Kunde kritisiert Parkservice-Anbieter
Als Tarik Krämer vor seinem Auto steht, kann er es nicht glauben. Schrammen überziehen die Beifahrertür, die Karosserie ist verbeult und verzogen. Das Ende seines Kurzurlaubs hatte sich der 24-Jährige anders vorgestellt.
Vier Tage zuvor hatte Krämer seinen Golf an einen Parkservice-Anbieter am Düsseldorfer Flughafen übergeben. Das klappte noch problemlos. Als Krämer dann nach seiner Rückkehr auf das Auto wartet, merkt er schnell: Da stimmt etwas nicht.
"Erst hieß es, der Wagen ist in zehn Minuten da. 45 Minuten später standen wir immer noch am Terminal", sagt Krämer. "Dann hat mir der Parkservice-Mitarbeiter gesagt, dass mein Auto bei einem Unfall beschädigt wurde und die Polizei informiert ist."
Auto bei Unfall schwer beschädigt
Krämer soll weiter warten, bis er abgeholt wird. Doch der 24-Jährige will wissen, was mit seinem Fahrzeug passiert ist. "Ich hatte einen GPS-Tracker im Golf. Während des Urlaubs konnte ich deswegen sehen, dass der Wagen erst an einer Straße in Ratingen, dann in einem Hinterhof und schließlich auf einem Schotterparkplatz abgestellt wurde", sagt Krämer.
Er fährt mit einem Taxi zu dem Parkplatz an der Theodorstraße in Düsseldorf. Dort erfährt er, dass ein Fahrer beim Ausparken in der Nacht zuvor seinen Golf beschädigt hat. "Zum Glück hatte der Unfallverursacher seine Kontaktdaten hinterlassen", so Krämer.
Der Fahrer sei kein Mitarbeiter des Parkservices gewesen, sondern habe privat auf der Fläche geparkt. Krämer fragt sich, wie das passieren konnte. Denn in der Buchungsbestätigung, die er vom Parkservice-Anbieter bekam, steht explizit: "Der Parkplatz ist umzäunt, beleuchtet und videoüberwacht. Es finden regelmäßige Kontrollgänge durch das Personal statt."
Auf der Parkfläche an der Theodorstraße gibt es zwar einen Zaun, aber auch mehrere Einfahrten ohne Schranken oder Tore. "Anscheinend kann da jeder einfach drauf fahren", sagt Krämer. Zwei Düsseldorferinnen, die oft mit ihrem Hund an der Fläche vorbeikommen, schildern dem WDR vor Ort, dass der Platz fast immer offen sei, auch in den Abendstunden.
"Das ist natürlich kein sicherer Stellplatz", sagt Krämer. "Ich bin der Meinung, dass der Unfall nicht passiert wäre, wenn mein Wagen so wie vereinbart geparkt worden wäre: auf einer abgesperrten Fläche."
Der Mitarbeiter der Parkfirma habe vor Ort noch mit der Polizei gesprochen, Krämer dann die Kontaktdaten des Unfallverursachers und den Autoschlüssel übergeben und sei gegangen.
"Das war das erste und das letzte Mal, dass ich so einen Parkservice gebucht habe. Mein Auto hat einen wirtschaftlichen Totalschaden und ich ärgere mich seit Wochen mit der Versicherung herum." Kunde Tarik Krämer
Der Parkservice-Anbieter äußerte sich auf WDR-Anfrage nicht zu den Geschehnissen.
Polizei warnt vor dubiosen Parkdiensten
Nicht nur Krämer hat negative Erfahrungen mit Parkservice-Anbietern an Flughäfen gemacht. Laut der Polizei Mettmann gab es in jüngerer Vergangenheit vermehrt den Verdacht, "dass einzelne Anbieter ihre Dienstleistungen nicht ordnungsgemäß betreiben und die Fahrzeuge ihrer Kundinnen und Kunden missbräuchlich benutzen".
Dabei gehe es etwa um die Nutzung von Kundenfahrzeugen für Taxifahrten - und sogar Straftaten wie illegale Straßenrennen. In Ratingen seien immer wieder Fahrzeuge mit zum Teil erheblich erhöhten Kilometerständen oder Fahrzeugschäden an Kunden von Parkservice-Anbietern zurückgegeben worden.
