Angst um ihr Zuhause: Anwohnern droht Entmietung

WDR 02:19 Min. Verfügbar bis 15.07.2028

Angst um ihr Zuhause Anwohnern von Düsseldorfer Haus droht Entmietung

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Seitdem ein Mehrfamilienhaus in Düsseldorf Friedrichstadt verkauft wurde, leben die Mieter in Angst, ihre Wohnungen zu verlieren.

In der kleinen Küche von Sabine Hildebrandt haben sich alle Nachbarn aus dem Haus versammelt. Sie beraten, welche Schritte sie als nächstes gehen können. Seit dem Eigentümerwechsel vor wenigen Monaten ist das Treffen zur Routine geworden. Denn in dem Mehrfamilienhaus ist vor allem eines angekommen: Angst.

Eine Frau im Portrait. Sie sieht traurig aus.

Brigitte Klaus wohnt seit 56 Jahren in dem Haus.

Fast alle Mietparteien haben inzwischen Kündigungen erhalten – aus unterschiedlichen Gründen. So auch Brigitte Klaus. Sie wohnt mit ihrem Mann seit 1970 in dem Haus. Hier haben sie ihre Kinder großgezogen. Nun fürchten sie, ihr Zuhause zu verlieren.

"Ich bin nervlich am Ende" Brigitte Klaus, Anwohnerin

Mietpreise sollen steigen

Doch damit nicht genug: An mehrere Mietparteien wurden zu den Kündigungen auch Mieterhöhungen verschickt. In einem Fall fordert der Eigentümer nach Angaben der Betroffenen zudem die Zahlung einer Kaution in Höhe von drei Monatsmieten – obwohl diese nach Aussage der Mieterin bereits bei ihrem Einzug vor fast 40 Jahren geleistet worden war.

Was genau der neue Eigentümer mit dem Haus plant, ist unklar. In den sozialen Netzwerken präsentiert er sich als Immobilienunternehmer und gibt regelmäßig Ratschläge, wie sich mit Immobilien möglichst hohe Gewinne erzielen lassen.

Sein zentrales Schlagwort lautet dabei immer wieder: "Entwicklung". Immobilien müssten entwickelt werden, erklärt er in seinen Beiträgen. Dann könne auch eine Rendite von 300-400 Prozent erzielt werden.

Angst um Entmietung

Bei den Bewohnerinnen und Bewohnern weckt das Ängste. Sie befürchten, dass das Haus entmietet werden könnte, um es anschließend umfassend zu sanieren oder in Eigentumswohnungen umzuwandeln.

Belege für ein solches Vorhaben gibt es jedoch nicht. Auf WDR-Anfrage äußerte sich der Eigentümer nicht zu seinen Plänen für das Gebäude.

Ein Mann steht mit weißem Hemd im Studio der Lokalzeit Düsseldorf.

Claus Nesemann vom Mieterverein berät Mieter bei Kündigungen

Die Mieter haben sich Unterstützung beim Mieterverein Düsseldorf geholt. Der Geschäftsführer Claus Nesemann war für ein Studiogespräch zu dem Thema in der "Lokalzeit aus Düsseldorf".

Er selbst habe solch einen krassen Fall noch nicht erlebt. Er rät Betroffenen, sich rechtlichen Beistand zu holen. Wichtig sei zu wissen, was man einer Kündigung entgegensetzen kann. Ausschlaggebend sei zum Beispiel das Alter, der Gesundheitszustand oder die Mietdauer.

Nachbarn organisieren Protestaktion

Während die Unsicherheit unter den Mieterinnen und Mietern wächst, erhält ihr Protest zunehmend Rückhalt aus der Nachbarschaft. Im Viertel hat sich eine breite Solidaritätsbewegung entwickelt. Gemeinsam mit Unterstützern wurden Plakate gestaltet, die sich gegen eine mögliche Entmietung richten.

Ein Haus von außen, in mehrern Fenstern hängen Neongelbe Plakate mit der Aufschrift "Entmietung stoppen!"

In der Nachbarschaft zeigen viele Anwohner ihre Solidarität mit aufgehängten Plakaten in ihren Fenstern.

Beim Nachbarschaftsfest auf dem Fürstenplatz war das Thema präsent. In zahlreichen Fenstern hängen inzwischen die Plakate mit der Forderung, die Entmietung zu stoppen.

Für die Bewohnerinnen und Bewohner geht es dabei um weit mehr als nur vier Wände. Es geht um ihr Zuhause – und um die Frage, ob sie auch in Zukunft noch Teil ihres Viertels sein können.

Unsere Quellen:

  • Mieterverein Düsseldorf
  • Eindrücke von WDR-Reporter vor Ort
  • Gespräche mit Mietern

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf, 15.07.2026, 19:30 Uhr

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