Andreas Weber ist stellvertretender Europadirektor der Organisation "Doctors Against Forced Organ Harvesting" (DAFOH) - also Ärzte gegen erzwungene Organentnahmen. Neben seinem Job als Orthopäde in Gelsenkirchen kämpft der 54-Jährige täglich dafür, dass Organraub gestoppt wird.
Es geht vor allem um vermutlich staatlich organisierten Organraub in China: Mitglieder der spirituellen Falun Gong Bewegung oder Uiguren, eine muslimische Minderheit, werden gefangen genommen - und ihre Organe werden verkauft. Das sagen sowohl DAFOH, als auch andere Menschenrechtsorganisationen und die Vereinten Nationen in verschiedenen Berichten. Zum Beispiel werden Herzen verkauft. Die werden teilweise von Zwischenmännern mit zweiwöchiger Vorlaufzeit in Deutschland angeboten. "Das ist unmöglich, du kannst doch nicht eine terminierte Herztransplantation habe. Da müsstest du ja wissen, wann und wo präzise ein Mensch stirbt", sagt Andreas Weber, der sich seit Jahrzehnten mit Organtransplantationen beschäftigt.
Morden für Organe
Er und seine Organisation DAFOH sagen: Dafür werden Menschen gezielt getötet. Auch die Vereinten Nationen haben das in einem Bericht im Jahr 2021 verurteilt. Das Europäische Parlament hat mehrere Resolutionen dazu verabschiedet. Die Opfer sind oft in Konzentrationslagern gefangen. Ihre Organe werden Ärzten in reicheren Industrieländern angeboten. Die geben das an ihre Patienten weiter, die für die Organtransplantation nach China reisen.
Doch viele Ärzte in Deutschland und anderen Staaten wüssten nicht, dass für die angebotenen Organe Menschen getötet werden, sagt Weber. "Man weiß es nicht mit Gewissheit. Und wenn Sie einem das Leben retten wollen, dann verschwindet das so ein bisschen im Hintergrund. ,Oh, jetzt habe ich endlich ein Organ'", so Weber. Deswegen klärt DAFOH seit 2006 darüber auf.
"Diese mafiöse Organvermittlungsstruktur reicht bis nach Gelsenkirchen." Andreas Weber
Gleichzeitig würden auch Patientinnen und Patienten direkt angesprochen werden. Ein Mann aus Gelsenkirchen erzählte Weber, wie er von seinem Autohändler angesprochen wurde. Der Patient hatte ein langes Nierenleiden. Für 10.000 Euro könne der Autohändler ihm ein Organ in China vermitteln.
Internationale Arbeit als Ehrenamt
DAFOH war schon dreimal für den Friedensnobelpreis nominiert. Zuletzt im Jahr 2024. Denn es ist ein internationales Problem. Weber selbst war in den vergangenen Wochen zu Gesprächen in Brüssel bei der EU-Kommission. Er hat eine Rede im Parlament in Taiwan gehalten und in Washington D.C. an einem neuen Gesetz mitgearbeitet - dem Falun Gong and Victims of Forced Organ Harvesting Protection Act.
Das alles macht Andreas Weber neben seiner Arbeit als Arzt in Gelsenkirchen. Freizeit habe er "wenig". Aber das störe ihn nicht. "Es ist sehr erfüllend und natürlich etwas ganz, ganz Besonderes, weil man wirklich etwas Gutes tun kann", sagt Weber und hat dabei ein sehr großes Lächeln auf den Lippen. Man kann ihm ansehen, wie stolz er auf die Arbeit von ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen ist. Dabei fing sein Engagement zufällig an. "Ich habe von der Organisation auf Facebook gehört. Da wusste ich noch gar nicht, dass der Hauptsitz in den USA ist". Seitdem bestimmt es zum Großteil sein Leben. Wie lange er noch weiter machen will? "Bis der Organraub gestoppt ist. Und wenn ich 90 werde und das noch machen muss."
Unsere Quellen:
- Interview mit Andreas Weber, Europadirektor DAFOH
- Resolution des Europaparlaments
- Nobelpreis-Komitee
- U.S. Kongress
- Erklärung der Vereinten Nationen
Sendung: WDR.de, Gelsenkirchener Arzt kämpft gegen Organraub, 06.08.2026, 5:00 Uhr