."
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- Gespräch mit Maik Brodehl und weiteren der ZBA Wülfrath
- Anfragen an Fachverbände und IHK zu Jobperspektiven
Sendung: WDR.de, Sprinklertechniker: Brandschutz als Job-Chance, 26.06.2026, 5:02 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 26.06.2026, 19:30 Uhr
