Zeichen setzen gegen Antisemitismus

Bildquelle: WDR/ Johannes Rasch

1 Min. 45 Sek. Verfügbar bis 08.09.2028

Antisemitismus im Bergischen Weggeschubst wegen des Davidsterns

Stand:

Juden erleben auch im Bergischen Anfeindungen. Von ihren Erlebnissen und Sorgen haben sie beim Kippa-Tag in Solingen erzählt.

Nachdenkliche Töne und getragene Musik Dienstag Nachmittag vor dem Solinger Rathaus. Fast alle Männer tragen die Kippa, die jüdische Kopfbedeckung. Auch Menschen anderer Glaubensrichtungen sind mit dabei. Sie wollen damit zeigen, dass die Juden in der Stadt nicht allein sind.

Unter dem Motto "Solingen gegen Antisemitismus" setzt der Kippa-Tag ein sichtbares Zeichen gegen Judenfeindlichkeit - nach Wahlergebnissen wie zuletzt in Sachsen-Anhalt wichtiger denn je.

Juden erleben Antisemitismus im Bergischen

Julia Goldberg-Katz vom Büro zur Bekämpfung von Judenhass berichtet, dass auch Juden im Bergischen immer wieder von Anfeindungen erzählen.

So sei zum Beispiel eine Frau in Wuppertal von einer Mitarbeiterin im Krankenhaus nicht behandelt worden, weil sie einen Davidstern trug. Und auch Julia Goldberg-Katz ist schon angefeindet worden.

Eine Frau steht vor dem Solinger Rathaus
"Ich selbst wurde letztens weggeschubst. Ganz offensichtlich wegen meines Davidsterns." Julia Goldberg-Katz, Büro zur Bekämpfung von Judenhass

Angst und Unsicherheit nach Wahlen

Auch das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt ist in der jüdischen Gemeinde im Bergischen zu spüren. Es habe zu noch mehr Verunsicherung geführt, als ohnehin schon da war, sagt Gaby Lauenstein vom Freundeskreis Solingen/Ness Ziona. Sie ist Mitoragnisatorin des Kippa-Tags in der Stadt.

Eine Frau steht vor Bäumen in Solingen
"Es ist erschreckender, als wir befürchtet haben." Gaby Lauenstein
Freundeskreis Solingen/Ness Ziona

Das Beunruhigende: In dieser Partei, der AfD, gebe es viele ,"die gerne die Vergangenheit vergessen und relativieren wollen". Das mache aus ihrer Sicht Aktionen wie den Kippa-Tag so besonders wichtig.

Seit 8 Jahren gegen Judenfeindlichkeit

Mit dem Kippa-Tag wird seit 2018 ein Zeichen der Solidarität mit den jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern gesetzt. Organisiert wird der Tag von der Stadt Solingen, der jüdischen Kultusgemeinde Bergisch Land sowie dem Freundeskreis Solingen/Ness Ziona.

Gaby Lauenstein vom Freundeskeis hat in diesem Jahr viele Schulen angesprochen. Das sei besonders wichtig, weil Schüler die Zukunft seien. Sie sollen sich erinnern und gegebenenfalls auch gegen Antisemitismus Stellung beziehen.

Die Kippa als Zeichen der Solidarität

Die Kippa wird von Juden als Ausdruck der Ehrfurcht vor Gott getragen. Beim Kippa-Tag steht sie gleichzeitig für öffentliche Solidarität - Juden und Nichtjuden setzen mit dem Tragen der Kippa gemeinsam ein Zeichen für Toleranz, Vielfalt und die Sicherheit jüdischen Lebens.

Männliche Teilnehmer konnten sich die traditionelle Kopfbedeckung für die Veranstaltung auf dem Walter-Scheel-Platz in Solingen ausleihen. Die Botschaft: Wer eine Kippa trägt, soll das in Deutschland ohne Angst tun können.

Laut Polizei sind etwa 70 Menschen vor dem Rathaus zusammengekommen.

Unsere Quellen:

  • Eindrücke und Gespräche des WDR-Reporters vor Ort
  • Polizei Solingen/Wuppertal

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 08.09.2026, 19:30 Uhr

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