Bürgermeister Viehof lehnt Rücktritt ab
Bildquelle: WDR/A. Burghard3 Min. 12 Sek.. Verfügbar bis 02.09.2028.
Auch die Kommunalaufsicht wurde aktiv. Die Grünen legten dem parteilosen Bürgermeister Viehof sogar den Rücktritt nahe. Doch davon will er nichts wissen. Seine Antwort ist deutlich: "Um Gottes Willen! Ich würde zurücktreten wenn alle zurücktreten und wir neu wählen, gar kein Problem. Sonst aber nicht."
CDU schaltet Kommunalaufsicht ein
Die ganze Geschichte ist etwas kompliziert. Es geht um die Verlagerung einer Grundschule, ihre Priorität im Plan für die Schulentwicklung und um eine Industrie-Brache. Dazu hatte der Hauptausschuss bereits einen Beschluss gefasst. Der Rat sollte genau diesen Beschluss bestätigen.
Was aber niemand gemerkt hat: Der Bürgermeister hatte die Vorlage umformuliert und ergänzt, ohne es dem Rat vorher zu sagen. Laura Faßbender, Vorsitzende der CDU-Fraktion Eitorf, bemerkte das erst nach der Abstimmung. "Es hätte genügend Möglichkeiten gegeben, uns im Vorfeld zu informieren. Er hat es leider nicht getan", kritisiert sie. Ihre Fraktion schaltete die Kommunalaufsicht ein. Mit Erfolg. Der Ratsbeschluss muss wiederholt werden.
"Das ist bewusst gemacht worden. Er steht da als Verfasser." Sandra Krautscheid, Bd.90/Die Grünen Eitorf
Auch die Fraktionsspitzen von SPD und Grünen schließen sich der Kritik an und sprechen von einem massiven Vertrauensverlust. "Ein gewisses Misstrauen ist immer da", kommentiert der SPD-Fraktionschef Bernd Thienel. Sandra Krautscheid von den Grünen nimmt den Bürgermeister in die Pflicht: "Das ist bewusst gemacht worden. Er steht da als Verfasser. Und dann muss ich ihm das auch ganz klar ankreiden."
Bürgermeister gibt Formfehler zu
In einer Sondersitzung forderte der Gemeinderat eine Erklärung des Bürgermeisters. Dieser gibt den formellen Fehler zu. "Von Anfang an wäre es besser gewesen, eine Ergänzungsvorlage zu machen. Das werden wir beim nächsten mal auch tun."
Die Fraktionsspitzen von CDU, SPD und Grünen beim WDR-Interview in Eitorf.
Bildquelle: WDR/A. BurghardAuf der Sondersitzung wurde der erneute und dann korrekte Beschluss aber vertagt. Denn es ging noch um einen weiteren Vorwurf gegen Bürgermeister Viehof, nämlich den der Mauschelei bei der Entwicklung eines alten Industriegeländes.
Großinvestor sprang nach Streit ab
Seit der Insolvenz des Medikamenten-Herstellers Krewel-Meuselbach liegt in Eitorf ein riesiges Areal brach. Eigentlich wollte der Großinvestor Oleg Retzer das Gelände übernehmen und entwickeln. Er besitzt bereits das Areal des ehemaligen Garn-Produzenten Schoeller in Eitorf.
Das Gelände des insolventen Arznei-Herstellers Krewel-Meuselbach in Eitorf
Bildquelle: WDR/A. BurghardDoch dann kam es zu einem heftigen Streit mit dem Bürgermeister. Und plötzlich wollte auch eine Supermarkt-Betreiberin aus dem Eitorfer Zentrum das Krewel-Gelände haben. Der Investor zog sich verärgert zurück, die Supermarkt-Betreiberin bekam den Zuschlag.
"Das wird hoch stilisiert, weil man nichts hat." Rainer Viehof, Bürgermeister Eitorf
Hat Bürgermeister Viehof womöglich im Hintergrund die Fäden gezogen? Nein, beteuert er. Damit habe er nichts zu tun. Viehof sieht sich zu Unrecht verdächtigt.
Weitere Zusammenarbeit mit Bürgermeister möglich
Die Ratsfraktionen sind teils skeptisch, teils rudern sie zurück. "Man kann nichts beweisen", sagt SPD-Fraktions-Chef Thienel. Bei den Grünen ist Sandra Krautscheid nicht überzeugt: "Es hat schon ein Geschmäckle." Nur die Christdemokratin Laura Faßbender nimmt den Bürgermeister aus der Schusslinie. "Ich glaube ihm, wenn er sagt, dass er damit nichts zu tun hatte", betont sie.
Eine weitere Zusammenarbeit mit Bürgermeister Viehof könne sie sich durchaus vorstellen. Dem stimmen am Ende auch die Fraktionsvorsitzenden von SPD und Grünen zu. Irgendwie, sagen sie, müsse es ja auch voran gehen in Eitorf.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräche mit den Eitorfer Ratsfraktionen CDU, SPD und Bd.90/Die Grünen
- WDR Hintergrund-Gespräche
- WDR-Gespräch mit Bürgermeister Eitorf
- Beobachtungen der Reporterin vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bonn, 02.09.2026, 19.30 Uhr
