Ein Foto von Eva Michelmann vor ihrer Festnahme.

Ein Foto von Eva Michelmann vor ihrer Festnahme.

Bildquelle: privat

In Syrien gefoltert Journalistin Michelmann spricht über Horror-Haft

Stand:

Fünf Monate saß die Kölner Journalistin Eva Maria Michelmann in syrischen Foltergefängnissen fest - offenbar ohne Angabe von Gründen. Am Donnerstag sprach Michelmann erstmals öffentlich über ihre Zeit in Haft.

Allerdings nicht live bei einer Pressekonferenz, wie zunächst erwartet worden war. Dazu gehe es ihr gesundheitlich zu schlecht, sagte ihr Anwalt Roland Meister. Sie meldete sich mit einer sechseinhalb-minütigen Videobotschaft und schilderte die vergangenen Monate.

Zu ihrer Haft sagte die auch optisch noch sichtlich gezeichnete Eva Maria Michelmann, sie habe zunächst monatelang in absoluter Isolation in Gefängnissen in Aleppo gesessen. Sie sei davon ausgegangen, dass Familie und Freunde sie für tot gehalten hätten - ohne zu ahnen, dass sich viele Menschen in Deutschland für sie eingesetzt haben.

Eva Maria Michelmann spricht erstmals nach Syrien-Haft

WDR 09.07.2026 43 Sek. Verfügbar bis 09.07.2028

Folterungen in Syrien an der Tagesordnung

Es tue gut, zu wissen, dass tausende Menschen Journalisten beistehen, sagte Michelmann. Die Journalistin berichtete auch von Folterungen, denen sie ausgesetzt worden sei, ohne dabei Details zu nennen.

Nach der monatelangen Isolationshaft wurde sich nach eigenen Angaben von Gefängnis zu Gefängnis transportiert. Zunächst in Aleppo, dann in Idlib und schließlich in drei verschiedenen Gefängnissen in Damaskus. Dort habe sie sich anfangs mit 15 mitgefangenen Frauen auf zwei Matratzen eine kleine Zelle geteilt. Später dann sogar mit 20 Frauen, deren kleinen Kindern und Babys in einer Zelle ohne Matratze.

Eva Maria Michelmann wird per Beamer auf eine Wand projiziert

Eva Maria Michelmann war bei der Pressekonferenz zugeschaltet.

Bildquelle: WDR/Jochen Hilgers

Auch in Damaskus in Haft seien Folterungen an der Tagesordnung gewesen. Die syrische Übergangsregierung sei nicht demokratisch, Folter gewöhnliche Verhörmethode. Zivilisten würden auf offener Straße erschossen. "Aber lasst uns die Hoffnung nicht aufgeben, dass Syrien zu einem demokratischen Land wird", sagte die Kölner Journalistin zum Ende ihrer Botschaft.

Kollege von Michelmann weiter in syrischer Haft

Im Januar war Michelmann im nordsyrischen Raqqa zusammen mit ihrem türkischen Kollegen Ahmet Polat von Einheiten der syrischen Übergangsregierung verschleppt worden. Monatelang fehlte von beiden jede Spur. Augenzeugen sahen beide dann im Gefängnis von Damaskus. Dort erreichte das deutsche Auswärtige Amt Mitte Juni Michelmanns Freilassung.

Ihr Kollege Ahmet Polat ist allerdings weiter in Haft. Die Familie von Eva Maria Michelmann, die Journalistin selbst und Anwalt Roland Meister fordern Informationen über seinen Verbleib und seine sofortige Freilassung. Polat ist kurdischer Türke und auch in seinem Heimatland von Verhaftung bedroht. Daher fordern sie seine Überstellung an die deutschen Behörden, die ihm politisches Asyl gewähren sollen.

Unsere Quellen:

  • Pressekonferenz von Eva Maria Michelmann
  • WDR-Gespräch mit Antonius Michelmann

Sendung: WDR.de Kölner Journalistin spricht über Haft in Syrien, 09.07.2026, 17.24 Uhr

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