Im Westen der Stadt würden sich zudem oft Anwohner beschweren, weil Parkdienste die Autos einfach im öffentlichen Raum abstellen, heißt es in der Mitteilung der Polizei.
Auch die Düsseldorferin Andrea Malcher kennt das Problem. Unweit ihrer Apotheke im Stadtteil Lichtenbroich befindet sich ein kleiner, öffentlicher Parkplatz. "Eigentlich darf hier nur zwei Stunden geparkt werden. Ich habe aber schon beobachtet, wie Mitarbeiter von Parkfirmen die Parkscheiben regelmäßig weitergedreht haben", sagt Malcher. "Es ist unheimlich schwer, dagegen vorzugehen. Selbst das Ordnungsamt sagt, sie könnten nicht so viel machen."
Die Kreispolizeibehörde Mettmann, die Stadt Ratingen sowie der Zoll hätten bereits mehrere gemeinsame Kontrolleinsätze durchgeführt, um gegen unseriöse Parkdienste vorzugehen.
Die Polizei Mettmann betont in ihrer Mitteilung gleichzeitig, dass es zwar unseriöse Parkdienste gebe, aber "zahlreiche Anbieter ihre Dienstleistungen seriös und zuverlässig erbringen".
Selbst bei einzelnen Firmen gehen die Bewertungen im Internet weit auseinander. Die einen Kunden berichten von gutem Service, die anderen von Schäden und Dutzenden Kilometern mehr auf dem Tacho, als sie ihr Auto abgeholt haben.
So beurteilen Flughäfen die Situation
Ein Sprecher des Flughafens Düsseldorf betont: "Grundsätzlich tolerieren wir keine Geschäftstätigkeiten an unserem Airport, die das Vertrauen unserer Kunden in regel- und gesetzeskonformes Handeln gefährden."
Der Flughafen arbeite eng mit Polizei, Zoll, Kommunen sowie den zuständigen Fach- und Ordnungsbehörden zusammen, um "missbräuchliche Geschäftsmodelle weiter zu erschweren und rechtskonformes Verhalten zu stärken". Gleichzeitig betont der Sprecher, dass der Flughafen selbst keine privaten Parkdienste beauftragt.
Dem Flughafen Dortmund seien keine konkreten Vorfälle bekannt, in denen Passagiere vor Ort von dubiosen Parkservice-Angeboten betroffen waren. Wie der Flughafen Düsseldorf empfehlen auch die Dortmunder, "Parkplätze direkt über die Website des Airports zu buchen".
So funktionieren Parkdienste an Flughäfen
Valet-Service: "Valet" ist ein altes Wort für "Diener". Hierbei fährt man direkt am Flughafen-Terminal vor und übergibt das Auto einer Parkfirma, zum Beispiel in der Kiss and Fly-Zone. Die Parkfirma holt einen dann nach dem Urlaub auch wieder am Terminal ab.
Shuttle-Service: Hier muss man selbst zu einem privaten Parkplatz anreisen. Mit einem Shuttle wird man dann zum Flughafen gebracht und auch nach dem Urlaub wieder abgeholt.
Auch ein Sprecher des Flughafens Köln/Bonn erklärt im Gespräch, dass es nach seinen Informationen keine wiederkehrenden Schwierigkeiten mit unseriösen Anbietern gebe. Er verweist ebenfalls darauf, dass der Airport generell nicht mit eigenständigen Parkservice-Unternehmen zusammenarbeitet.
Trotzdem berichten Betroffene wie Tarik Krämer immer wieder von Problemen mit Parkservice-Anbietern an Flughäfen. Bei aller Vorfreude auf den Urlaub ist deswegen Vorsicht geboten.
Daran erkennt man unseriöse Unternehmen
Urlauber sollten bei der Wahl des Parkservice-Anbieters auf folgende Punkte achten:
- Bei ungewöhnlich günstigen Angeboten ist Vorsicht geboten.
- Anbieter, die nur Bargeld annehmen, sollten gemieden werden.
- Seriöse Anbieter erkennt man laut Polizei Mettmann daran, dass sie Fahrzeuge in bekannten Parkhäusern oder auf registrierten Flächen parken.
