Wuppertaler Ämter kommen nicht hinterher

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WDR 03:11 Min. Verfügbar bis 13.08.2028

"Zulassungen total schleppend" Sind Wuppertals Ämter überfordert?

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Drei Wochen bis zur Zulassung eines Autos, Termine über Monate ausgebucht: Trotz des Umzugs in die Bundesbahndirektion kämpfen Wuppertaler Ämter mit alten Problemen, denn es fehlt vor allem an Personal. Viele Bürger wollen die Zustände nicht mehr hinnehmen.

Von Vanessa Trovo

Neues Gebäude, alte Probleme? Die Ämter in Wuppertal sind erst vor kurzem in die Bundesbahndirektion umgezogen, geholfen hat es offenbar nicht. 20 Werktage wartet man inzwischen auf die Zulassung seines Autos im Straßenverkehrsamt. Dort oder im Einwohnermeldeamt passende Termine zu bekommen gleicht für manche schon einem Sechser im Lotto.

Das spüren viele Wuppertaler, die sich hilfesuchend an den WDR gewandt haben. Ingo Maltzan etwa ist Rentner und hatte bis vor kurzem morgens viel zu tun, denn seine Tochter wartete ganze vier Wochen auf die Zulassung eines Gebrauchtwagens. Ohne ihr Auto braucht sie dringend Unterstützung von ihrem Vater.

"Ich mach dann täglich den Fahrdienst: Enkelchen und Tochter abholen. Enkelchen bis vor den Ferien noch zur Schule und Tochter zur Arbeit gebracht - damit sie das alles zeitlich hinbekommt. Sie ist alleinerziehend und ohne Auto ist das für sie gar nicht zu schaffen", erzählt Maltzan.

Auf Nachfrage erhielt die Tochter zunächst keine Auskunft beim Straßenverkehrsamt zum Bearbeitungsstand ihrer Zulassung. Kurz nach dem Interview mit dem WDR dann endlich die Erleichterung: Nach vier Wochen Wartezeit war die Zulassung endlich da - der Ärger über die Ämter aber immer noch da.

Ein Mann mit grauem Bart steht vor einem geparkten Auto
"Für Pendler, die nach Köln oder Düsseldorf müssen, ist das ja noch schlimmer, wenn die so lange auf ihre Zulassungen warten müssen - vor allem mit der Bahn ist ja momentan auch eine Katastrophe. Da Verständnis für das Straßenverkehrsamt aufzubringen...schwierig." Ingo Maltzan, seine Tochter wartete vier Wochen auf die Zulassung ihres Autos

Druck zu Ferienzeiten hoch

Zunächst hatte Maltzan schon Sorge gehabt, dass seine Tochter nicht mehr rechtzeitig mit dem neuen Auto in den Urlaub fahren kann. Der Andrang vor und während der Ferien ist ohnehin höher bei den Ämtern. Durchschnittlich fehlen im Straßenverkehrsamt seit Jahren zwei Vollzeitstellen - im Einwohnermeldeamt sind es sogar acht.

Nun will die Stadt eine Task Force einrichten, mit dem Ziel, die Abläufe und Strukturen im Straßenverkehrsamt zu prüfen. Für die Autohäuser ein schwacher Trost, sie und ihre Kunden kämpfen mit den langen Wartezeiten bei der Zulassung.

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WDR 00:45 Min. Verfügbar bis 13.08.2028

Autohäuser sprechen von Unzumutbarkeit

Viele Autohäuser bestätigen teils dramatische finanzielle Auswirkungen, wollen sich aber nicht öffentlich äußern - aus Sorge vor Benachteiligung. Für Stefan Tepel vom gleichnamigen Autohaus aber ist Schweigen keine Lösung mehr.

"Kunden beruhigen, finanziell müssen wir vieles vorstrecken - man muss ja planen, wann muss der Wagen fertig sein, wann geht er raus. Die Situation mit dem Straßenverkehrsamt ist so für uns als Autohändler gar nicht mehr ertragbar", erzählt Tepel.

