Die AfD hatte versucht, den Veranstaltungsort in Hückeswagen geheim zu halten. Denn sie wusste, es wird Protest geben. Und so war es dann auch: Knapp 100 Demonstranten zogen zu dem kleinen Bauernhof, wo das Sommerfest stattfand, um gegen die AfD zu protestieren.
Eigentlich hatten die Demonstranten vor, die Gäste der AfD mit lautstarkem Protest zu empfangen. Das klappte dann nicht, weil die Polizei die Zufahrtsstraße abgeriegelt hatte.
AfD-Gegner aus der gesamten Region
Lena H., die aus Angst vor Repressalien anonym bleiben will, hatte die Demo bei der Polizei angemeldet. Es sei notwendig, diesem schleichenden Prozess der Ausbreitung der AfD etwas entgegenzusetzen, meinte sie. "Die AfD hängt auch hier im beschaulichen Bergischen Land rechtem, rassistischem und antidemokratischem Gedankengut an und ist zunehmend mit extremen Rechten vernetzt."
Tierischer Protest in Hückeswagen
Bildquelle: Carsten SteinEine andere Teilnehmerin sprach davon, das man im Iran momentan sehr gut sehen könne, was passiere, wenn Menschenrechte und demokratische Grundwerte verloren gingen. Die Demonstranten kamen aus dem gesamten Oberbergischen Kreis, Oberberg, Wermelskirchen, Hückeswagen, Wipperfürth und Radevormwald, darunter auch Bündnisse wie "Oberberg ist bunt".
AfD-Funktionär wehrt sich gegen "Nazi"-Vorwürfe
Markus Lietza, Vorsitzender der AfD Hückeswagen
Bildquelle: Carsten SteinAngesprochen auf die Vorwürfe zeigte sich der Organisator des Sommerfestes, der Vorsitzende der Hückeswagener AfD Markus Lietza befremdet. "Nazi" als Schimpfwort würde inflationär benutzt. Außerdem würde die Gleichsetzung der AfD mit dem damaligen Naziregime den Nazi-Terror verharmlosen und den Opfern nicht gerecht, meinte Lietza.
Der AfD-Funktionär findet, Parteimitgliedern Rassismus vorzuwerfen sei angesichts der Tatsache, dass viele in der Partei einen Migrationshintergrund haben, auch skurril. Seine Mutter stamme aus Italien, sein Vater aus Polen.
"In jeder Partei gibt es Menschen, die durch ihre radikalen Position die Partei in Misskredit bringen. Davon distanzieren wir uns - bis hin zum Parteiausschluss", so der Hückeswagener AfD-Vorsitzende.
Gegendemonstration verläuft friedlich
Die Demonstration verlief friedlich. Zwischenzeitlich gab es kurz Unruhe, als eine Gruppe von Demonstranten die vorgegebenen Absperrungen umging, mit dem Vorwand, eine Pinkelpause beim Nachbarhof einlegen zu wollen. Sie positionierten sich dann aber in unmittelbarer Nähe zum Sommerfest und skandierten unter anderem Antifa-Parolen wie "Nazischweine raus".
Unsere Quellen:
- Beobachtungen vom WDR-Reporter vor Ort
- WDR-Reporter im Gespräch mit AfD und Gegendemonstranten