Wie Dortmunder Gründer die Palette digitalisieren
Bildquelle: WDR / Kay BandermannWDR. 3 Min. 17 Sek.. Verfügbar bis 03.09.2028.
Es ist eine Gründer-Geschichte wie aus dem Lehrbuch: Vier Jungs um die 30 aus dem Ruhrgebiet studieren und forschen zusammen am Fraunhofer-Institut IML. Sie sehen täglich moderne Warenlager, in denen KI-gesteuerte Roboter-Fahrzeuge herumflitzen. "Aber die Verwaltung der Euro-Paletten wurde immer per Hand ausgefüllt. Wir dachten: Das muss doch digital und automatisch gehen", erinnert sich Co-Gründer Philipp Hüning.
Aus der Idee wurde eine Firma. Mitten in der Corona-Zeit machten sie sich selbstständig und gaben ihrer Firma einen witzigen Namen: "Logistikbude". Nach fünf Jahren ist das Start-up europaweit auf Erfolgskurs. So erfolgreich, dass der einprägsame Name durch einen ersetzt werden muss, der international besser verständlich ist. Aus der "Logistikbude" wurde "Loopario".
Euro-Paletten: das "Gold der Straße"
Alles dreht sich um die Euro-Palette: 65 Jahre alt, aber noch lange nicht reif fürs Altenteil. Im Gegenteil. Ohne das normierte Gestell aus elf Brettern, neun Klötzen und 78 Nägeln geht nichts in der Logistik. "Das ist das Gold der Straße", sagt Carina Schmitz, Teamleiterin im Logistikzentrum des Armaturenherstellers Wenko in Hückelhoven. "Lkw, Hochregale und unsere Gänge: Alles ist auf die Maße der Euro-Palette abgestimmt."
Mehr als 700 Millionen dieser normierten Euro-Paletten sind im Umlauf.
Bildquelle: WDR / Kay BandermannDeswegen sind auch so viele Euro-Paletten im Umlauf. Die genaue Zahl kennt niemand. "Man schätzt so 650 bis 750 Millionen Stück", sagt Philipp Hüning. Tendenz: weiter steigend. "Manche werden zu Möbeln umfunktioniert, andere gehen kaputt oder verloren", ergänzt sein Mitgründer Jan Möller. "Verloren" kann aber auch anders verstanden werden.
Ein Klassiker aus Holz und Nägeln
Bei der Lieferung von Waren wird die Euro-Palette (Neupreis: circa zehn Euro) in Rechnung gestellt. Es ist in der Logistik-Branche ein offenes Geheimnis, dass dabei immer wieder getrickst und geschummelt wird. Handel, Spediteure, Produzenten: Jeder versucht, auf Kosten der anderen Extra-Einnahmen zu machen. Die intransparente Zettelwirtschaft lädt dazu regelrecht ein.
Das Verwaltungs-Tool von Loopario macht damit Schluss, sagt Wenko-Logistikerin Carina Schmitz. "Alle Beteiligten sind auf dem gleichen Stand. Jeder weiß, wer wem noch ein paar Palette schuldet", lobt sie die Loopario-Software.
Logisterin Carina Schmitz ist von der Hilfe durch die neue Software begeistert.
Bildquelle: WDR / Kay BandermannIn der Champions-League der Finanzinvestoren
Der Erfolg der Dortmunder Gründer hat auch diverse Finanz-Investoren auf das einstige Start-up aufmerksam gemacht. Zuletzt steckten international engagierte Risiko-Kapitalgeber mehr als fünf Millionen Euro in die Firma. "Damit sind wir in der Champions-League der Finanzbranche angekommen", ist Co-Gründer Jan Möller sichtlich stolz. Mittlerweile hat die Firma 35 Beschäftigte und ist in zwölf Ländern aktiv. 60 Millionen Buchungsvorgänge werden pro Jahr über das Abrechnungs-Tool gemacht.
Ohne sie geht nichts in der Logistik: Euro-Paletten gibt es seit 65 Jahren.
Bildquelle: WDR / Kay BandermannMit der neuen Finanzspritze will Loopario weiter in Europa expandieren. Sogar in die USA haben die Gründer die ersten Fühler ausgestreckt. Sicher ist für die vier Ruhrgebiets-Jungs nur eines: Trotz des englischem Kunstnamens - er setzt sich aus "loop" (Kreislauf) und "pario" (Ausgleich) zusammen - wollen sie Dortmund, dem Gründungsort der "Logistikbude“ unbedingt die Treue halten.
Unsere Quellen:
- Interviews mit Loopario-Gründern Philipp Hüning und Jan Möller
- Gespräche und Interviews im Wenko-Logistikzentrum, Hückelhoven
- Recherchen des WDR-Reporters
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Dortmund, 03.09.2026, 19:30 Uhr
