In Bielefeld-Bethel bauen Menschen mit Behinderung selbst Barrieren ab
WDR. 03:11 Min.. Verfügbar bis 03.07.2028.
Leichte Sprache aus Bielefeld : Menschen mit Behinderung stärken Teilhabe
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Der Bundestag berät aktuell über ein Gesetz für Leichte Sprache. Das ist eine vereinfachte Form des Deutschen, die leichter zu verstehen ist. Für Menschen mit Behinderungen oder diejenigen, die noch nicht so gut Deutsch können. Demnächst soll das Pflicht werden für Behörden: Sie müssen dann alle Dokumente und Webseiten auch in Leichter Sprache anbieten. Die Übersetzung in Leichte Sprache übernehmen Menschen mit Behinderung selbst. Zum Beispiel in Bielefeld.
Nach und nach trudeln die Prüferinnen und Prüfer am Morgen im Büro in Bielefeld-Bethel ein. Es ist eine bunte Truppe. Sie haben verschiedene Behinderungen, Erkrankungen und Lebenserfahrungen. Was sie eint: Gemeinsam sorgen sie für eine inklusivere Gesellschaft.
Viele Behörden-Texte sind zu kompliziert
"Mir ist das Thema wichtig, weil ich sehe, dass es viele Barrieren im Alltag gibt, wo Menschen die Texte einfach nicht verstehen", erzählt Katrin Rössler. Seit etwa 10 Jahren hilft sie als Prüferin bei der Übersetzung von Texten in die Leichte Sprache.
Katrin Rössler ist Leichte-Sprache-Prüferin seit der ersten Stunde.
Die Probleme mit komplexen Texten kennen hier alle: Verträge, Unterlagen von Behörden, Broschüren. Häufig wird zu kompliziert geschrieben: Fachwörter, lange Sätze, Abkürzungen und zu kleine Schrift. All das kann Menschen in der Gesellschaft ausschließen.
Leichte Sprache: Jeder Text wird geprüft
"Wir versuchen, die komplizierten Wörter in leicht zu verfassen. Klar gibt es auch Wörter, da geht das nicht. Aber dann muss man die erklären", sagt Lisa Scholz. Und dafür treffen sie sich jede Woche.
Immer wieder erhalten sie Aufträge von sozialen Einrichtungen, Behörden oder Unternehmen. Sie wollen ihre Texte in die Leichte Sprache übersetzen lassen. Die wichtigste Anforderung: Jeder Text muss von Menschen mit Behinderung selbst geprüft werden.
So sieht ein Text in Leichter Sprache aus.
"Ich kann mir beim Schreiben ganz viele Gedanken machen, wie ich etwas einfach formuliere. Aber ob etwas wirklich verständlich ist, das können nur unsere Prüfer beurteilen", erklärt Tobias Berger. Er ist in Bethel dafür zuständig, die Texte erstmal zu übersetzen.
Wird Leichte Sprache bald Pflicht?
Dabei gibt es vieles zu beachten: "Zum Beispiel schreibe ich statt dem Wort 'genehmigen' immer 'erlauben'", sagt Tobias Berger. Wichtig ist auch die richtige Schriftgröße, damit Menschen mit Sehbehinderung überhaupt die Chance haben, den Text zu lesen.
Im Bundestag wird aktuell über ein Gesetz beraten, das Behörden dazu verpflichten würde, Webseiten und Dokumente in Leichter Sprache vorzuhalten. Für das Team in Bethel würde das heißen: An Aufträgen mangelt es demächst erstmal nicht.
Unsere Quellen:
- Leichte Sprache Büro der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, In Bielefeld-Bethel bauen Menschen mit Behinderung selbst Barrieren ab, 06.07.2026, 05:05 Uhr
