Samstagmittag am Alten Markt in Dortmund. Die Cafés und Restaurants sind gut besetzt. Kinder spielen am Brunnen in der Mitte des Alten Marktes. Mitten hindurch geht eine Streife des Ordnungsamtes. Sie sprechen einen Straßenmusiker an. Er darf nur 30 Minuten hier stehen, dann muss er weitergehen.
Menschen die betteln und Gäste der Gastronomie ansprechen, sind hier alltäglich. An diesem Samstag nicht. Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes bestätigt, dass sie weniger als eine Handvoll Bettler angesprochen haben. Jetzt wirkt die Stadt wie leer gefegt. Zwar sitzen an einigen Ecken und auf dem Westenhellweg Bettler und Bettlerinnen. Aber niemand, der wegen Suchtdruck und Crack aggressiv bettelt. Das ist überall verboten. Mit dem 5-Meter-Gastro-Abstandsverbot will die Stadt nun besonders die Gastronomen und deren Gäste Schützen.
Gast: Betteln ok, aber "ich will nicht genötigt werden"
Daryush Mollaie betreibt ein Café am Friedensplatz vor dem Rathaus. "Ich finde das neue Bettelverbot gut. Die versuchen die ganze Zeit die Gäste anzumachen, zu betteln. Das ist nicht schön. Ich hoffe, dass es wirkt, bin aber nicht sicher. Die machen sowieso, was sie wollen. Manchmal muss ich laut werden, damit sie weggehen".
Ein paar Meter weiter sitzt eine junge Frau mit ihrer Mutter gemütlich vor einem Restaurant. "Dass man da eine Grenze setzt, finde ich mittlerweile sehr wichtig. Es ist unglaublich belästigend, wenn man draußen sitzt und alle 10 Minuten jemand an den Tisch kommt und sehr übergriffig nach Geld fragt, auch mehrfach. Es ist sehr belastend geworden. Grundsätzlich habe ich nichts gegen das Betteln, aber ich möchte das frei entscheiden und nicht dazu genötigt werden."
Zehn Bettler bereits in Haft
Das Bettelverbot habe schon in den Tagen vor dem Verbot Wirkung gezeigt, sagt Dortmunds Ordnungsdezernent Norbert Dahmen: "Die ersten Wirte haben mir schon bestätigt, das die Bettelei deutlich zurückgegangen ist". Dahmen erzählt, dass bereits jetzt zehn Menschen in Haft sitzen, weil sie die bisherigen 50 Euro Bußgeld nicht bezahlen konnten. Mit dem neuen Bettelverbot sind das jetzt 250 Euro. Neu ist auch, dass bei Wiederholung kein Bußgeld mehr verhängt wird. Dann geht's direkt in Haft. Das seien dann fünf bis 14 Tage, erklärt Dahmen.
Bußgeld kann keiner bezahlen
Auf dem Westenhellweg, Dortmunds Einkaufsmeile, sitzt Sabine mit einem Plastikbecher vor sich. Was sie tut, ist erlaubt: Das stille Betteln, soweit die fünf Meter Abstand zur Außengastronomie eingehalten werden. Sabine hat Verständnis für das Verbot. Um das durchzusetzen, müsse man aber vor jeden Gastrobetrieb das Ordnungsamt stellen. Das gehe ja nicht, sagt Sabine.
Die Bußgelder und Haftstrafen sieht sie kritisch: "Wenn das kontrolliert wird, dann gibt es Geldstrafen. Die werden nicht bezahlt, dann gehen die Leute in Haft und das muss der Steuerzahler bezahlen. Keiner von denen, die betteln, kann die Strafe bezahlen".
Bastian Pütter von der Wohnungsloseninitative Bodo e.V. ist sich sicher: "Sie werden die Probleme damit nicht lösen. Die Stadt verspricht das ordnungspolitisch lösen zu können. Die Gefahr ist, das sie dann unglaubwürdig werden. Wir bekämpfen damit die Obdachlosigkeit nicht. Wir müssen Wohnraum zur Verfügung stellen. Es gibt vom Bund einen Beschluss, die Obdachlosigkeit bis 2030 abzuschaffen. Niemand tut einen Handschlag. Ich bin mir auch nicht sicher, ob das Bettelverbot rechtlich bestand haben wird".
Unsere Quellen:
- Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
- Stadt Dortmund
Start Bettelverbot Dortmund
WDR. 31.07.2026. 00:21 Min.. Verfügbar bis 01.08.2028. WDR Online.
Sendung: WDR.de, Start Bettelverbot Dortmund, 01.08.2026, 18:00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit am Samstag, 01.08.2026, 19:30 Uhr