Ein großer Ratssaal, in dem Menschen zwischen den Bänken herumlaufen

Haushalt 2027/2028 Düsseldorfer Politik vor "unbequemen Entscheidungen"

Stand:

Tief im Minus: Im Haushaltsentwurf der Stadt Düsseldorf fehlen in den kommenden zwei Jahren jeweils rund 300 Millionen Euro.

Von
Peter Hild
Peter Hild
und Jens Krepela

Auf dem Platz vor dem Düsseldorfer Rathaus geht es am Donnerstag um die Sorge vor dem, was kommen könnte - ein Sparhammer. Gleich mehrere Initiativen, von der Flüchtlingshilfe über das Bündnis für bezahlbaren Wohnraum bis hin zur Freien Kulturszene Düsseldorfs befürchten weitere Kürzungen, die ihre Existenz gefährden und haben sich deshalb zum Protest zusammengetan. "Wir wollen deutlich machen, wie unsere Arbeit abläuft, und was bei weiteren Kürzungen an sozialer und kultureller Vielfalt verloren ginge", sagt Mitorganisatorin Andrea Klimek von der Flüchtlingsinitative STAY.

Haushalt 2027/28

Gemeinsamer Protest sozialer und kultureller Initiativen vor dem Düsseldorfer Rathaus

Bildquelle: WDR / Jens Krepela

"Manche protestieren schon gegen Kürzungen, die es noch gar nicht gibt", erklärte Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller (CDU) zeitgleich drinnen und beteuerte, geltende Förderverträge würden eingehalten. Sein Blick galt aber erstmal dem großen Ganzen: Gemeinsam mit Kämmerin Dorothée Schneider stellte er einen Doppelhaushalt für die Jahre 2027/28 im Rat vor. Die Zahlen sind düster. Nach den Planungen gibt die Stadt im kommenden Jahr rund 300 Millionen Euro mehr aus, als sie einnimmt. 2028 sind es rund 315 Millionen Euro.

Düsseldorf stürzt nach einem weitgehend sorgenfreien Vierteljahrhundert finanziell weiter ab. Die sogenannte Ausgleichsrücklage, das Sparschwein der Stadt, ist aufgebraucht. Vom kommenden Jahr an schlagen die Mehrausgaben durch, müssen über Schulden finanziert werden und schmälern so das Gesamtvermögen.

Haushalt 2027/28

OB Stephan Keller bei der Ratssitzung in Düsseldorf

Bildquelle: WDR / Jens Krepela

Düsseldorf muss also weiter kürzer treten - schon 2026 wurden Prestigeprojekte wie der Bau einer neuen Oper gekippt. Dennoch betont Keller: der Haushalt mache "eine Fülle von Investitionen und Projekten möglich" und könne "Leistungen und Infrastruktur auf einem hohen Niveau" erhalten. Zum Ende seiner Rede gestand er aber auch: der Rat stehe bei den Haushaltsberatungen vor "unbequemen Entscheidungen" - konkreter wurde es erstmal nicht.

Jetzt liegt es an den Ratsfraktionen auszuhandeln, wie mit dieser Haushaltskrise umgegangen wird, bevor der Etat im Dezember beschlossen wird. Sie verfolgen dabei unterschiedliche Ansätze. Was bedeuten sie für die Bürger?

Haushalt: Höhere Eintrittspreise in städtischen Kulturhäusern

Erste spürbare Folge der Haushalts-Schieflage für die Bürger sind seit dem Sommer höhere Eintrittspreise in den städtischen Kulturhäusern und Museen. Ebenso im gerade bei Familien beliebten Aquazoo, der seine Preise zum 1. Juli im Schnitt um zehn Prozent angehoben hat.

Besucher im Düsseldorfer Aquazoo

Für den Eintritt in den Aquazoo müssen Besucher seit dem Sommer mehr zahlen.

Bildquelle: dpa

Ob es dabei bleibt, werden die Haushaltsberatungen der kommenden Monate zeigen. Um der Stadt mehr Einnahmen zu verschaffen und damit die hohen Defizite zu senken, fordern einige Oppositionsfraktionen, Steuern zu erhöhen. Veränderungen bei der Grundsteuer etwa würden dann wohl viele Düsseldorfer betreffen, weil Hauseigentümer und Vermieter die Zusatzkosten oft an Mieter weitergeben.

"Alles ist auf dem Prüfstand, es gibt keine Denkverbote." Andreas Auler, CDU-Ratsfraktion

Sparkurs im Haushalt: CDU und Grüne setzen auf weniger Ausgaben

Die schwarz-grüne Ratsmehrheit will sich -vorerst- weiter auf die Ausgabenseite fokussieren. "Wie können wir sparen, aber trotzdem Dinge weiter tun, die gut und wichtig sind", formuliert es CDU-Fraktionsvize Andreas Auler. Bei den Ausgaben müsse man umdenken, Großprojekte seien verschoben oder gar abgesagt worden, wie der Opern-Neubau. Die Frage sei etwa, ob städtische Neubauten nicht günstiger ausfallen könnten.

Wie die Stadt ihre Einnahmen verbessern könnte, dazu hält sich die Ratskoalition noch sehr bedeckt. Steuererhöhungen könnten spürbar mehr Geld in die leere Stadtkasse spülen. Für OB Stephan Keller (CDU) kommt das aber nicht infrage. In seiner Haushaltsrede sagte er, er setze auf die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Düsseldorf, die er nicht antasten wolle.

