Ehrenamtsatlas NRW 2026 | Aktuelle Stunde
Bildquelle: WDR / Karin HessmannWDR. 26 Sek.. Verfügbar bis 26.08.2028.
Neue Umfrage : Ehrenamtliches Engagement bei Jüngeren stark rückläufig
Stand:
Zum dritten Mal nach 2022 und 2024 hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von Westlotto Bürgerinnen und Bürger in NRW gefragt, wie und warum sie sich ehrenamtlich engagieren. Nach wie vor arbeiten mehr als die Hälfte der über 18-Jährigen freiwillig im Ehrenamt. Ein Punkt gibt allerdings Grund zur Sorge.
Sorge macht den Auftraggebern der Studie, dass sich immer weniger junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren ehrenamtlich engagieren, insbesondere aus Zeitgründen. In dieser Altersgruppe ist der Anteil von ehrenamtlich Engagierten von 58 Prozent im Jahr 2024 auf 46 Prozent gesunken.
Deshalb schlägt Andreas Kötter, Geschäftsführer der Westlotto, eine Tandemlösung vor: "Man kann Positionen, zum Beispiel den Trainerposten einer Mannschaft, doppelt, als Tandem besetzen. Ist einer verhindert, hat die Mannschaft immer noch einen Trainer", sagt Kötter beispielhaft.
"Wir wollen sogenannte Tandem-Lösungen einführen." Andreas Kötter, Westlotto-Geschäftsführer
Unter 30-Jährige geben zudem überdurchschnittlich häufig an, sich bisher noch nicht mit dem Thema Ehrenamt beschäftigt zu haben. Wer auf der Suche nach einem Ehrenamt ist, kann zum Beispiel die Engagementplattform des Landes NRW von Aktion Mensch nutzen.
Die meisten engagieren sich im Sport
Wie auch schon bei den vergangenen zwei Erhebungen (2022, 2024) engagieren sich laut neuster Umfrage die meisten NRW-Bürger im Sport. 23 Prozent sind es genau. Danach folgt mit 19 Prozent der Bereich Kirche und Religion. Und mit 18 Prozent der Bereich Nachbarschaft, zu der die Nachbarschaftshilfe und auch die Begrünung von öffentlichen Flächen gehören.
Durchschnittlich 224 Stunden freiwillige Arbeit im Jahr
Die Zahl der eingesetzten Stunden hat im Vergleich zur Studie 2024 leicht zugenommen. Zum Beispiel Trainer, Betreuer, Mitarbeiter in Tierheimen oder bei den Tafeln, aber auch die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehren haben in NRW durchschnittlich 224 Stunden im Jahr in ihr Ehrenamt investiert. Bei der letzten Erhebung waren es noch 208 Stunden.
Mehr als 300.000 Menschen bekommen in NRW Unterstützung von der Tafel.
Bildquelle: Fabian Strauch/dpaDer Anteil der ehrenamtlich Tätigen ist im Kreis Olpe mit 68 Prozent am höchsten. Am niedrigsten ist die Quote in Remscheid mit 37 Prozent. Insgesamt liegt die Ehrenamtsquote in NRW bei 53 Prozent.
Fehlende finanzielle Mittel und komplizierte Förderanträge
Der wirtschaftliche Gegenwert des Ehrenamtes in NRW beläuft sich auf 24,5 Milliarden Euro. Diese hohe Summe kommt heraus, wenn man die Ehrenamtlichen mit dem Mindestlohn von 13,90 Euro bezahlen würde.
Trotz des ehrenamtlichen Engagements, Mitgliedsbeiträgen und Spenden brauchen Vereine und Co. oft eine Förderung, um laufende Kosten zu decken oder größere Projekte zu finanzieren. Mehr als die Hälfte der Befragten nennt fehlende finanzielle Mittel als zentrale Hürde für Verbesserungen und neue Projekte.
Westlotto startet zusätzliche Förderung
Schon kleine Summen könnten wirklich helfen, meint Ehrenamtsforscherin Prof. Dr. Andrea Walter von der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen. Sie hat die Studie begleitet. "Aus Studien wissen wir, dass eine Förderung zwischen 4.000 und 5.000 Euro von den meisten Vereinen als ideal angesehen wird", so Walter.
Die Befragten sehen sich bei der Beantragung von Fördergeldern mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert. 73 Prozent berichten von komplizierten oder umfangreichen Antragsverfahren. Auch schwer verständliche Nachweispflichten (60 Prozent) und lange Wartezeiten bis zu einer Zusage (40 Prozent) sind häufig genannte Schwierigkeiten.
Die Westlotto, ein 100-prozentiges Tochterunternehmen des Landes Nordrhein-Westfalen, unterstützt das Ehrenamt mit Fördergeldern. Ein prozentualer Anteil der Lotterie-Einnahmen geht dabei an gemeinnützige Projekte. Ab September gibt es eine neue Fördermöglichkeit, die von der neuen "Local Hero Bingo"-Lotterie über eine Stiftung finanziert wird. Hier können sich gemeinnützige Vereine und Organisationen bewerben und erhalten dann eine Förderung von 1.000 bis 5.000 Euro für ihre Projekte.
Unsere Quellen:
- Ehrenamtatlas 2026
- Pressemitteilung Westlotto
- Engagement-Portal des Landes Nordrhein-Westfalen
Sendung: WDR.de, Umfrage: Ehrenamtliches Engagement bei Jüngeren rückläufig, 26.08.2026, 15.42 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 26.08.2026, 18.45 Uhr
1 Kommentar
Kommentar 1: Leser schreibt am heute, 17:42 Uhr :
Gibt doch viele, die gaben gar keine Beschäftigung. Die sollten mal einsteigen ins Ehrenamt