Sozialverbände fordern Absicherung der Müngstener Brücke

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04:39 Min. Verfügbar bis 10.06.2027

Sozialverbände fordern Absicherung der Müngstener Brücke

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Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke gilt als Touristenmagnet, viele Menschen nehmen sich dort aber auch das Leben. Eine Initiative will das ändern.

Von Inke Köster

Hunderttausende Besucher aus der ganzen Welt kommen jährlich in den Müngstener Brückenpark, um das Bergische Wahrzeichen zu bewundern. Doch die Müngstener Brücke zwischen Remscheid und Solingen zieht auch Menschen an, die nicht mehr leben wollen.

Die dunkle Seite der Müngstener Brücke

Zwischen 2008 und 2023 sprangen 61 Menschen von der Müngstener Brücke in den Tod. Stefan Böhm betreibt einen Kiosk und eine Minigolfbahn am Fuße der Brücke und hat das mehrfach miterleben müssen. Wenn er unter der Brücke entlang läuft oder fährt, guckt er immer erst nach oben, ob dort jemand steht.

Der Anblick ist traumatisierend

Stefan Böhm, Kioskbesitzer Müngstener Brückenpark

Stefan Böhm hat schon Menschen in den Tod springen sehen

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"Meistens springen die Menschen nachts und dann findet man sie am nächsten Tag", erzählt er. Der Anblick sei teils traumatisierend, nicht nur für ihn, sondern auch für die Polizisten und Rettungskräfte. Besonders erinnert sich Böhm an einen Fall, da sprang ein Mensch am helllichten Tag und "verfehlte nur ganz knapp eine Gruppe von Kindern", erzählt er.

"Die Schreie der Kinder verfolgen mich bis heute." Stefan Böhm, Betreiber des Minigolfplatzes im Müngstener Brückenpark

Eine Absicherung für die Brücke

Mahnwache für Absicherung Müngstener Brücke

Die Solinger sollen für die Suizid-Problematik sensibilisiert werden

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Gemeinsam mit anderen Privatpersonen sowie mehreren Sozial- und Kirchenverbänden hat Stefan Böhm das "Bündnis für Suizidprävention Müngstener Brücke" gegründet und an Pfingstsamstag eine Mahnwache vor einem Einkaufszentrum in der Solinger Innenstadt gehalten. Das Bündnis fordert eine Absicherung der Müngstener Brücke.

Leben könnten gerettet werden

weiße Schuhe

61 Paar Schuhe – eines für jeden Suizidenten von der Müngstener Brücke zwischen 2008 und 2023

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Simone Henn-Pausch ist ebenfalls Mitglied des Bündnisses und Notfallseelsorgerin in Solingen. Sie ist überzeugt, dass durch die Initiative Leben gerettet werden könnten. "Viele Menschen, die in einer Suizidalität sind, haben einen genauen Plan vom Ort und vom Zeitpunkt. Und den möchten sie umsetzen", sagt Henn-Pausch. Wenn dieser Plan nicht umzusetzen sei, müssten sie einen neuen Plan machen. "Und das verschafft ein Zeitfenster, in dem man den Menschen noch Hilfe zukommen lassen kann."

Pläne der Deutschen Bahn

Die Bahn als Eigentümerin der Brücke hatte zuletzt ein deutschlandweit einmaliges Lichtschranken- und Lautsprechersystem angekündigt, das noch in diesem Jahr in Betrieb gehen soll. Diese Pläne begrüßt das "Bündnis für Suizidprävention Müngstener Brücke", doch sie gehen ihm nicht weit genug.

Besucher müssen auch geschützt werden

Es fordert Absicherungsnetze, ähnlich wie an der Golden Gate Bridge in den USA. Seit es sie dort gibt, ist die Suizidrate deutlich gesunken. Außerdem müssten auch die Besucher des Brückenparks geschützt werden, begründet Notfallseelsorgerin Simone Henn-Pausch diese Forderung.

Sozialverbände fordern Absicherung der Müngstener Brücke

WDR Studios NRW 10.06.2025 00:52 Min. Verfügbar bis 10.06.2027 WDR Online

Bei der Müngstener Brücke handele es sich ja um einen Ort, an dem viele Spaziergänger und Freizeitsportler unterwegs sind. Und wenn Menschen am helllichten Tag dort springen, gefährdeten sie andere Menschen, die dort ihre Freizeit verbringen, sagt Henn-Pausch.

Sollten Sie Suizidgedanken haben oder das Gefühl haben, ein Angehöriger könnte sich etwas antun wollen, dann holen Sie sich Hilfe. Es gibt sie zum Beispiel bei der Telefonseelsorge: 0800 1110111 / 0800 1110222 oder 116 123.

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
  • Bündnis für Suizidprävention Müngstener Brücke
  • Deutsche Bahn
  • Hinterbliebene nach Suizid e.V.

Über das Thema berichten wir am 10. Juni 2025 auch im WDR-Fernsehen: Lokalzeit Bergisches Land, 19:30 Uhr.

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