Hugo und Emil wurden am 14. Juli geboren - damit sind die zweieiigen Zwillinge rund sieben Wochen zu früh. Mama Mona Gotthard musste in der Schwangerschaft mehrmals im Uniklinikum Essen stationär aufgenommen werden. Nachdem die natürliche Geburt nach mehreren Tagen nicht geklappt hat, kamen die beiden Jungs per Kaiserschnitt auf die Welt.
Das Siegel besonders babyfreundlich bestätigt Mona Gotthards Erfahrungen, auch wenn sie am Anfang Vorbehalte hatte. Ursprünglich hatte sie geplant, woanders zu entbinden: "Man hat gehört, die Uniklinik sei zu medizinisch. Keine Chance auf eine natürliche Geburt bei Zwillingen. Aber das kann ich gar nicht bestätigen."
Die Familie soll im Mittelpunkt stehen
Um das internationale Qualitätssiegel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) zu bekommen, hat das Uniklinikum etwa eineinhalb Jahre an Verbesserungen gearbeitet. Dafür muss das Uniklinikum die höchsten Standards nachweisen, was die Bindungs-, Entwicklungs-, und Stillförderung angeht.
Als Perinatalzentrum Level 1 (also der höchsten Stufe) betreut das Krankenhaus besonders kranke oder frühgeborene Babys. Sie bieten damit die höchste Versorgungsstufe an, um sich gerade um Risikogeburten und Frühgeborene zu kümmern.
Bonding wichtig für die Kinder
Eines der wichtigen Kriterien für das Zertifikat ist zum Beispiel das Bonding, also der Bindungsaufbau, ab der ersten Minute. Dafür gibt es auch einen speziellen Geburtstisch. So kann das Kind auch bei einem frühen Kaiserschnitt, wenn es medizinisch versorgt werden muss, bei der Mutter bleiben. Dr. Anja Stein freut sich über diese Anschaffung und nennt den Tisch liebevoll "den Porsche" der Station.
Es gibt auch spezielle Tragetücher für die besonders kleinen Babys. So kann Emil zum Beispiel von seinem Papa Christian Gotthard auf der Station umhergetragen werden. Der enge Körperkontakt zu den Eltern ist wichtig.
Babys können auch mit gespendeter Muttermilch versorgt werden
Ein weiteres sehr wichtiges Kriterium für die Auszeichnung ist die Versorgung mit Muttermilch.
"Das kann man mit der Industriemilch nicht nachmachen. Da sind lebende Zellen drin, Abwehrstoffe und das schützt unsere Frühgeborenen." Dr. Anja Stein, Oberärztin in der Neonatologie am UK Essen
Falls Mütter aus verschiedenen Gründen nicht selbst Muttermilch geben können oder dürfen, dann gibt es im Uniklinikum auch gespendete Muttermilch. Die Spendermütter werden vorher untersucht, ähnlich wie bei einer Blutspende. Die Versorgung von gerade Frühgeborenen ist wichtig, meint Dr. Stein: "Muttermilch ist wie ein Medikament für die Babys."
Emil und Hugo dürfen nach Hause
Bei Mona Gotthard hat das Stillen nach kurzer Zeit funktioniert. Sie ist sehr froh, dass sie ihre Zwillinge jetzt mit nach Hause nehmen kann, gerade auch weil sie erst mit einem längeren Krankenhausaufenthalt gerechnet hat: "Als es hieß wir können doch früher nach Hause musste ich auch das ein oder andere Tränchen verdrücken."
Unsere Quellen:
- Dr. Anja Stein, Oberärztin Neonatologie Uniklinkum Essen
- Familie Gotthard
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 31.07.2026, 19:30 Uhr