"Ich bin kein Mörder": Prozess um tödliche Poser-Fahrt in Wuppertal

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03:10 Min. Verfügbar bis 30.01.2028

"Ich bin kein Mörder": Prozess um tödliche Poser-Fahrt in Wuppertal

Stand:

Ein "Auto-Poser" soll in Remscheid mit seinem Auto zwei Frauen erfasst haben. Die 19-jährige Hanna starb dabei.

Von Benny Degen und Wolfram Lumpe
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"Ich bin kein Mörder." Mit diesen Worten ließ sich der Angeklagte Burak A. von seinen Verteidigern zitieren. In der Nacht zum ersten Mai 2025 hatte A. die Remscheider Schülerin Hanna totgefahren und ihre Begleiterin schwer verletzt.

Es herrschte großes Interesse am Prozessauftakt am Freitag in Wuppertal. Es sind die Freundeskreise und Familien der beiden Opfer gekommen und auch die Familie des Angeklagten, die den Prozess mitverfolgen möchten. Es ist der erwartet große Andrang zu Prozessbeginn, so dass nicht alle Besucher in den Verhandlungssaal passen.

"Ich habe schlimme und ganz schlimme Tage."

"Bis heute ist jeder Tag geprägt von Angst und Panik", sagt die Begleiterin, die mit Hanna von dem Auto erfasst wurde und heute als Zeugin ausgesagt hat. Sie war gemeinsam mit Hanna und weiteren Freundinnen auf dem Feuerwehrfest.

Sie sagt, sie habe keinerlei Erinnerungen an das Ereignis. "Alles Leere". Aber täglich und nächtlich kreist ihr Kopf um Hanna und das, was in jener Nacht passiert ist. Sie hat bis heute Schlafstörungen, alles erinnert sie an Hanna, Medien konfrontieren sie, im Straßenverkehr hat sie Angst.

WDR Reporter Wolfram Lumpe zum bisherigen Prozessverlauf

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00:37 Min. Verfügbar bis 30.01.2028

Dazu kommen die körperlichen Blessuren, unter anderem eine dicke Narbe an der Lippe, die schon im Rettungswagen genäht wurde und deshalb "ästhetisch nicht gut". Das erinnere sie täglich an das, was passiert ist. Außerdem habe sie die Schule ein Jahr aussetzen müssen. "Ich musste mich zurückkämpfen. Aber ich will die Schule auch für Hanna fertig machen, weil sie es nicht mehr kann."

Auch die Mutter der getöteten Hanna sagte zum Prozessauftakt als Zeugin aus. Teilweise konnte sie kaum sprechen. In der Nacht sei sie von Hannas Freund angerufen worden - da habe sie gleich gewusst, dass etwas Schlimmes passiert sei. Obwohl Hanna keinen Organspendeausweis hatte, entschied die Mutter, einer Organspende zuzustimmen: "Ich wusste, dass sie das wollte, und so konnte sie noch zwei Menschen das Leben retten."

Mord oder fahrlässige Tötung?

Es geht um viel: Dem Angeklagten wird Mord und versuchter Mord vorgeworfen. Bei einer Verurteilung droht ihm so lebenslange Haft.

Die Anklage wirft ihm vor, dass er die Tötung von Passanten billigend in Kauf nahm, deshalb spricht sie von Heimtücke und rücksichtlosem Verhalten.

"Poser"-Prozess um Tod von Hanna in Wuppertal gestartet

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WDR Studios NRW 30.01.2026 01:03 Min. Verfügbar bis 29.01.2028 WDR Online

Angeklagter gesteht Fahrt, weist aber Mordvorwurf von sich

Der Angeklagte äußert sich über einen Verteidiger gleich zu Beginn. Er habe immer schon auf schnelle Autos gestanden und sei oft viel zu schnell und riskant gefahren. Da dabei nie etwas passiert sei, habe er das Gefühl bekommen, ein "super Fahrer" zu sein. Rückblickend habe er sich damit belogen; niemand könne immer die volle Kontrolle über so ein schnelles Auto haben.

Verteidiger Boris Krösing nach Prozessbeginn um tödliche Poser-Fahrt

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00:48 Min. Verfügbar bis 30.01.2028

Das Gutachten

Er sei für den Tod von Hanna und die Verletzungen ihrer Begleiterin verantwortlich, habe große Schuld auf sich geladen. Er wisse nicht, wie das wieder gutzumachen sei. Außerdem macht die Verteidigung klar, dass sie den unfallanalytischen Gutachter ablehnt, da sie ihm Befangenheit unterstellt. Sollte dieser Antrag Erfolg haben, müsste vermutlich ein komplett neues Gutachten erstellt werden. Gutachter und Staatsanwaltschaft wiesen den Antrag zurück und warfen der Verteidigung vor, teils falsch zitiert und geschlussfolgert zu haben.

