Dortmunder Digital-Regisseur reagiert auf Kritik an KI-Bühnenbildern bei Bayreuther Festspielen
Bildquelle: dpa05:09 Min.. Verfügbar bis 11.08.2028.
Buhrufe in Bayreuth : KI-Bilder von Dortmunder Kurator sorgen für Kritik
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Dortmunder Innovation auf großer Opernbühne: Die Akademie für Theater und Digitalität bringt bei den Bayreuther Festspielen erstmals KI-gesteuerte Bühnenbilder zum Einsatz. Das sorgte für heftige Diskussionen, Buhrufe und Kritik. Der Dortmunder Kurator ist irrritiert über die Kritik.
Für Richard Wagners berühmten Opernzyklus "Der Ring des Nibelungen" verzichten die Verantwortlichen auf aufwendige Kostüme und große Bühnenbilder. Stattdessen begleiten Bild- und Videoprojektionen die Sänger durch das mehrstündige Werk. Entwickelt hat dieses Konzept die "Akademie für Theater und Digitalität" aus Dortmund unter der Leitung von Marcus Lobbes, die als Vorreiter für digitale Bühnentechnik gilt.
Verwirrte Besucher und entsetzte Kritiker
Nach mehreren Aufführungen fällt das Urteil vieler Besucher und Kritiker deutlich aus: Das Experiment kommt nicht gut an. Viele empfinden die Projektionen als störend und fühlen sich von der Musik abgelenkt. Von "KI-Irrsinn" und "Bilder-Geblubber" ist die Rede.
Dabei wagen die Verantwortlichen etwas Neues: Eine Künstliche Intelligenz steuert die Bilder im Hintergrund. Sie erzeugt und verändert die Projektionen während der Aufführung.
Kurator Marcus Lobbes hat das Konzept einmal mit dem Holodeck aus der Science-Fiction-Serie Star Trek verglichen. "Wir schaffen einen dreidimensionalen Raum, der in sich lebt und sich ständig wandelt", erklärt er. Die KI passt Farben, Motive und Darstellungen an die jeweilige Szene und die Figuren auf der Bühne an. Teilweise reagiert sie sogar direkt auf das Geschehen.
Marcus Lobbes, Direktor der Akademie für Theater und Digitalität aus Dortmund
Bildquelle: dpa150 Jahre Wagner, 150 Jahre Weltgeschichte
Bereits vor dreieinhalb Jahren erhielt Lobbes mit seinem Team den Auftrag für die Jubiläumsspielzeit. Dafür fütterten sie die Computer mit Bildern, Schlagzeilen und Szenen aus 150 Jahren Bayreuther Festspielen sowie aus 150 Jahren Weltgeschichte.
Welche Bilder während einer Aufführung erscheinen, entscheidet die KI selbst. Genau das sorgt bei vielen Zuschauern für Verwirrung. Wenn plötzlich Aufnahmen der Mondlandung oder Bilder von Adolf Hitler zu sehen sind, können viele den Zusammenhang zur jeweiligen Opernszene nicht erkennen.
Lobbes ist irritiert von den lautstarken Buhrufen und der vernichtenden Kritik in den Medien.
Nach Kritik: Technik wird zurückhaltender sein
Inzwischen hat das Team nachgebessert. Besser gesagt: Die KI hat selbst "dazugelernt". Sie reagiert nun weniger stark auf akustische Signale von der Bühne. Dadurch sollen die Bildwechsel ruhiger wirken und das Publikum weniger ablenken.
Viele Zuschauer sind von den unruhigen KI-Hintergründen irritiert.
Bildquelle: Enrico NawrathEin weiterer Kritikpunkt betrifft die Sänger. Viele Zuschauer bemängelten, dass die Darsteller hinter den Projektionen kaum noch wahrgenommen werden. Lobbes verspricht deshalb, die Projektionen zukünftig transparenter zu gestalten. Außerdem sollen sich die Darsteller mehr bewegen dürfen.
Ob die KI aus Buhrufen lernt?
An den Bildmotiven selbst will das Team allerdings nichts ändern. Die KI soll weiterhin eigenständig entscheiden, welche Inhalte sie zeigt. Aber auch die Künstliche Intelligenz sei "ein selbstlernendes System, das sich fortlaufend weiterentwickelt", betont der Kurator. "Ich habe die hundertprozentige Rückendeckung der Festspielleitung und des Dirigenten."
Ob die Änderungen das Publikum überzeugen, wird sich bei den nächsten Aufführungen zeigen. Vielleicht hat die KI die Buhrufe ja tatsächlich gehört.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Marcus Lobbes
- Eigene Recherchen
- dpa (Deutsche Presse-Agentur)
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Dortmund, 11.08.2026, 19:30 Uhr