Mehrere Menschen stehen zusammen und halten ein unterschriebenes Papier vor sich

Die aktuelle Finanzlage bietet für die Ratskoalition wohl kaum Anlass zum Lächeln.

Bildquelle: WDR/Peter Hild

Vertreter beider Fraktionen warnten im Vorfeld vor Schwarzmalerei. Die Lage sei ernst, aber die Politik weiterhin handlungsfähig. Und die Stadt stehe auch nicht kurz vor der Insolvenz, sondern stehe im Vergleich zu vielen anderen Städten aktuell immer noch gut da.

Finanzkrise: FDP fordert Haushaltssperre, AfD sieht ein "Ausgabenproblem"

Angesichts der jüngsten finanziellen Entwicklung gibt es für die FDP nur eine Konsequenz: "Düsseldorf muss jetzt die Reißleine ziehen, den Rotstift ansetzen und die Ausgaben konsequent auf den Prüfstand stellen“, erklärt Fraktionsvorsitzender Mirko Rohloff.

Ein Mann mit schwarzer Krawatte steht vor dem Düsseldorfer Landtag

AfD-Fraktionschef Elmar Salinger sieht bei der Stadt ein "Ausgabenproblem".

Bildquelle: WDR / Benedikt Walter

Auch die AfD sieht kein Einnahme-, sondern ein Ausgabenproblem. Sie plädiert dafür, den städtischen Einstellungsstopp bis Ende 2027 zu verlängern. Außerdem heißt es in einer Fraktionsmitteilung auf WDR-Anfrage: "Kürzungen bei der freien Kulturszene oder sogenannten Klimamaßnahmen sind aus unserer Sicht leichter umsetzbar und Kürzungen im Sport- oder Bildungsbereich, etwa bei den Büchereien, unbedingt vorzuziehen."

Haushalt: SPD setzt auf Zweitwohungssteuer und fordert klaren Plan

Die SPD-/Volt-Ratsfraktion vermisst bei der Stadtspitze bisher eine klare Strategie. "Wir brauchen klare Prioritäten und einen Gesamtplan. Düsseldorf muss eine funktionierende Stadt bleiben und darf nicht kaputtgespart werden", sagt der finanzpolitische Sprecher Benjamin Tscholl. Die Fraktion stellt sich gegen pauschalen Personalabbau, ohne vorher zu prüfen, wie sich das zum Beispiel auf den Bürgerservice auswirkt.

Stattdessen schlägt sie vor, eine Zweitwohnungssteuer einzuführen, wie sie in vielen umliegenden Großstädten schon bereits als "verlässliche Einnahmequelle" genutzt würde. Dieser Antrag wurde am Donnerstagvormittag im Rat jedoch abgelehnt.

Haushalt: Linke will Steuererhöhungen und weniger "Image"-Ausgaben

Am weitesten gehen die Forderungen der Linken: Um den Haushalt wieder ins Lot zu bringen, würde sie die Gewerbe- und Beherbergungssteuer anheben bzw. anpassen wollen - damit ließen sich nach den Modellrechnungen der Fraktionen mehrere hundert Millionen Euro zusätzlich in den nächsten Jahren einnehmen.

Besucher verlassen die Pferderennbahn Düsseldorf

Die Linke fordert weniger Zuschüsse für "Prestige-Events" auf der Galopprennbahn.

Bildquelle: WDR/imago/Olaf Döring

Auf der anderen Seite will sich unter anderem Zuschüsse für Großveranstaltungen an die Stadttochter D.live mindestens deutlich reduzieren sowie "Image- und Luxusausgaben" streichen, etwa an die Messe oder Reiter- und Rennverein.

Entscheidung über den Düsseldorfer Haushalt Ende des Jahres

In den kommenden Wochen und Monaten setzen sich die Düsseldorfer Fraktionen mit dem Haushaltsentwurf der Stadtspitze auseinander - traditionell gibt es dann oft an vielen Stellen noch Veränderungen. Final entschieden über den Haushalt, konkrete Kürzungen oder mögliche höhere oder neue Steuern wird dann voraussichtlich in der Ratssitzung im Dezember.

Unsere Quellen:

Haushalt Düsseldorf 2027

WDR 23.09.2026 49 Sek. Verfügbar bis 22.09.2028 WDR Online

  • Beobachtungen des WDR-Reporters
  • WDR-Gespräch mit Andreas Auler, CDU-Ratsfraktion
  • WDR-Gespräch mit Frank Schulz, Grüne Ratsfraktion
  • WDR-Gespräch mit Benjamin Tscholl, SPD-Ratsfraktion
  • Antworten auf WDR-Anfragen an die Linken- und die AfD-Ratsfraktion
  • Mitteilung der FDP-Ratsfraktion
  • Controllingbericht der Stadt zur Haushaltslage zum 30.06.26

Sendung: WDR.de, Haushalt 2027/2028: Düsseldorfer Politik vor "unbequemen Entscheidungen", 24.09.2026, 16:15 Uhr
Erstveröffentlichung: Haushalt 2027 Düsseldorf, 24.09.2026, 05:06 Uhr