Ein Container auf dem Sennefriedhof

04:05 Min. Verfügbar bis 10.07.2028

Mobile Trauerhaltestelle Ein Container auf dem Sennefriedhof

Stand:

Wie ein tonnenschwerer Stahl-Koloss beim Trauern helfen kann. Und wie er dabei hilft, mit Hinterbliebenen in Kontakt zu treten.

Seit einigen Wochen steht er auf dem Sennefriedhof: ein blauer, massiver Stahlcontainer, wie man ihn normalerweise auf einem Güterzug, Frachtschiff oder Lkw finden würde.

Doch auf dem Friedhof erfüllt er eine ganz neue Aufgabe: Er soll Trauernden Trost spenden. Überall an seinen Wänden, innen und außen, finden sich Botschaften, mit bunter Kreide hinterlassen. Es sind Nachrichten an die Hinterbliebenen: Abschiede, Wünsche, Erinnerungen.

Trauerhaltestelle auf dem Sennefriedhof

Botschaften an Hinterbliebene sind überall an der Trauerhaltestelle zu lesen.

"Wir wollten den Menschen einen Ort geben, wo sie nochmal eine andere Verbindung zu den Verstorben spüren können", sagt Bestattermeisterin Katrin Niehaus. Gemeinsam mit ihrem Mann, Andreas Niehaus, hat sie die mobile Trauerhaltestelle aufgebaut.

Mitten auf dem Friedhof

Im Inneren lädt eine Holzbank gegenüber von einem kleinen Beet zum Verweilen und zum Innehalten ein. Durch eine Öffnung in der Decke des Containers fällt Licht herein.

Trauerhaltestelle auf dem Sennefriedhof

In der Trauerhaltestelle wurde ein kleines Beet angelegt.

Einige Wochen lang wird der Container noch auf dem Sennefriedhof stehen bleiben. Dann soll er auch an andere Städte verliehen werden. Zum Beispiel wenn sich Unfälle, Anschläge oder Katastrophen ereignet haben.

"Wenn man beispielsweise an die Vorfälle in Stade denkt, gibt es da auch ganz viel Bedarf, Dinge niederzuschreiben. In solchen Situationen könnte die Trauerhaltestelle helfen", sagt Andreas Niehaus. Gemeinsam mit Notfall-Seelsorgern wolle man in solchen Fällen Hilfe anbieten. In Stade waren Ende Juni sechs Mitarbeiter einer Mutter-Kind-Einrichtung erschossen worden:

Die Trauer verbindet

Für einige Zeit bleibt die Trauerhaltestelle aber noch auf dem Bielefelder Sennefriedhof. Und sorgt dort bei Besuchenden erst für Fragezeichen - und dann für Interesse: "Erst habe ich mich gefragt, warum hier ein Container steht", sagt Constanze Gottlieb, "aber ich denke, das ist eine sehr kreative Art, Trauer auszudrücken. Das finde ich wichtig."

Trauerhaltestelle auf dem Sennefriedhof

Constanze Gottlieb sieht die Trauerhaltestelle zum ersten Mal.

Und diese Möglichkeit haben schon viele genutzt: Eltern, Kinder, Freunde, Geschwister. Sie alle haben Botschaften an ihre Geliebten zurückgelassen. Und zeigen damit anderen Trauernden: Ihr seid nicht allein.

Unsere Quellen:

  • Bestattungen Niehaus
  • Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 21.07.2026, 19:30 Uhr

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