"Sitzenbleiben"-Champion: Wie wir wieder "vom Sofa" kommen
Bildquelle: IMAGO/Adalberto RodriguezAktuelle Stunde . 04.08.2025. 33:11 Min.. UT. Verfügbar bis 04.08.2027. WDR. Von Raphael Markert.
Ernährung, Rauchen, Alkoholkonsum, Bewegungs- und Stressverhalten: Wie gesund leben die Deutschen? Das haben die Deutsche Krankenversicherung (DKV), die Deutsche Sporthochschule Köln und die Universität Würzburg in einer Umfrage untersucht. Das Ergebnis: ernüchternd.
Sportwissenschaftler Ingo Froböse
Bildquelle: picture alliance / Panama Pictures/Christoph HardtDenn der aktuelle Report offenbart Entwicklungen, die in die völlig falsche Richtung gehen: So hat sich die durchschnittliche Sitzdauer erneut erhöht. Die Deutschen verbringen an einem Werktag durchschnittlich über zehn Stunden im Sitzen - fast zwei Stunden mehr als noch vor zehn Jahren. Aufgrund des Sitz- und Bewegungsverhaltens weisen 37 Prozent der Befragten ein erhöhtes Sterberisiko auf.
"Die Deutschen werden leider immer kränker. Wir haben wie eine Epidemie Diabetes-Kranke, wir haben das große Thema Übergewicht, wir haben das große Thema Bluthochdruck." Ingo Froböse, Sporthochschule Köln
Insgesamt leben nur zwei Prozent der deutschen Bevölkerung "rundum gesund". Als rundum gesund gelten Menschen, die in den Kategorien körperliche Aktivität, Ernährung, Rauchen, Alkohol und Stressempfinden die Anforderungen erfüllt haben. Dabei schnitten Frauen etwas besser ab als Männer.
Körperliche Aktivität: Mehr ist besser
Nur ein gutes Drittel erreicht die Bewegungsempfehlungen
Bildquelle: WDR / picture alliance / Zoonar / Viktor GladkovNur ein gutes Drittel der 2.807 Befragten erreicht die Bewegungsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von Ausdauer- und Muskelaktivität. Doch Bewegung im Alltag sowie Ausdauer- und Muskeltraining sind effektive Mittel gegen viele chronische Erkrankungen wie Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-, Krebs- und psychische Erkrankungen. Die Empfehlung für Muskeltraining gilt als erfüllt, wenn mindestens zwei Trainingseinheiten pro Woche stattfinden.
67 Prozent der Männer sind übergewichtig, 53 Prozent der Frauen und bald auch 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen. Sportwissenschaftler Ingo Froböse
Der schwierige Umgang mit dem Stress
Die Stressbewältigung stelle seit Jahren eine große Herausforderung im Gesundheitsverhalten dar, schreiben die Autoren der Befragung. Nur 20 Prozent der befragten Personen gelingt aber ein gesunder Umgang mit der täglich empfundenen Belastung.
Auch bei der Ernährung sieht es nicht gut aus. Nur noch jeder Dritte (34 Prozent) erfüllt aktuell die Kriterien, sich gesund zu ernähren.
Wer geht voran, wer hat Nachholbedarf?
Jüngere Menschen ernähren sich ungesünder als ältere
Bildquelle: Fabian Sommer / dpaBeim Rauchen und dem Alkoholkonsum schneiden Frauen besser ab als Männer. Dafür schaffen es Männer häufiger, die Bewegungsempfehlung einzuhalten. Bei der Ernährung haben Frauen die Nase leicht vorn: Sie essen seltener Fleisch, konsumieren häufiger die empfohlene Portion Obst und Gemüse, greifen allerdings auch häufiger zu Süßigkeiten als Männer.
Ältere Menschen ernähren sich gesünder als jüngere und haben seltener Stress. Die jüngeren Befragten lagen aber beim Alkoholverzicht vorn. Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Befragung ist, dass ein höherer Bildungsstatus sich positiv auf einen gesunden Lebensstil niederschlägt.
NRW im Ländervergleich weit hinten
Nordrhein-Westfalen schneidet schlecht ab in der aktuellen Umfrage. Nur 1,3 Prozent leben "rundum gesund". Vor allem bei der körperlichen Aktivität liegt NRW weit hinten, nur in Schleswig-Holstein und Bayern bewegen sich die Menschen noch weniger. Auch bei Ernährung, Stressempfinden sowie dem Konsum von Alkohol und Nikotin liegt NRW in der unteren Tabellenhälfte.
Was kann jeder von uns tun?
Die Kriterien des DKV-Reports sind streng. Nur komplette Nichtraucher und Anti-Alkoholiker haben die Chance, als "rundum gesund" eingestuft zu werden. Was können wir tun?
- Das Sitzen reduzieren: Im Büro häufiger aufstehen und ein paar Schritte gehen. Bestenfalls den Weg zur Arbeit nicht im Sitzen erledigen, sondern beispielsweise auf dem Rad.
- Arbeitgeber sollten die Möglichkeit bieten, im Stehen zu arbeiten.
- Bewusster einkaufen: Wie das geht, erklären wir hier.
- Bei der Ernährung den Nutri-Score im Blick behalten.
- Es gibt immer mehr gute alkoholfreie Getränke - Bier, Wein und Mocktails. Wie durch weniger Alkohol das Krebsrisiko sinkt.
- Studien zufolge kann das durch langes Sitzen erhöhte Gesundheitsrisiko mit ungefähr 60 Minuten Bewegung pro Tag weitestgehend ausgeglichen werden. Wie Beweglichkeit und Kraft die Lebensqualität und die Gesundheit fördern.
- Schon unsere Kinder bewegen sich zu wenig: So motiviert ihr eure Kinder zu mehr Aktivität.
- Stress wirkt sich negativ auf die Gesundheit aus: So lernst du, cool zu bleiben.
- Entspannung im Alltag: Wie wir Stress abbauen, Wohlbefinden steigern und die richtige Balance finden.
Unsere Quellen:
- DKV-Report 2025
- WDR-Gespräch mit Sportwissenschaftler Ingo Froböse, Deutsche Sporthochschule Köln
