Für 4.700 Euro illegal nach Deutschland?
Bildquelle: WDR / Rüdiger KnösslWDR. 1 Min. 30 Sek.. Verfügbar bis 24.08.2028.
Mutmaßliche Schleuser angeklagt : Für 4.700 Euro illegal nach Deutschland?
Stand:
In Wuppertal müssen sich von heute an zwei Brüder aus Mettman und Sprockhövel verantworten, weil sie bandenmäßig Ausländer eingeschleust haben sollen. Laut Staatsanwaltschaft hatten die Angeklagten "sehr professionell" gehandelt.
Die beiden Männer, 27 und 33 Jahre alt, sollen mit weiteren Komplizen mehr als 240 vorwiegend syrische Flüchtlinge von der Türkei aus über den Landweg nach Griechenland gebracht haben. Darüber hinaus hätten sie dann auch deren Weiterreise innerhalb der EU organisiert - unter anderem nach Deutschland.
Mindestens 4.700 Euro pro Person
Bei den beiden Angeklagten handelt es sich um Syrer, die mit befristeter Aufenthaltserlaubnis in Deutschland leben. Aus der Flucht ihrer Landsleute machten sie laut Anklage ein Geschäft. Mindestens 4.700 Euro sollen sie für ihre Schleuser-Dienste pro Person verlangt haben. Dafür gab's im Gegenzug zum Teil auch gefälschte Dokumente.
Werbevideos auf TikTok
Der ältere der beiden Angeklagten gilt als Kopf der Bande. Er wurde im September 2025 in einer Flüchlingsunterkunft in Mettmann festgenommen. Zeitgleich führte die Bundespolizei weitere Durchsuchungen in NRW durch.
Wuppertaler Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert
Bildquelle: WDR / Rüdiger KnösslDer 33-Jährige soll auf TikTok die reinsten Werbevideos für seine Schleuser-Dienste veröffentlicht haben, erzählt Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert von der Wuppertaler Staatsanwaltschaft. Darin seien Geflüchtete zu Wort gekommen, die von der Fahrt erzählten und wo sie untergebracht worden seien.
Geflüchtete "menschenunwürdig" transportiert
Die Staatsanwaltschaft nannte die Schleuserfahrten vor Gericht "lebensgefährlich, menschenunwürdig und erniedrigend". 30 Menschen und mehr seien ungesichert auf der Ladefläche eines verblombten Lkw aus der Türkei nach Griechenland transportiert worden. Darunter auch Familien mit kleinen Kinder.
Die Fahrten hätten oft 40 Stunden und länger gedauert, in denen die Menschen so ausharrten mussten. Oftmals durften sie nur Wasser mitnehmen, keine weiteren Lebensmittel.
Staatsanwaltschaft bescheinigt professionelle Organisation
Laut Staatsanwaltschaft hatten sich die jetzt Angeklagten Ende 2023 mit Schleusern aus der Türkei, Griechenland und Albanien zusammengeschlossen, um sich als Schleuser eine dauerhafte Einnahmequelle zu erschließen.
Bei dem Versuch, sich eine Infrastruktur dafür aufzubauen, seien die Brüder sehr professionell vorgegangen. Unter anderem mit Unterkünften in der Türkei, bevor es für die Geflüchteten weiter in die EU gehen sollte.
Hohe Haftstrafe erwartet
Für gewerbsmäßiges Schleusen sieht das Gesetz Haftstrafen von bis zu 15 Jahren vor. Aufgrund der Anzahl der vorgeworfenen Taten müssten die beiden Männer mit einer Strafe im "deutlich zweistelligen Bereich" rechnen, sagte die Vorsitzende Richterin beim heutigen Prozessauftakt.
Gleichzeitig stellte sie eine deutlich geringere Strafe "von sechs bis acht Jahren" in Aussicht, sollten die Angeklagten ein umfassendes Geständnis ablegen, das auch der Aufklärung weiterer Fälle dient.
Mit eine derartigen "Verständigung im Strafverfahren", wie es unter Juristen heißt, sollen umfangreiche Strafverfahren verkürzt und Gerichte entlastet werden. Bisher geht das Wuppertaler Landgericht davon aus, dass sich der Prozess bis weit in den November zieht.
Unsere Quellen:
- Staatsanwaltschaft Wuppertal
- Landgericht Wuppertal
- Eindrücke des Reporters beim Prozessauftakt
Sendung: WDR 2, WDR 2 für das Bergische Land, 24.08.2026, 15:31 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 24.08.2026, 18:09 Uhr