- Man sollte darauf bestehen, dass die Parkfirma den konkreten Standort nennt, an dem der Wagen abgestellt wird.
- Wer die Möglichkeit hat, sollte sich das Parkgelände vorher anschauen: Gibt es Parkplatzmarkierungen? Gibt es eine Schranke? Hat es idealerweise eine Videoüberwachung?
- Erfahrungsberichte von Kunden auf digitalen Plattformen wie Trustpilot oder Google Maps können helfen, das Unternehmen einzuschätzen.
Der Zustand des Autos und dessen Kilometerstand sollten bei der Fahrzeugübergabe zudem dokumentiert werden - zum Beispiel durch Fotos. Den Kilometerstand sollten sich Urlauber am besten im Übergabeprotokoll quittieren lassen. Und es ist wichtig, in der Versicherungspolice des eigenen Autos zu prüfen, ob Fremde es fahren dürfen.
Diese Rechte haben Kunden von Parkdiensten
Laut Rechtsanwalt Christian Demuth gilt: Wer sein Fahrzeug mitsamt Schlüssel einem Parkservice-Anbieter übergibt, mietet nicht einfach einen Stellplatz.
"Der Anbieter übernimmt vielmehr auch die Obhut über das Fahrzeug. Er ist verpflichtet, es nur im vereinbarten und erforderlichen Umfang zu bewegen, ordnungsgemäß abzustellen und unbeschädigt zurückzugeben." Christian Demuth, Rechtsanwalt
Wird das Fahrzeug während der Obhutszeit beschädigt, kommen insbesondere vertragliche Schadensersatzansprüche gegen den Parkservice in Betracht, so Demuth. "Hat ein Mitarbeiter des Anbieters den Schaden verursacht, muss sich das Unternehmen dessen Verhalten grundsätzlich zurechnen lassen", so Demuth.
Betroffene sollten einen neu festgestellten Schaden sofort dokumentieren, betont der Rechtsanwalt. Er empfiehlt, Fotos und Videos am Rückgabeort zu machen und bei einem erheblichen Schaden einen unabhängigen Sachverständigen zu kontaktieren. Der Schaden sollte dem Anbieter zudem "unverzüglich und nachweisbar schriftlich angezeigt werden". Bestehe der Verdacht auf eine unbefugte Fahrzeugnutzung oder eine Straftat, sollten Betroffene "zeitnah Strafanzeige" erstatten.
Wer vor der Übergabe keine detaillierten Fotos von seinem Auto gemacht hat, könne auch auf andere Beweismittel zurückgreifen. Das könnten etwa Zeugen sein, die den Wagen vor der Übergabe gesehen haben, aktuelle Werkstatt- oder TÜV-Unterlagen und auch ältere Bilder vom Fahrzeug.
Und wie sieht es aus, wenn der Parkservice mit dem Auto ungewöhnlich viele Kilometer gefahren ist? "Der Parkservice darf das Fahrzeug nur so weit bewegen, wie es für den vereinbarten Zweck erforderlich ist - beispielsweise für die Fahrt vom Übergabeort zum zugesagten Parkplatz und zurück", sagt Christian Demuth.
Private Fahrten, Einkaufsfahrten oder sonstige Umwege würde die Einwilligung des Kunden in der Regel nicht umfassen. "Erhebliche und vom Anbieter nicht plausibel erklärte Mehrkilometer stellen daher zunächst eine Vertragsverletzung dar", so Demuth.
Probleme mit unseriösen Parkdiensten am Flughafen
WDR. 29.07.2026. 00:49 Min.. Verfügbar bis 28.07.2028.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit dem Parkservice-Kunden Tarik Krämer
- Buchungsbestätigung des Parkservice-Anbieters für Tarik Krämer
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- Digitale Kundenbewertungen von Parkservice-Anbietern
- Polizei Ratingen
- WDR-Gespräch mit der Apothekerin Andrea Malcher
- Flughafen Düsseldorf
- Flughafen Dortmund
- Flughafen Köln/Bonn
- Rechtsanwalt Christian Demuth
Sendung: WDR.de, Probleme mit unseriösen Parkdiensten am Flughafen, 30.07.2026, 5:03 Uhr