Lilou, Mira und Charlie: Therapeuten mit Fell und Pferdeschweif
Bildquelle: Epona e.V.WDR. 3 Min. 18 Sek.. Verfügbar bis 17.08.2028.
Die Pferde leben auf dem Hückeswagener Hof in einer Herde. Lilou, ein schottisches Highlandpony, ist die Leitstute. Auf der Weide hütet und beschützt sie die anderen. Therapeutin Anna Will nennt sie liebevoll "Einhorn". Denn Lilou ist sehr feinfühlig.
Ideale Therapiepferde setzen Zeichen
Das macht sie zum idealen Pferd für die Therapie. Die beginnt bereits beim Putzen der Tiere. Dabei können sich die Kinder schon ein wenig reinfühlen in das Pferd - wie es ihm geht und wie es ihnen selbst geht, sagt Pferdetherapeutin Anna Will. Sie berühren das Pferd, fühlen es und schauen, wo es dreckig ist. Das Pferd gibt dabei Zeichen, was es mag und was nicht.
"Das sind diese kleinen Zeichen: Das Pferd dreht den Kopf weg, dann möchte es da nicht gekämmt werden, und dann hören wir da drauf." Anna Will, Pferdetherapeutin
Therapie als Freiluft-Erlebnis
Diese Nähe hat Isabelle Thülig überzeugt. Seit ein paar Monaten kommt sie mit ihren beiden Töchtern Fiona und Maira hierher. Die vierjährige Fiona hatte acht Tage nach ihrer Geburt mehrere Schlaganfälle erlitten. Seitdem ist sie vom Bauchnabel abwärts querschnittsgelähmt. Zärtlich kämmt die Kleine den schwarzen Wallach Charlie, den Senior der Therapiepferde.
"Wir sind so viel drinnen in der Physiotherapie, in der Logopädie. Dabei sind wir eigentlich eine 'Draußen-Familie'. Und das ist so schön, dass wir die Therapie draußen mit einem Hobby verbinden können. Deswegen sind wir richtig gerne hier." Isabelle Thülig, Fionas Mutter
Jeder Schritt ist Training für den Körper
Fiona lernt auf Lilou, ihr Gleichgewicht zu halten
Bildquelle: WDR/Michaela HeiserDenn auch Fionas Schwester Maira liebt Pferde. So haben beide Schwestern ein gemeinsames Hobby und sind nicht, wie sonst oft, durch Arzttermine und Therapien für Fiona getrennt. Das Tolle: Beide Mädchen dürfen nach dem Putzen raus zum Reiten. Für die querschnittsgelähmte Fiona eine Möglichkeit, Selbstbewusstsein zu lernen und ihren Körper zu trainieren.
"Das Kind trainiert den Rumpf. 100 Schritte in einer Minute und jedesmal wird der Rumpf trainiert. Wenn der Rumpf stark ist, können die Kinder die Arme bewegen und die Beine bewegen.." Anne Will, Pferdetrainerin
Die Mutter freut sich, dass die Kleine Spaß hat
Auch Maira genießt den Tag mit Schwester und Mutti auf dem Reiterhof
Bildquelle: WDR/Michaela HeiserWährend Fiona stolz auf Lilou reitet und dabei immer wieder winkend die Ärmchen hebt, sitzen ihre Mutter und ihre ältere Schwester auf einer Bank am Rande des Reitplatzes. Sie schauen zu.
"Die ersten Male hatte ich unglaubliche Tränen in den Augen. Dass sie da so sicher auf dem Pferd sitzt, das ist total schön. Das hat mich emotional so mitgenommen." Isabelle Thülig, Fionas Mutter
Bei dieser Art von Therapie ist Schwester Maira nicht nur ein Anhängsel. Auch sie darf aufs Pferd und lernt, an der Longe zu galoppieren und, mit zwei vollen Wasserbechern in der Hand, auf dem Pferderücken das Gleichgewicht zu halten.
Pferdetherapie - ein Lebenstraum
Therapeutin Anna Will hat sich mit ihrem Hof einen Lebenstraum erfüllt. Hier kann sie ihre Liebe zu Pferden und ihre Erfahrungen weitergeben: Die Sprache der Tiere zu "verstehen", sich mit ihnen zu verbinden und dadurch selbst ruhig und stark zu werden. "Hier kann ich auch als Kind ganz viel selber machen. Das Pferd, dieses große Wesen, hört ja auch auf mich", erklärt Anna Will den Lerneffekt, "ich kann es führen, füttern, mich kümmern darum."
Und für Mutter Isabelle Thülig ist es "ein riesiges Glück, dass wir jetzt solche Menschen und auch Tiere in unserem Alltag haben, die uns helfen."
Unsere Quellen:
- Gespräche der Reporterin vor Ort
- Interview mit Pferdetherapeutin Anna Will
- Eindrücke von der Pferdetherapie in Hückeswagen
Sendung: WDR.de, Hückeswagen: Familietherapie mit Pferden, 26.08.2026, 5:08 Uhr
