Kurz nach zwei Uhr morgens in der Essener Innenstadt. Seit drei Stunden sitzt Dirk Immig - ein großer Mann, kurze Haare, Tattoos an fast allen Fingern - am Steuer seiner kleinen Kehrmaschine. Mehrere Bildschirme in der Maschine und Außenspiegel helfen ihm, aber Immig kennt sowieso jeden Winkel seiner Maschine und der Essener Straßen. "Wenn ich zurückdenke, wie ich vor 33 Jahren nachts angefangen habe... Es ist immer schlimmer geworden mit dem Müll."
Acht bis zehn Leute sind pro Nacht zusammen unterwegs. Sie alle arbeiten für die Essener Entsorgungsbetriebe (EBE). Immigs Kollegen holen mit ihren Besen den letzten Dreck aus den Ecken, den Immig dann mit der Kehrmaschine einsammelt.
Fakten rund um die Straßenreinigung in Essen
560.000 Quadratmeter Plätze und Fußgängerzonen reinigen die EBE laut eigener Auskunft. Manche der 2700 Papierkörbe in Essen werden täglich geleert. Im Herbst müssen Tonnen Laub von den Straßen, im Winter sorgen die Mitarbeiter bei Eis und Schnee für Sicherheit.
Straßenreinigung in Essen: Die Arbeit wird nicht einfacher
Imming und seine Kollegen machen einen kurzen Abstecher zum Kirmesgelände an der Essener Grugahalle, dann geht's wieder zurück in die City.
In reinen Wohngebieten wird natürlich nachts nicht gefahren, aus Lärmschutzgründen. Aber in der Innenstadt gibt es auch genug zu tun. Immer mehr, findet Dirk Immig.
"Die Leute wohnen hier im Haus, kommen runter mit ihren Mülltüten und stellen die einfach irgendwo hin. Das ist ganz normal hier in Essen." Dirk Immig
Auch wenn die Vermüllung immer schlimmer werden mag: Zeit für einen Witz oder Plausch zwischendurch ist zum Glück immer noch. Was den Job für Dirk Immig auch ausmacht.
Mit Leib und Seele NRWler
"Ich bin ein echtes Kind des Ruhrgebiets", erzählt der 59-jährige Familienvater. "NRW ist für mich vor allem Fußball. Dann noch meine Kumpels und natürlich die Vielfalt auch der Menschen hier bei uns."
Das kann er allerdings jeden Tag erst ab 13:30 Uhr genießen. "Bis dahin ist Matrazenhorchdienst", sagt er und lacht dabei. Aber 33 Jahre Nachtdienst haben auch ihre Vorteile: "Als mein Sohn noch zur Schule ging, hatte ich danach immer Zeit für ihn."
Zusammenhalt ist das Wichtigste
6 Uhr: Schichtende. Wieder eine Nacht geschafft. Wer hier dabei ist, macht in wechselnden Teams nur Nachtschichten. Dabei, so Dirk Immig, sei vor allem eines wichtig: Zusammenhalt.
"Wir sind ein Team, wir halten zusammen hier auf der Nachtschicht. Mit manchen arbeite ich schon 20 Jahre lang. Manche gehen, andere kommen, aber wir sind immer ein Team. Und auch das ist NRW für mich."
Alle Beiträge der Serie "So tickt NRW":
Unsere Quellen:
Sendung: WDR.de, So tickt NRW - 2 Uhr: Nachts unterwegs mit Dirk Immig von der Straßenreinigung in Essen, 03.08.2026, 12:02 Uhr