Kranke Kinder kommen aus der Ukraine
Bildquelle: Marc Friedrich/Ambulance For KidsWDR. 3 Min. 14 Sek.. Verfügbar bis 06.08.2028.
Im Rettungswagen nach Essen : Kranke Kinder kommen aus der Ukraine
Stand:
"Ambulance for Kids" bringt seit Kriegsbeginn schwer kranke oder verletzte Kinder aus der Ukraine ins Ruhrgebiet. So auch den sieben Monate alten Marcel, der an einer extrem seltenen Krankheit leidet. Seit kurzem bietet die Hilfsorganisation außerdem Erste-Hilfe-Kurse für Kinder in Kriegsgebieten an.
Spät am Abend erreicht der Rettungswagen die Essener Uniklinik. Der sieben Monate alte Marcel ist an Schläuchen und Monitoren angeschlossen. Dann wird er schnell auf der Trage in die Kinderklinik geschoben. Marcel hat eine extrem seltene Krankheit und wird zusätzlich künstlich beatmet. Mit ihm im Wagen waren seine Mutter, eine ukrainische Ärztin und Marc Friedrich. 18 Stunden lang waren sie unterwegs.
Marc Friedrich ist Leiter der Hilfsorganisation "Ambulance for Kids", die sich für Kinder in ukrainischen Kriegsgebieten einsetzt. Kurz nach Kriegsbeginn hat der Rettungssanitäter aus Essen beschlossen, dass er helfen wolle. Er nennt es seine "Bestimmung". "Mir war klar, dass ich mehr machen möchte, als vielleicht andere Menschen tun können."
Seitdem hat er dafür gesorgt, dass mehrere Kinder nach Deutschland gebracht werden konnten, da sie hier besser versorgt werden können. Weil die Behandlung in der Ukraine wegen des Kriegs sehr schwierig ist, musste auch Marcel zu den Spezialisten nach Essen gebracht werden.
"Viele Spezialisten, die es in der Ukraine gab, sind wegen des Krieges geflohen oder arbeiten jetzt im Ausland." Marc Friedrich, Leiter "Ambulance for Kids"
Extrem seltene Krankheit
Am nächsten Morgen wirkt Marcel sehr munter. Seine Mutter Maryna Brychka steht neben ihm und streichelt seinen Kopf. Sie hat auf einem Klappbett neben ihm geschlafen. "Ich habe mir keine Sorgen gemacht. Er war sehr ruhig und ich habe sehr gut geschlafen", sagt sie.
Die Uniklinik ist auf die seltene Erkrankung von Marcel spezialisiert. Vereinfacht gesagt kommt es zu einem Kurzschluss in den Gefäßen des Gehirns, sodass zu viel Blut zum Herzen gepumpt wird. "Wir sehen weniger als 40 Fälle bei Kindern pro Jahr in Deutschland", sagt Prof. Christian Dohna-Schwake, Leiter der Kinderintensivstation am Kinderklinikum Essen.
Der kleine Marcel auf der Kinderintensivstation der Uniklinik Essen mit Mutter Maryna
Bildquelle: Cedrik Pelka/WDREtwa zwei Wochen wird Marcel im Uniklinikum bleiben müssen. "Es kommt natürlich drauf an, wie sich seine Situation entwickelt", erklärt Dohna-Schwarke. Danach möchte die junge Mutter mit ihrem Sohn wieder nach Hause zu ihrer Familie in den Nordosten des Landes. Marc Friedrich ist erleichtert, dass Marcel jetzt nach der langen Planung und dem anschließenden Transport gut versorgt wird.
Erste-Hilfe-Kurse für Kinder in der Ukraine
Marc Friedrich lebt mittlerweile fest in der Ukraine. Er gibt dort auch Erste-Hilfe-Kurse, zum Beispiel in der vom Krieg schwer getroffenen Stadt Cherson. Diese Kurse richten sich vor allem an Kinder. Das war der explizite Wunsch der Menschen vor Ort.
Marc Friedrich zeigt schon 8-jährigen Kindern, wie sie amputierte Gliedmaßen behandeln.
Bildquelle: Ambulance For Kids"Bei uns fliegen Drohnen, Bomben werden auf Menschen abgeworfen. Wir müssen lernen, Erste Hilfe zu leisten", sagt die 16-jährige Maria, die an einem der Kurse in Cherson teilnimmt. Dieser findet in einem Bunker statt, die jüngsten Teilnehmenden sind gerade einmal acht Jahre alt.
Ein Junge hat sich extra einen weißen Arztkittel angezogen, damit das Kunstblut besser zu sehen ist. Neben Wiederbelebungstechniken geht es auch um die akute Versorgung von amputierten Gliedmaßen. Überall liegt Verbandszeug.
Arbeiten unter Lebensgefahr im Kriegsgebiet
Friedrich bringt sich bei seiner Arbeit oft auch selbst in Gefahr: "Es ist vor allem lebensgefährlich. In Cherson sprechen viele von der sogenannten Humansafari."
"Das heißt, dass die russischen Soldaten und Soldatinnen sich tatsächlich gezielt Zivilisten aussuchen, auf die sie mit Drohnen losgehen." Marc Friedrich, Ambulance for Kids
Doch Friedrich, dessen Hilfsorganisation komplett auf Spenden basiert, liebt seine Aufgabe. Das wird ihm vor allem bewusst, wenn er Kindern wie Marcel helfen kann. Er besucht den Jungen auf der Intensivstation und schenkt ihm ein Kuscheltier. Friedrich lächelt: "Es freut mich immer, auch zu sehen, was aus den Kindern wird. Das ist quasi unser Lohn, den wir bekommen für unsere Arbeit."
Unsere Quellen:
- Gespräche mit Marc Friedrich, Ambulance for Kids
- Interview mit Prof. Christian Dohna-Schwarke, Uniklinik Essen
- Gespräche mit Teilnehmern des Erste Hilfe Kurses
- Reporter vor Ort in der Ukraine und in Essen
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 06.08.2026, 19:30 Uhr
