Nur wenige Tage nach dem Anschlag auf Besucher beim Christopher-Street-Day in Berlin herrscht auch bei den Veranstaltern der CSDs in NRW Verunsicherung. Am Samstag waren bei dem mutmaßlich islamistischen Angriff eine Frau getötet und fast 30 weitere Menschen verletzt worden. Die Polizei geht davon aus, dass Abdul Ballout mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge fuhr. Die Polizei erschoss den 21-Jährigen am Sonntagabend bei dem Versuch ihn festzunehmen.
Direkt nach dem Anschlag hat sich eine Diskussion um die Sicherheit bei CSD-Demos entsponnen. Vor allem mit dem Blick auf die vielen CSD-Umzüge, die in den kommenden Wochen in NRW-Städten geplant sind. Bis Mitte September sind es laut dem Queeren Netzwerk NRW noch mindestens 19. Die meisten Veranstalter reagieren entschlossen und wollen jetzt erst recht an ihren CSD-Veranstaltungen festhalten. Die Organisatioren in Münster wollen noch beraten wie es weitergeht.
Stadt Dortmund will Sicherheitsmaßnahmen für CSD überprüfen
Nach dem Anschlag in Berlin möchte die Stadt Dortmund Haltung zeigen und sich nicht einschüchtern lassen. Sie kündigt an, nochmal einen Blick auf die geplanten Sicherheitsmaßnahmen für den CSD in der Stadt werfen zu wollen und zu überprüfen, ob diese noch angepasst werden müssen. Die Sicherheit für die Teilnehmenden habe oberste Priorität. Der Christopher Street Day findet in Dortmund dieses Jahr am 5. September statt.
"Jetzt erst recht" in Bonn, Ahaus und Moers
Den größten Druck dürften die Veranstalter des CSD in Bonn spüren, der schon am kommenden Wochenende (1. August) stattfinden soll. Dort ist man sich aber sicher, dass der CSD stattfinden soll. Laut Michael Harings, Vorstandsmitglied von r(h)einqueer Bonn e.V. und Mitorganisator des Bonner CSD, soll zuvor die Sicherheit noch einmal überprüft werden: "Die Sorge, dass weniger Menschen zum CSD nach Bonn kommen ist natürlich da." Die genaue Route der Demo wird nach Angaben des Veranstalters aus Sicherheitsgründen bis kurz vor Beginn geheim gehalten.
Ähnlich entschlossen sind die Veranstalter des CSD in Ahaus, der ebenfalls schon am kommenden Wochenende stattfindet. "CSD sind dafür da, für queere Rechte, für queere Sichtbarkeit einzustehen!", sagt Jonah Paul vom Vorstand von "Queer in Ahaus". Die Demo soll also wie geplant durchgeführt werden. Einzige Änderung: Es gibt eine Schweigeminute für die Opfer aus Berlin.
Und auch in Moers will man sich am 1. August von der Tat in Berlin nicht vom Feiern und Demonstrieren abhalten lassen. "Es soll keiner Angst haben, es sollen alle kommen", sagt Organisator Daniel Siebert. Seitens der Polizei hieß es, die Sicherheitsvorkehrungen würden ständig an die aktuelle Lagebewertung angepasst. "Alle polizeilichen Maßnahmen sollen trotz der Geschehnisse in Berlin zu einem friedlichen Fest für den CSD in Moers beitragen", teilte ein Polizeisprecher dem WDR mit.
Essen und Krefeld zeigen sich kämpferisch
Auch in Essen signalisieren die Veranstalter des CSD, dass der Anschlag in Berlin sie nicht abhalten werde. "Wir werden nicht zulassen, dass Angst unser Handeln bestimmt. Wir lassen uns nicht einschüchtern", schrieb das Team des Ruhr Pride am Sonntag auf seinem Instagram-Account. Der CSD in Essen soll am 8. August stattfinden. Derzeit prüft die Stadt, an welchen Stellen rund um das Veranstaltungsgelände Sperren gegen Angriffe mit Fahrzeugen aufgestellt werden können. Außerdem soll die Zahl der Einsatzkräfte erhöht werden.
