Mit Maschinenpistolen und Sturmhauben sowie ein Großaufgebot der Polizei hat der Prozess vor dem Düsseldorfer Landgericht um den spektakulären Anschlag auf einen Taxifahrgast begonnen. Der Fall hatte Ende Dezember 2025 für Aufsehen gesorgt. Auf einer Düsseldorfer Hauptverkehrsstraße feuerten Täter zehn Schüsse auf ein Taxi ab.
Das 40-jährige Opfer wurde von sieben Kugeln getroffen und überlebte nur dank einer Notoperation. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft handelte es sich um einen gezielten Anschlag innerhalb der organisierten Kriminalität. Die Ermittler vermuten das Tatmotiv im Umfeld der mafiaähnlichen Gruppierung ‚Daltons‘, die ihren Ursprung in der Türkei hat.
Extreme Sicherheitsvorkehrungen
Verhandelt wird deswegen nicht im eigentlichen Landgericht, sondern im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts, der üblicherweise für Terrorverfahren genutzt wird. Die Staatsanwaltschaft wirft einem 39-jährigen Syrer und einem 22-jährigen Türken versuchten Mord vor. Ein dritter Angeklagter soll Beihilfe geleistet haben.
Hintergrund der außergewöhnlichen Sicherheitsmaßnahmen ist die Herkunft des Opfers. Der Mann gilt als Sohn beziehungsweise Neffe zweier bekannter Drogenbosse.
Mutmaßlicher Schütze bestreitet Vorwürfe
Einer der beiden mutmaßlichen Schützen bestritt beim Prozessauftakt, an der Tat überhaupt beteiligt gewesen zu sein. Er ließ über seine Anwälte erklären, er sei am Tattag gar nicht in Düsseldorf gewesen, sondern in seiner Heimatstadt Hameln.
Aykan Akyildiz, Verteidiger des zweiten mutmaßlichen Schützen, sagte dem WDR, sein Mandant sei zwar bei der Tat dabei gewesen, geschossen habe er jedoch nicht.
Vor Gericht wurde ein Blitzerfoto gezeigt, auf dem die Insassen des Tatfahrzeugs zu sehen waren. Zudem wurde ein Video aus dem Kö-Bogen-Tunnel präsentiert, das den Fluchtwagen zeigt, der sich mit hoher Geschwindigkeit und mehreren riskanten Spurwechseln durch den Verkehr drängt.
Neue Fahndung
Zeitgleich gab die Polizei eine neue Fahndung bekannt: Die Ermittler suchen nun öffentlich nach einem weiteren Tatverdächtigen. Ein entsprechendes Foto haben die Beamten in ihrer aktuellen Pressemitteilung verlinkt.
Der Prozess wird fortgesetzt, insgesamt 19 Verhandlungstage sind bis Ende Dezember angesetzt.
Unsere Quellen:
- WDR Gespräch mit Staatsanwalt Murat Ayilmaz
- WDR Gespräch mit Verteidiger Aykan Akyildiz
- Landgericht Düsseldorf
- Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR2, WDR2 für Rheinland, Ruhrgebiet und Niederrhein, 07.09.2026, 15:30 Uhr