Bei ungefähr 30 Grad wird die Luft stickig in der Dortmunder Stadtbahn. Vor allem, wenn die Bahn oberirdisch fährt oder sich gerade viele Menschen in einem Wagen befinden. Das kennt auch Fahrgast Melanie Czezka nur zu gut. "Heute geht's noch, aber sonst sitze ich nur noch mit meinem Ventilator hier", erzählt Czezka. "Sonst hält man es hier drin nicht aus." Diesen Eindruck teilen viele andere Fahrgäste mit ihr.
"Wenn Sie von einer kühlen, unterirdischen Stadtbahn-Haltestelle in die Bahn steigen, prallen Sie auf eine Hitzewand", sagt zum Beispiel Martin Braun. "Es ist einfach traurig und enttäuschend, dass es in den Bahnen keine Klimaanlage gibt", findet Beate Schneider. "Ich fahre oft mit Kindern und mittlerweile überlege ich, ob ich mit ihnen überhaupt Stadtbahn fahren kann." Nur eine Frau, die wir treffen, findet, dass offene Fenster zur Belüftung ausreichen würden.
DSW21 verzichten bewusst auf Klimaanlage
Die Dortmunder Stadtwerke haben ganz bewusst neue Stadtbahnen ohne Klimaanlage angeschafft. Das hat wirtschaftliche Gründe: Die 70 Millionen Euro, die die Aufrüstung gekostet hätte, hat das Unternehmen lieber in zusätzliche Fahrzeuge investiert. Zum anderen sparen die Stadtwerke so erhebliche Mengen an Energie. DSW21 spricht von sieben Millionen kWh pro Jahr, die sonst die Klimaanlagen schlucken würden.
"Das ist eine Komforteinbuße, das möchte ich nicht kleinreden", sagt Betriebsleiter Ralf Habbes. Eine Klimaanlage könne die Temperatur in einer Stadtbahn aber nur um circa drei Grad unterhalb der Außentemperatur senken. Und: Im Durchschnitt fahren die meisten Fahrgäste ohnehin nur wenige Haltestellen. "Im Endeffekt bin ich bei den meisten meiner Fahrten im Tunnel oder nur zehn Minuten unterwegs."
Kritik aus dem Dortmunder Rat
Dass die Stadtwerke aus diesen Gründen auf Klimaanlagen verzichtet haben, kritisieren unter anderem die Dortmunder Grünen um ihre Fraktionssprecherin Kathrin Lögering. Das wiederum ärgert den DSW21-Betriebsleiter. Denn neben anderen Parteien im Dortmunder Rat hätten gerade die Grünen immer darauf gedrängt, dass die Stadtwerke "bis zu einem Zeitpunkt X" CO2-neutral werden. Der Einbau von Klimaanlagen sei allerdings so gar nicht nachhaltig.
Bei Fahrgast Melanie Czezka sorgen diese Argumente nicht für Verständnis. Sie fordert weiterhin Klimaanlagen in den Dortmunder Stadtbahnen, damit die Fahrten an besonders heißen Tagen erträglicher werden. "Für alles ist Geld da, nur für sowas wieder nicht", findet sie. "Das finde ich nicht in Ordnung."
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR-Reporters in den Dortmunder Stadtbahnen
- Interviews mit Fahrgästen
- Dortmunder Stadtwerke DSW21
Sendung: WDR Lokalzeit aus Dortmund, Dortmund: Kritik an neuen Stadtbahnen ohne Klimaanlage, 31.07.2026, 19:30 Uhr