"Wir werden nicht leiser – wir werden lauter. Wir stehen zusammen und setzen weiterhin ein klares Zeichen für Menschlichkeit, Respekt und Solidarität." Post auf dem Instagram-Account des RuhrPride
Auch in Krefeld ist bislang keine Absage der Veranstaltung am 15. August geplant. Der dortige CSD-Verein will mit der Polizei in den Austausch gehen. In Sachen Sicherheit "werde man sicherlich jetzt nachschärfen müssen", sagte der Vorsitzende Levent Sirkal. "Viele Menschen fragen mich jetzt, wie sicher ist ein CSD?" Auch in Krefeld soll es eine Gedenkminute geben. Der Verein will in den kommenden Tagen mit Polizei und Stadt über weitere Maßnahmen sprechen. Klar ist, es wird ein Vielfaches der Sicherheitskräfte im Vergleich zu anderen Jahren vor Ort sein.
Zusammenhalt auch in Aachen und im Hochsauerland
Der in Aachen geplante CSD am 28. und 29. August soll ebenfalls wie geplant stattfinden. Mitveranstalterin Christine Kölb vom Verein Rainbow Aachen e. V. betont ein gutes Sicherheitskonzept für die Veranstaltung: "Ich glaube, dass sowohl das Sicherheitspersonal als auch die Polizei noch mehr sensibilisiert sind." Die Community sei für einen starken Zusammenhalt bekannt - entsprechend werde man jetzt nur mit mehr Menschen auf die Straße gehen.
Aachens Oberbürgermeister, Michael Ziemons (CDU), zeigte sich bestürzt: "Liebe muss frei sein können und sich frei ausdrücken können. Das gehört zu unserer Demokratie dazu." Er werde sich in den kommenden Tagen mit der Polizei und den Behörden beraten und die Sicherheitsmaßnahmen überprüfen.
Christine Kölb setzt beim Aachener CSD auf ein starkes Sicherheitskonzept
In Arnsberg findet in diesem Jahr außerdem der erste CSD im Hochsauerlandkreis statt. Unter dem Motto "Jetzt erst recht" will der Verein "Offen.BUND Arnsberg" am 22. August dort die queere Community stärken und sichtbarer machen. Kommende Woche wollen die Veranstalter sich mit Ordnungsamt und Polizei zusammensetzen um mit Blick auf den Anschlag in Berlin nochmal genauer alle Zufahrten auf der Strecke zu prüfen.
Es gibt aber auch Städte, die noch nicht genau wissen, wie sie nach dem Anschlag in Berlin weitermachen wollen. In Münster wollen sich die Veranstalter des CSD am Dienstag zusammensetzen und überlegen, wie sie bei den Pride Weeks und auf dem CSD mit dem Thema umgehen wollen, wie Rebecca Broermann, Mitglied im Orga-Team im Gespräch mit dem WDR sagte.
In Lüdenscheid ist der CSD ebenfalls für den 22. August geplant. Um das Sicherheitsgefühl der Besucher zu verbessern, soll die Zahl der Ordnungskräfte und ehrenamtlicher Helfer und Helferinnen an der Demo-Strecke und bei der Kundgebung erhöht werden. "Der CSD ist ein Safe Space für die queere Community, die im Alltag Anfeindungen ausgesetzt ist und gerade jetzt ist es umso wichtiger, dass wir diesen Safe Space aufrechterhalten", sagte Organisatorin Carina Büdenbender dem WDR.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur dpa
- Queeres Netzwerk NRW e.V.
- Pressemitteilung der Stadt Dortmund
Sendung: WDR.de, CSD in NRW, 27.07.2026, 11 Uhr