Der Feuerwerksunfall auf der Rheinkirmes jährt sich zum ersten Mal
WDR. 05:37 Min.. Verfügbar bis 23.07.2028.
Interessiert blicken Ammar Ghouzi und sein Sohn Hamza über das diesjährige Kirmes-Gelände in Düsseldorf. Vor einem Jahr standen sie nur ein paar Meter weiter oben auf der Rheinkniebrücke und erlebten unmittelbar mit, wie plötzlich mehrere Raketen über und in der Menschenmenge explodierten.
Der ausgebildete Kardiologe und Notfallmediziner reagierte schnell und versorgte Verletzte vor Ort, bis die Rettungskräfte eintrafen. Ihn beschäftigt das Ereignis bis heute.
Ersthelfer Ammar Ghouzi erinnert sich
Ersthelfer Ammar Ghouzi und einer seiner Söhne sind wieder an der Rheinkirmes
Er erinnert sich, wie nach den ersten Explosionen Schreie zu hören waren und Panik und Tumult unter den Zuschauern ausgebrochen ist. "Die Menschen liefen hin und her. Und keiner wusste, was genau passiert war", erzählt Ghouzi.
"Die Schreie der Kinder, die werde ich nie vergessen. Die Panik, die ausbrach. Und dann die Raketen, die in der Menschenmenge einschlugen. Das war ein bisschen wie Krieg." Ammar Ghouzi, Ersthelfer
Rettungskräfte mussten im Vorjahr viele Verletzte nach dem Feuerwerk versorgen.
Zusammen mit seinem Sohn sei er von Verletzten zu Verletzten gegangen, habe sie ohne Hilfsmaterial erstversorgt und eine Sammelstelle eingerichtet. Viele der Betroffenen hatten teils schwere Brandwunden im Gesicht oder am Körper.
Viele Opfer wollen nicht zum Feuerwerk kommen
Bis heute hat der Arzt Kontakt zu einigen Opfern. Die wollten sich öffentlich nicht äußern. "Die meisten haben gesagt, dass sie bewusst nicht zum Feuerwerk kommen wollen, weil die Geräusche, das Explodieren der Raketen bei ihnen natürlich schlimme Erinnerungen weckt."
"Wir dürfen vor solchen Ereignissen keine Angst haben." Ammar Ghouzi, Ersthelfer
Auch er selbst überlegt noch, ob er zum Feuerwerk kommt. Wobei für ihn klar ist: "Wir dürfen vor solchen Ereignissen keine Angst haben. Vermutlich werde ich mich wieder genau an die Stelle vom letzten Jahr stellen, oben auf der Brücke." Auch ihn beschäftige das Erlebte noch stark, berichtet er. Er macht sich Sorgen, dass so etwas wieder passieren kann, egal, wie gut die Sicherheitsvorkehrungen sein mögen.
Schützenchef: "Gedanken an die Opfer geht nicht aus dem Kopf"
Auch den Chef der veranstaltenden St. Sebastianus-Schützen, Andreas-Paul Stieber, hatte der Unfall in den Tagen danach spürbar mitgenommen. "Ich erinnere mich noch an jede Szene. Die Bilder sind bei mir und uns fest gespeichert. Wir sind froh, dass die Verletzten, soweit wir wissen, keine bleibenden Schäden davon getragen haben."
"Die Menschen lieben das Feuerwerk, das weckt Emotionen. Und es gehört einfach zur Tradition der Kirmes dazu." Andreas-Paul Stieber, Schützenchef
Schützenchef Andreas-Paul Stieber denkt immer noch oft an die Opfer.
Über die Zukunft des Feuerwerks hätten die Schützen bewusst erst nach mehreren Monaten entschieden, so Stieber, "als alle Emotionen abgeklungen waren." Rund 80 Prozent der Mitglieder hätten sich für eine Fortsetzung stark gemacht, auch für Stieber die richtige Entscheidung: "Die Menschen lieben das Feuerwerk, das weckt Emotionen und es gehört einfach zur Tradition der Kirmes dazu." Man tue das Menschenmögliche, um mit größtmöglicher Sicherheit einen erneuten Vorfall wie im vergangenen Jahr auszuschließen.
Mehr Sicherheit durch Container und Sand
Die Abschussgeställe werden mit 1200 Kugebomben befüllt.
Die Abschussrampen für das Feuerwerk werden am Freitag in mehreren meterhohen Containern am Rheinufer aufgebaut. Durch die Höhe der Seitenwände und die Fixierung der Rampen mit mehreren Kubikmetern Sand sollen keine Querschläger mehr möglich sein, so die Veranstalter.
Durch den Abschuss in Containern dürfte das Feuerwerk etwas lauter knallen als sonst, schätzt Kirmesarchitekt Sven Gerling. Die Hoffnung bei ihm und den übrigen Kirmes-Verantwortlichen ist groß, dass die hunderttausenden erwarteten Zuschauer am Rheinufer das Feuerwerk am Freitagabend dieses Mal begeistert und unbeschwert verfolgen können, wie schon so oft.
Unsere Quellen:
- Ersthelfer und Arzt Ammar Ghouzi
- Andreas-Paul Stieber, Chef der St. Sebastianus-Schützen
- Veranstaltungs-GmbH der St. Sebastianus-Schützen
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf, Ein Jahr nach Unglück bei Kirmes-Feuerwerk: "Wir dürfen keine Angst haben", 23.07.2026, 19:30 Uhr
