Alleinerziehende auf dem Markt benachteiligt
02:35 Min.. Verfügbar bis 06.07.2028.
In Nordrhein-Westfalen leben laut "Verband allein erziehender Mütter und Väter NRW e.V." rund 500.000 Familien mit nur einem Elternteil. Bei der Wohnungssuche haben sie es oft besonders schwer, denn sie sind nicht so flexibel.
Zum Beispiel, weil sie mehr als Paar-Familien die Nachbarschafts-Netzwerke brauchen und nicht aus ihrem Viertel wegkönnen. Und sie haben eben auch nur ein Einkommen.
WG scheint oft das einzig Machbare
Nina Stepuschin sucht dringend eine Wohnung für sich und ihre Tochter
Schon seit zehn Jahren wohnt Nina Stepuschin deshalb mit ihrer Tochter Lore zur Untermiete in Köln-Lindenthal. Als Lore noch ein Baby war, sei WG das einzig Machbare gewesen, sagt sie. Doch jetzt komme Lore in die weiterführende Schule. "Es muss ganz dringend was anderes, eigenes her", so Stepuschin. Sie könne aber nicht so weit wegziehen, dann schaffe sie die gesamte Logistik mit Arbeits- und Schulwegen einfach nicht.
"Alleinerziehende sind strukturell benachteiligt auf dem Wohnungsmarkt. Für sie müssten mehr sozial geförderte Wohnungen bereitgestellt werden." Heidi Thiemann, Vorsitzende Stiftung Alltagsheldinnen
Ausharren in belastenden Wohnsituationen
Heidi Thiemann von der Stiftung Alltagsheldinnen in Hilden weiß, wie schwierig das ist, denn Alleinerziehende konkurrieren mit anderen benachteiligten Gruppen, um den bezahlbaren Wohnraum - besonders in großen Städten wie Köln, Düsseldorf oder Münster. Viele Mütter harren in stark belastenden Wohnverhältnissen aus, teilweise sogar im Umfeld mit häuslicher Gewalt, weil sie einfach nichts finden, so Thiemann.
Schlafen Sie gern in der Küche?
Mit Plakaten wie diesem wird auf die Problematik Alleinerziehender aufmerksam gemacht.
"Schlafen Sie gern in der Küche?" heißt es auf einem Plakat der Stiftung, das während der Kölner Konferenz "Wohn(T)Räume für Alleinerziehende" gezeigt wird. Mit dem von der Stiftung gegründeten bundesweiten Bündnis "Gutes Wohnen für Alleinerziehende", wollen Thiemann und ihre Kolleginnen - zusammen mit Politik, Behörden und Wohnungswirtschaft - Lösungen für mehr bedarfsgerechten Wohnraum für Ein-Eltern-Familien entwickeln.
Bundesweit etwa 20% der Familien mit Kindern sind so genannte Ein-Eltern-Familien, in Köln sind es sogar 23%, laut städtischem Statistikamt.
Verdeckt wohnungslos
Ece Erfilibeli ist alleinerziehend und lebt in Köln
Auch Ece Efilibeli aus Köln weiß ein Lied von den Problemen zu singen: Nach dem Rausschmiss durch ihren Ex-Mann aus dessen Haus lebte die 27-Jährige fast acht Monate verdeckt wohnunglos. Mit ihrer fünfjährigen Tochter schlief sie auf den Sofas von Freunden und Familienangehörigen. Denn sie konnte einfach keine Wohnung finden.
"Ich habe schon so viele Absagen, auch von Genossenschaften bekommen. Ich glaub, die denken, wenn man alleine ist, kann man die Miete nicht bezahlen" Ece Efilibeli, alleinerziehend auf Wohnungssuche
Für sie und ihre Tochter eine riesen Belastung. Jetzt ist sie in einer Übergangswohnung eines Sozialträgers gelandet, doch auch da darf sie nicht für immer bleiben. Ihre Suche geht also weiter, sie hofft auf Unterstützung durch den Sozialträger.
Quellen:
- Reporterin vor Ort
- Verband allein erziehender Mütter und Väter NRW e.V.
- Stiftung Alltagsheldinnen
- Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik
Sendung: WDR.de, "Alleinerziehende auf dem Markt benachteiligt", 06.07.2026, 18:06 Uhr