Ein Mann mit grau-meliertem Haar steht in einem Autohaus vor mehreren Neuwagen
"Das müssen Sie mal einem Kunden erklären: Sein Freund kauft ein Auto in Mettmann und hat den Wagen nach drei Tagen - er kauft bei Ihnen und hat den Wagen nach drei Wochen noch nicht. Sie können's nicht mehr erklären." Stefan Tepel, Autohändler

Auch beim Grundbuchamt läuft es schleppend

Tepel tauscht sich regelmäßig aus. So auch mit seinem Freund Christian Metzen, der wiederum in Sachen Immobilien zu kämpfen hatte. Er hat im Februar ein Haus verkauft und musste bis Ende Juli auf sein Geld warten.

Denn das Grundbuchamt Wuppertal braucht - so auch in seinem Fall - oftmals bis zu fünf Monate allein für die sogenannte Auflassungsvormerkung - und die ist meist Voraussetzung, bevor Geld fließt.

Ein Mann mit Brille sitzt an einem geöffneten Fenster, hinter ihm fährt die Wuppertaler Schwebebahn vorbei

Immobilien-Verkäufer Christian Metzen wartet bereits seit fünf Monaten auf Bearbeitung durch das Grundbuchamt Wuppertal

Bildquelle: WDR / Vanessa Trovo

"Auch wenn das Grundbuchamt dem Amtsgericht und damit dem Land untersteht: Da muss eine Stadt auch einfach mal intervenieren, zumal es in Nachbarkreisen gerade mal drei bis vier Wochen oder kürzer braucht, um so eine Grundbuchangelegenheit zu erledigen", kritisiert Christian Metzen.

Immerhin: Auf seine Beschwerde im Juni erhielt er einen langen Brief vom Amtsgericht. Das Schreiben liegt dem WDR vor, in dem das Amtsgericht um Entschuldigung und Verständnis bittet - zusammengefasst begründet auch diese Behörde die Wartezeit mit akutem Personalmangel.

Stadt sucht Lösungen und öffnet samstags

Die Stadt hat indes angekündigt, für den "Stau" im Straßenverkehrsamt und auch für den Terminmangel langfristig Lösungen zu suchen. Bis dahin arbeitet das Personal zum Teil sogar samstags, wohl freiwillig.

Lösungsansätze der Stadt

  • Drei Samstage sollen Mitarbeiter des Straßenverkehrsamtes intern Stapel abgearbeitet haben. Das Einwohnermeldeamt hatte vor den Ferien an vier Samstagen für Passangelegenheiten geöffnet.
  • Bürgerinnen und Bürger sollen für kommenden Samstag, den 16. August, Termine im Straßenverkehrsamt buchen können. Auch der 23. August soll als vorerst letzter Samstag zeitnah buchbar sein.
  • Für das Einwohnermeldeamt wolle man eine sogenannte Fluktuationsreserve schaffen, aber nicht durch neu geschaffene Stellen, sondern durch bereits vorhandene. Mit anderen Worten: Personal wird im Zweifel intern verschoben ohne zusätzliche Kosten.

"Der aktuelle Bearbeitungsrückstand entspricht natürlich nicht dem Service, den auch unsere Mitarbeitenden den Wuppertalerinnen und Wuppertalern bieten wollen. Mit diesen Samstagsdiensten werden wir dem Standard, den wir anbieten wollen, wieder näherkommen." Dr. Sandra Zeh, Beigeordnete für Personal, Digitalisierung und Wirtschaft

Dass die Stadt das Problem langfristig und ohne Samstagsarbeit personaltechnisch in den Griff bekommt, daran haben sowohl Ingo Maltzan als auch Autohändler Stefan Tepel ihre Zweifel.

Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit Autohändler Stefan Tepel & Unternehmer Christian Metzen
  • WDR-Gespräche mit Autohäusern, die anonym bleiben möchten
  • Umfrage unter Bürgerinnen und Bürgern in Wuppertal
  • Stadt Wuppertal
  • Sachstandsberichte der Verwaltung vom 8. Juli zum Straßenverkehrs- und Einwohnermeldeamt

Sendung: WDR.de, Wuppertaler Ämter kommen nicht hinterher, 13.08.2026, 5 Uhr

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