Machtkämpfe bei Kölner Drogenbanden: Mutmaßlicher Haupttäter angeklagt
Lokalzeit aus Köln. 18.08.2025. 02:33 Min.. Verfügbar bis 18.08.2027. WDR. Von Jochen Hilgers.
In der juristischen Aufarbeitung des Kölner Drogenkriegs hat die Staatsanwaltschaft heute Mittag Anklage gegen einen Mann erhoben. Er gilt als Kopf der Kalker Drogenbande, die 700 Kilo Cannabis aus den Niederlanden eingeführt haben soll, von denen ihnen 350 Kilo entwendet wurden.
In der Lagerhalle in Hürth wurden Männer gefesselt und gefoltert.
Die Suche nach dem Rauschgift löste nach Ermittlerangaben den Kölner Drogenkrieg aus. Der Mann, Sohn eines erfolgreichen Restaurantbesitzers, soll auch von Dubai aus die Befehle erteilt haben, wie das Rauschgift zu finden sei: Durch brutale Entführungen, Folter von mutmaßlichen Dieben des Cannabis bis hin zu Schüssen auf Häuser und Explosionen vor Geschäften - gedacht als Druckmittel, um die 350 Kilogramm Cannabis zurückzuführen.
Im vergangenen Sommer hatte er sich ins Wüstenemirat abgesetzt, wurde aber im Oktober auf der Rückreise in Paris Charles de Gaulle geschnappt. Offenbar wollte er nach seiner erkrankten Mutter schauen. Anfang des Jahres hatten die französischen Behörden ihn ausgeliefert. Für ihn will die Staatsanwaltschaft Sicherungsverwahrung beantragen. Mitangeklagt ist ein 25-jähriger Mann aus dem Irak, der in der Hierarchie unter dem Hauptangeklagten stand.
Anschlag auf Restaurant des Vaters
Auf das Restaurant des Vaters des Angeklagten in Köln-Deutz wurde ein Anschlag verübt.
Auch wenn der mutmaßlich Hauptangeklagte Deutsche mit irakischen Wurzeln als jemand gilt, der brutal und rücksichtslos seine Interessen verfolgt: Er könnte sich selbst auch im Fadenkreuz einer rivalisierenden Bande befinden. Im Frühsommer wurde ein Anschlag auf das Restaurant seines Vaters verübt, bei dem ein hoher Sachschaden, aber kein Personenschaden entstand.
In diesem Restaurant, so steht es in Ermittlungsakten, die dem WDR vorliegen, gab es zuvor immer wieder Treffen seiner Kalker Drogenbande. Hier wurde das taktische Vorgehen besprochen, wie das Cannabis wiederbeschafft werden könnte.
Erfolglos wie man heute weiß: Der Dieb saß unerkannt in den eigenen Reihen, wollte mit anderen Komplizen sein eigenes Geschäft aufbauen. Auch die sind - genau wie der Bandenchef - längst in Haft.
Hohe Sicherheitsvorkehrungen
Von dem bevorstehenden Prozess unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen wird weitere Klarheit in dem Ermittlungskomplex mit weit mehr als 40 Beschuldigten erwartet. Zeitweise hatten bei der Polizei in der Ermittlungsgruppe "Sattla", arabisch für "Cannabis", rund 80 Beamtinnen und Beamte an der Aufklärung gearbeitet.
Unsere Quellen:
- Staatsanwaltschaft Köln
- Polizei Köln
Über dieses Thema berichtet der WDR auch im Fernsehen in der Lokalzeit Köln am 18.08.2025 um 19:30 Uhr.