Neue Behandlungsmethoden gegen Hitzschlag

Bildquelle: Christian von Stülpnagel

WDR 02:42 Min. Verfügbar bis 12.08.2028

Eiswannen in der Notaufnahme Uniklinik Bonn kämpft gegen Rekordhitze

Stand:

Nach der Rekordhitze im Juni hat die Uniklinik Bonn neue Verfahren entwickelt, um überhitzte Patienten zu kühlen.

Notfallpflegerin Jasmin Sauermann misst die Temperatur der Patientin, die der Rettungsdienst gerade in die Notaufnahme gebracht hat: "40,8 Grad", ruft sie laut. "Damit haben wir den klassischen Hitzschlag", sagt Philipp Eckstein, Oberarzt im Notfallzentrum: "Vorschlag wäre, die Eiswanne schon aufzubauen."

Die Eiswanne - eine Art aufblasbares Becken, in dem die Patientin komplett mit Wasser umspült werden kann. Die effektivste Methode, um die Körpertemperaturen eines Menschen mit Hitzschlag schnell zu senken, sagt Philipp Eckstein: "Es gibt Untersuchungen dazu, zum sogenannten Cooling-Faktor: Den effektivsten Kühlungsfaktor erreichen Sie mit dem Eisbad in Form der Wanne."

Fünf Grad kaltes Eiswasser kühlt den Körper am besten

Dafür pumpt das Pflegeteam jetzt das Becken auf und legt die Patientin hinein. Eine Pflegerin gießt mit einem Eimer kaltes Wasser dazu, Jasmin Sauermann holt Eis aus dem Nebenraum. "Am Ende sollte das Gemisch eine Temperatur von fünf Grad erreichen, das hilft am besten", erklärt Philipp Eckstein.

Ein Mann in hellbrauem Arztkittel steht im Schockraum einer NOtaufnahme und blickt in die Kamera.

Philipp Eckstein ist Oberarzt am UBK.

Bildquelle: Christian von Stülpnagel

Dieses Vorgehen ist neu an der Uniklinik Bonn: Entwickelt haben es die Mediziner nach extrem heißen Wochen Ende Juni, während der sie auch hier deutlich mehr Patienten versorgt haben: "Wir hatten hier rund 20 Prozent mehr Patienten, die in der Zeit zu uns gekommen sind, darunter auch Patienten mit dem klassischen Hitzschlag", erklärt Eckstein.

"Deshalb haben wir uns in einer Arbeitsgruppe hingesetzt und aus unseren Erfahrungen und auf Basis der aktuellen Literatur sogenannte Standard-Operations-Prozeduren abgeleitet." Philipp Eckstein, Oberarzt im Notfallzentrum am UKB

Wichtig dabei: Den Körper möglichst schnell zu kühlen. "Ab 41 Grad Körpertemperatur fangen die Proteine im Körper an zu denaturieren. Das kann in letzter Konsequenz dann zum Multiorganversagen führen", erklärt Oberarzt Eckstein. Kalte Infusionen, feuchte Handtücher und Kühlpacks allein reichen da nicht mehr aus.

Das Eis liefert ein Caterer

Deshalb gibt es jetzt zusätzlich die aufblasbaren Wannen. Doch woher nimmt man das Eis? 20 Kilo brauchen sie im Ernstfall für einen Patienten. "Schlussendlich bekommen wir das über unseren Caterer", sagt Eckstein. Also: Aus der Kantine! In der Notaufnahme steht jetzt ein zwei Meter großer Eisschrank, randvoll mit Eiswürfeln.

man sieht einen geöffneten Eisschrank, darin liegen Tüten mit Eiswürfeln.

In diesem Kühlrschrank lagert das UKB die Eiswürfel.

Bildquelle: Christian von Stülpnagel

Die Eiswanne hat das Behandlungsteam in der Notaufnahme innerhalb weniger Minuten aufgepumpt und die Patientin umgelagert. "Diese Maßnahmen würden wir jetzt 15 bis 20 Minuten durchführen, bis die Körperkerntemperatur unter 39 Grad gesunken ist." In diesem Fall war es nur eine Übung mit einer Mitarbeiterin des UKB - sie wird schon früher aus dem Wasser entlassen.

In Münster und Wuppertal gibt es eigene Eismaschinen

Nicht nur an der Uniklinik in Bonn arbeiten die Notfallmediziner mittlerweile mit kalten Wasserbädern. Auch andere Kliniken berichten davon, ihre Maßnahmen für Patienten mit Hitzschlag angepasst, und unter anderem die Eisvorräte aufgestockt zu haben. In Münster und Wuppertal gibt es nahe der jeweiligen Intensivstationen mittlerweile sogar Eismaschinen, um im Notfall genügend Eis vorrätig zu haben.

Ein Klotz voller Eiswürfel liegt auf den Beinen einer Frau.

Eiswürfel sollen beim Kühlen helfen.

Bildquelle: Christian von Stülpnagel

Wer bei Hitze aber gar nicht erst auf der Notaufnahme landen will, dem raten die Mediziner vor allem eines: Die Hitze meiden. Also Schatten suchen, kühle Orte etwa im Keller, im Wald oder in der klimatisierten Bibliothek suchen, und auf körperlich anstrengende Tätigkeiten verzichten. Und vor allem: Ausreichend trinken.

Unsere Quellen:

  • Pressestelle der Uniklinik Bonn
  • Übung mit der Eiswanne am UKB
  • Antworten auf eine WDR-Anfrage an alle Unikliniken in NRW

Sendung: WDR.de, An der Uniklinik Bonn setzen sie auf Eiswannen in der Notaufnahme, 12.08.2026, 18:45 Uhr

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