Angeklagter und Verteidiger beraten sich bei Prozess um tödliche Poserfahrt | Bildquelle: WDR

Das Gutachten ist Dreh- und Angelpunkt der Verhandlung. Es geht hier unter anderem darum, ob A. im sogenannten Race-Mode seines Mercedes gefahren ist, und ob die Stabilisierungssysteme des Autos dabei reduziert oder ganz deaktiviert waren; möglicherweise sogar "Manipulationen" am Auto vorgenommen wurden. Nach WDR-Informationen war das nach Einschätzung der Sachverständigen der Fall.

Die Anklage

Es ist die Nacht auf den 1. Mai 2025. Hanna und ihre 17-jährige Begleiterin kommen von einem Fest, als der Vorfall passiert. Der Angeklagte will "posen", angeben, und tritt das Gaspedal seines 640 PS starken Mercedes bei eingeschlagener Lenkung durch, so sagt es die Staatsanwaltschaft. Dabei habe er 1,46 Promille Alkohol im Blut gehabt. Er habe sehen müssen, dass auf dem Gehsteig viele Besucher des Feuerwehrfests unterwegs waren.

Eine Polizistin, die an dem Abend zur Unfallstelle gerufen worden war, berichtet als Zeugin von einem "mittelmäßigen Alkoholrausch": Er habe undeutlich gesprochen, sei unruhig und zittrig gewesen, schwankend gelaufen und habe im Streifenwagen auf Ansprache nicht mehr reagiert.

Wuppertaler Staatsanwalt Patrick Scheffels Penders vor Prozessbeginn | Bildquelle: WDR / Benny Degen

"Hierbei soll das Fahrzeug bereits nach einer Sekunde nach dem Losfahren unkontrolliert mit dem Fahrzeugheck ausgebrochen sein", so die Anklage. Der Vorwurf: Er wollte, dass das Heck ausbricht und habe auch nicht abgebrochen, als er die Kontrolle verlor. Das Auto traf demnach die beiden Frauen auf dem Gehsteig mit mehr als 60 km/h. Beide werden durch die Luft geschleudert, Hanna erliegt später im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen, die andere junge Frau überlebt und bleibt bis Ende Mai im Krankenhaus.

Tötungsabsicht?

Die Verteidigung sagt: Man kann nicht von einer Tötungsabsicht sprechen. Dass A. gefahren sei, dass er zu schnell war und die Kontrolle verloren habe, sei unstrittig. Aber die entscheidende Frage wird sein, ob sich der Mordvorwurf ausreichend belegen lässt - auch mithilfe des Gutachtens.

Mehr als 100 Menschen trauerten nach dem Unfall in Remscheid | Bildquelle: Klaudia Deus

Dafür ebenfalls interessant: Am Freitagnachmittag sollen mehrere Zeugen aussagen, darunter das Unfallopfer, das überlebt hat. Nach dem Auftakt sind neun weitere Prozesstage angesetzt.

Quellen:

  • Landgericht Wuppertal
  • Staatsanwaltschaft Wuppertal
  • Gespräch mit Anwalt Oliver Doelfs
  • WDR Reporter bei Gerichtsverhandlung

Sendung: WDR.de, Prozess um tödliche Poser-Fahrt in Remscheid, 30.01.2026, 05:58 Uhr
Sendung: WDR.de, "Poser"-Prozess um Tod von Hanna in Wuppertal gestartet, 30.01.2026, 10:35 Uhr
Sendung: WDR 2 Bergisches Land, Lokalzeit, 06.02.2026, 17:30 Uhr

Sendung: WDR-Fernsehen, Aktuelle Stunde, 30.01.2026, 18:45 Uhr
Sendung: WDR.de, Überlebende Frau sagt vor Gericht aus, 30.01.2026, 15:09 Uhr

Kommentare zum Thema

  • RS.W.Po 01.02.2026, 13:24 Uhr

    Die Leute aus der Szene empfinden den Knastaufenthalt sowieso als Adelstitel. Von daher ist es egal ob der lebenslänglich bekommt.

  • RS.W. 01.02.2026, 10:43 Uhr

    Soll die erfasst haben? Der hat die de facto erfasst mit Tod und schwerster Körperverletzung als Ergebnis.

  • Jacky 01.02.2026, 08:56 Uhr

    Ich frage mich wirklich, warum in diesen PS Schleudern aus Affalterbach zu 95 % junge Männer mit Migrationshintergrund sitzen? Ernsthaft! Was wollen die damit beweisen? Oder dient das Auto als Schwanzverlängerung? Die AMG Karren gehen mir so dermaßen auf die Nüsse. Laut und Asi! Könntest Du mir schenken, so nen Prolohobel, ich würde ihn am nächsten Tag verkaufen. Zu dem Angeklagten: Wenn der besoffen war, mindestens 7 Jahre in den Bau! Und richtig Schmerzensgeld an die Opferfamilien zahlen. Was für ein kleiner Penner!