Vorbereitung auf die nächsten Rekordtemperaturen
WDR. 03:13 Min.. Verfügbar bis 29.07.2028. Von Gaby van den Boom.
"Hitze ist eine konkrete Gefahr, damit müssen wir lernen umzugehen", sagt der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes im Kreis Mettmann, Arne Köster. Mit verschiedensten Maßnahmen versucht man nun gegenzusteuern.
Kühle Versorgungszentren für Hitzeopfer
Weil die Notaufnahmen der Krankenhäuser komplett überlastet waren, hat der Kreis am vergangenen Hitzewochenende quasi über Nacht mit Hilfe des DRK eine Notfallversorgungsstelle in Erkrath eingerichtet. Die Anweisung an die Rettungsdienste: Alle überhitzten Menschen, die keine Notfälle sind, sollen dort hingebracht werden, um sie langsam abzukühlen.
Die Klinikschließungen im Rahmen der Gesundheitsreform waren ein weiterer Grund für die massive Überlastung, sagt Mirko Braunheim, zuständig für den Bevölkerungsschutz im Kreisgebiet: "Man hat die Zahl der Kliniken in den vergangenen Jahren deutlich reduziert, so dass wir häufig Patienten auch ins Umland transportieren müssen. Diese Überlasstungsituation bestand natürlich überall – zumal in Dormagen ein Seniorenheim wegen der Hitze evakuiert werden musste – auch auf so eine Notlage mussten wir uns einrichten.“
Versorgungszentrum für Hitzeopfer
Derzeit werde überprüft, wo im Kreisgebiet weitere kühle Räume zur Verfügung stehen, um bei der nächsten Hitzewelle sofort reagieren zu können. Beispielsweise in Hotels mit klimatisierten Tagungsräumen.
"Wir haben die Notlage im Juni zum Anlass genommen, solche Notfallversorgungstellen festkonzeptionell einrichten zu können." Mirko Braunheim, Leiter Stabsstelle Bevölkerungsschutz im Kreis Mettmann
Kühle Orte im Kreis Mettmann gesucht
Hitzewellen als Standard-Programm: Die Kommunen müssen umdenken und vorbeugen. Die Stadt Langenfeld zum Beispiel: Sie hat dazu aufgerufen, klimatisierte Räume bereitzustellen. Ladenbesitzerin Hiltrud Markett hat sofort mitgemacht. Sie ist begeistert von der Initiative.
"Ich finde es sehr gut, alle mit dem Thema Hitze in Berührung zu bringen. Viele denken ja gar nicht drüber nach, auch Geschäftsinhaber Versicherungen. Die kommen auf gar keine Idee - ich könnte meine klimatisierten Räume ja mal öffnen. Und wenn hier jemand auf dem Weg ist und schleppt sich mit ´nem Rollator hier lang und sieht das Schild bei mir und kann hier Pause machen das ist doch super." Hiltrud Markett, Ladenbesitzerin in Langenfeld
Ladenbesitzerin Hiltrud Markett stellt einen klimatisierten Raum zur Erholung bereit
Viele haben sich gemeldet - Versicherungen, Geschäfte, sogar Reinigungsunternehmen. In Langenfeld sind Hinweisschilder auf die klimatisierten Orte jetzt häufig zu finden.
"Ich bin ein Winterkind. Ich hab es schon als Baby gehasst, wenn die Sonne auf mich draufgeschienen hat und von daher ich genieße das sehr mit meiner Klimaanlage. Der Einbau war eine sehr gute Entscheidung und kann man ja dann auch teilen." Hiltrud Markett, Ladenbesitzerin in Langenfeld
Verschnaufpause unter der Klimaanlage
Hiltrud Markett zeigt auf ihre frisch aufgehängten Schilder an der Tür. Die hat die Stadt sofort geschickt nachdem sie sich gemeldet hat. Zusätzlich gab es Flyer mit Tipps zum Verhalten bei Hitze und Hilfsangeboten. Noch ist es nicht übermäßig heiß. Trotzdem kommt eine Frau herein und erkundigt sich nach dem Angebot.
Einfach mal zwischendurch Abkühlen
Zufrieden lässt sie sich auf dem Sessel direkt unter der Klimaanlage nieder. "Es tut gut, einfach mal zu verschnaufen und einfach durchzuatmen“, sagt sie. Und schon öffnet sich wieder die Tür und die nächste ältere Dame kommt herein: „Ich glaub wir Nordeuropäer sind für Hitze nicht gemacht, dass man, wenn man unbedingt raus muss, so einen Ort hat, wo man sich mal für einen Moment ausruhen kann, das ist perfekt“, findet sie.
Unsere Quellen:
- Kreis Mettmann
- Stadt Langenfeld
- ärtzlicher Rettungsdienst Kreis Mettmann
- Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, "Vorbereitung auf die nächsten Rekordtemperaturen", 30.07.2026, 5:07 Uhr