Dortmund: Archäologen finden 2.000 Jahre alte Werkstatt
Bildquelle: LWL / D. RiemenschneiderWDR. 2 Min. 24 Sek.. Verfügbar bis 11.03.2037.
Zwei Jahre ist es her, als ein Landwirt in Dortmunds Westen seinen Acker gepflügt und dabei Erstaunliches ans Licht befördert hat: fast 2.000 Jahre alte Tonscherben. Was genau er da unter seinem Feld liegen hatte, konnte der Bauer damals höchstens erahnen.
Die Ausgrabungsstätte in Lütgendortmund.
Bildquelle: LWL / D. RiemenschneiderFür Dr. Eva Cichy, Wissenschaftlerin beim LWL Archäologie Westfalen, begann mit den verdächtigen Funden die Arbeit. Nach ersten Sondierungen des Ackers war klar: hier könnte etwas Spannendes lauern. Jetzt, zwei Jahre später, wissen die beteiligten Wissenschaftler des LWL und der Stadtarchäologie Dortmund, welcher Schatz lange in dem 850 Quadratmeter großen Areal schlummerte.
Der erste dokumentierte westgermanische Töpferofen
Ein Werkstattareal, voll mit Herden, Gruben und Öfen, konnten die Archäologen seit August ausgraben. In der römischen Kaiserzeit, zwischen dem 1. und dem 5. Jahrhundert nach Christus, sollen hier Menschen getöpfert und das Töpfergut gebrannt haben. Neben einem Metallofen haben die Wissenschaftler auch den ersten westgermanischen Töpferofen erfassen können.
Dr. Eva Cichy leitet die Ausgrabung in Lütgendortmund.
Bildquelle: WDR / Matthias WagnerIch hab mich natürlich unendlich gefreut. Weil wir wussten natürlich schon immer, dass getöpfert wurde und dass in Öfen gebrannt wurde. Aber wir hatten nie einen dieser Öfen im Befund! Dr. Eva Cichy, Ausgrabungsleiterin
Alles nur geklaut?
Zur römischen Kaiserzeit lebten die Germanen rechtsrheinisch, die Römer linksrheinisch. "Es ist schon länger bekannt, dass die Germanen insbesondere in der späten Kaiserzeit große Mengen erhandelter oder erbeuteter römischer Metallobjekte recycelten", weiß Prof. Dr. Michael Baales. Er ist Leiter der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen. Bislang fehlten dafür aber die Befunde. Das macht den Fund in Dortmund auch überregional interessant.
Dr. Eva Cichy und ihr Team graben bereits seit Mitte August in Lütgendortmund.
Bildquelle: WDR / Matthias WagnerFür diesen Beweis haben nun Archäologin Cichy und ihr Team gesorgt. "Das ist in dieser Form im Westen des Germanischen Siedlungsgebiets eine Premiere. Außer dem ersten Töpferofen fanden wir Werkstätten der Metallverarbeitung, sie waren außergewöhnlich gut erhalten", so Cichy. Dieser Ofen zur Metallverarbeitung soll nun von den Archäologen am Stück geborgen und später ausgestellt werden. Wie genau das klappen kann, ist noch ungewiss.
Neben Werkstatt-Areal auch Siedlung vermutet
Außerdem vermuten Cichy und ihre Kollegen, dass neben dem Werkstattareal auch noch eine alte Siedlung im Boden liegen könnte. Diese wollen sie bald suchen - und bergen, bevor sie versehentlich vom Ackerbau zerstört wird.
Dieses Mal hatten die Wissenschaftler genug Geld für eine sechswöchige Ausgrabung. Noch bis Ende nächster Woche können sie Funde aus der Erde bergen. Danach laufen die Planungen für etwaige weitere Grabungen.
Unsere Quellen:
- Pressemitteilung des LWL
- Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort und Gespräche mit Dr. Eva Cichy
Sendung: WDR.de, Dortmund: Archäologen finden 2000 Jahre alte Werkstatt, 21.09.2026, 18:10 Uhr