Der Kampf gegen wiederaufflammende Feuer im Hohen Venn könnte lange andauern.
Bildquelle: IMAGO/Photo News/ DhaPolitiker in Belgien sprechen vom größten Brand, den das Land je erlebt hat. Das in dem belgischen Naturschutzgebiet an der Grenze zu NRW wütende Feuer hat mittlerweile etwa eine Fläche von 2.000 Hektar erfasst - und das nur rund 50 Kilometer entfernt vom Waldbrandgebiet bei uns im Hürtgenwald.
Um die Flammen zu bekämpfen, hat Belgien bereits den europäischen Katastrophenschutzmechanismus ausgelöst. Und eine Sache bereitet den verantwortlichen zusätzliches Kopfzerbrechen: Dass das Feuer auch Teile des Torfmoores erfasst hat.
So dramatisch sieht der Brand im Hohen Venn aus der Luft aus.
Bildquelle: WDRDie Torfschichten im Hohen Venn reichen stellenweise mehrere Meter tief. Darauf weist auch der Sprecher der Region Wallonie, Nicolas Yernaux, hin. Eine schnelle Entwarnung ist daher nicht in Sicht. Schon jetzt gehen die Verantwortlichen davon aus, dass die Löscharbeiten noch Tage, möglicherweise sogar Wochen dauern könnten.
Das Feuer hinterlässt Zerstörung und Asche
Bildquelle: WDRWDR-Reporter Jochen Hilgers hat sich selbst ein Bild machen können und konnte sehen, "wie das vor sich hinqualmt". Es sei sichtbar gewesen, dass die Brandherde unterirdisch seien und es dort kokele. Es werde lange dauern, so etwas gründlich zu löschen, sagte Hilgers.
"Die Situation hier ist sehr, sehr schwierig und es ist abzuwarten, wie sich die nächsten Tage entwickeln - hoffentlich positiv." WDR-Reporter Jochen Hilgers
Torf und Moore wichtig für das Klima
Die Torfschicht im Boden besteht aus Pflanzenteilen, die sich über die Jahre langsam zersetzen. Torf sei der Stoff, aus dem sich Moore bilden, erklärt die Umweltorganisation NABU. Dadurch, dass Torf aus trockengelegten Mooren abgebaut werde, trage seine Verwendung etwa im Garten auch zum Lebensraumverlust vieler Arten und zur Schädigung des Klimas bei. Denn nur intakte Moore könnten Kohlendioxid speichern.
Moore sind wichtig für das Klima.
Bildquelle: Biologische Station Kreis Steinfurt e.V.Torf wurde Jahrhunderte lang als Brennstoff verwendet. Und es handelt sich daher auch um ideales Brennmaterial für die Glut bei Waldbränden, die mangels Sauerstoff unter der Erde versteckt bleibt, bis Wind und Trockenheit sie wieder anfachen.
BUND-Experte Sticht: Moore über lange Zeit entwässert
"So ein Feuer kommt nicht aus heiterem Himmel", sagt Moor-Experte Holger Sticht von der Umweltorganisation BUND im WDR. Da liege Brandstiftung vor. Und er betont: Ein Moor könne nur brennen, wenn es nicht intakt sei.
"Die Klimakatastrophe besteht ja darin, dass wir über Jahrhunderte hinweg Moore entwässert haben und leider sehr lange dafür brauchen, diese Entwässerung dieser Moore wieder zu korrigieren." Holger Sticht (BUND)
"Das Hohe Venn ist großflächig entwässert worden", erklärt Sticht. Und es brauche Jahre oder sogar Jahrzehnte, diese Entwässerungen aus der Vergangenheit rückgängig zu machen. Sticht stellt klar: Es sei mehr Dynamik nötig, um das hinzukriegen, "weil ein wiedervernässtes Moor brennt nicht".
Verheerende Brände 2018 in Großbritannien
Großbrand in Großbritannien im Jahr 2018.
Bildquelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com/ Joel GoodmanProbleme mit Torfbränden gibt es auch in anderen europäischen Ländern. Im britischen Saddleworth Moor nahe Manchester gab es vor Jahren verheerende Feuer. Im Juni und Juli 2018 brannten wochenlang bis 1.800 Hektar Land. Die britische Armee wurde zur Hilfe gerufen. Tagelang hing dicker Rauch über der Region. Auch in den Folgejahren kam es dort immer wieder zu kleineren Moorbränden durch trockene Hitzeperioden oder Feuer unter der Erdoberfläche im Torf.
"Zombiefeuer": Große Probleme mit Torfbränden auch in Bordeaux
Bei den heftigen Bränden vor Kurzem im französischen Bordeaux gab es ebenfalls Probleme mit brennendem Torf. Dort mussten sich Feuerwehrleute und Förster darauf vorbereiten, das riesige Brandgebiet auf sogenannte "Zombiefeuer" zu überwachen.
Der Begriff kommt daher, dass Brandherde unter der Erde schwelen und ohne Vorwarnung wieder aufflammen können - teils Kilometer weit weg, Wochen oder Monate nachdem der eigentliche Waldbrand gelöscht ist. Anzeichen sind glimmende Wurzeln oder Rauchwolken, die scheinbar aus dem Nichts aufsteigen. Der trockene Torfboden bei Bordeaux gilt dabei als besonders anfällig.
Das Gebiet eines Waldbrands in der gleichen Region im Jahr 2022 wird nach Feuerwehrangaben noch immer überwacht. Denn zwei Jahre lang entdeckten die Brandbekämpfer immer wieder Reste des Feuers.
Aktuelle Lage zu den Waldbränden im Hohen Venn und im Hürtgenwald | WDR extra
Bildquelle: Federico Gambarini/dpaWDR. 28:17 Min.. Verfügbar bis 15.08.2028.
Unsere Quellen:
- Nicolas Yernaux, Sprecher der Region Wallonien
- WDR-Reporter Jochen Hilgers vor Ort beim Brand im Hohen Venn
- WDR-Interview mit Holger Sticht von der Organisation BUND
- Informationen der Organisation NABU
- Material der Nachrichtenagenturen dpa und AFP
- Bericht des Belgischen Rundfunks BRF
Sendung: WDR Fernsehen, WDR extra, 15.08.2026, 20:15 Uhr.