Ein Kranz mit Kölsch-Bieren

"Es reicht!" Kölner Gastro-Beschäftigte gehen auf die Straße

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Personalmangel, lange Arbeitszeiten und kurzfristige Dienstpläne gehören für Beschäftigte in der Gastronomie zum Arbeitsalltag. Heute wollen Gastro-Mitarbeitende in Köln dagegen protestieren.

"Wenn ich in Berufsschulen gehe und Azubis frage, wer schon länger als zehn Stunden gearbeitet hat, dann sind alle Hände oben. Wenn ich dann frage, wer schon länger als zwölf Stunden gearbeitet hat, sind immer noch viele Hände oben. Die letzten Hände gehen bei über 16 Stunden nach unten". Marc Kissinger ist Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Köln. Zu seiner Arbeit gehört es auch, Auszubildende im Hotel- und Gastgewerbe über ihre Rechte aufzuklären.

"Wenn ich dann sage, dass sie höchstens zehn Stunden am Tag arbeiten dürfen, schaut mich die Klasse mit großen Augen an", erzählt er. Lange Arbeitstage, unbezahlte Überstunden und zu kurze Ruhezeiten zwischen den Schichten seien für viele schon während der Ausbildung Realität. Dabei seien es gerade diese jungen Menschen, die die Branche so dringend braucht. "Es ist extrem frustrierend, dass motivierte Leute schon so früh solche Erfahrungen machen, denn das lädt nicht zum bleiben ein", so Kissinger.

Der Personalmangel in Kölner Gastronomien ist groß

Rund 32.000 Menschen arbeiten nach Angaben der NGG aktuell in der Kölner Gastronomie - Minijobber mitgerechnet. Trotzdem fehlt vielerorts das Personal. Und das Problem hat sich seit der Corona-Pandemie verschärft: Nach Angaben der Gewerkschaft gibt es in Köln inzwischen mehr Gastronomiebetriebe als vor der Pandemie, gleichzeitig arbeiten aber weniger Menschen in der Branche. "Die Beschäftigten hier in Köln leiden extrem unter der geschrumpften Belegschaft und der Arbeitsverdichtung", erklärt Kissinger.

Marc Kissinger und Isabell Muhr von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten

Marc Kissinger und Isabell Muhr von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.

Bildquelle: WDR/Lena Wensch

Das lässt auch den Gastronomen nur wenig Handlungsspielraum. Immer wieder müssen sie Mitarbeiter, die eigentlich frei haben, auf die Arbeit bestellen. Dienstpläne können nur sehr kurzfristig erstellt werden. "Viele Mitarbeiter kommen zur Arbeit und wissen gar nicht, wann sie abends Feierabend haben. So lässt sich die Freizeit nur sehr schwer planen und erholsam gestalten", kritisiert Kissinger.

"Eigentlich fordern wir nur, dass die Gesetze eingehalten werden!"

Doch Personalmangel und hoher Arbeitsdruck rechtfertigen aus Sicht der Gewerkschaft nicht, dass bestehende Regeln missachtet werden. In Teilen der Gastronomie habe sich eine Art "Gewohnheitsrecht" entwickelt, kritisiert Kissinger: Zu lange Arbeitstage, nicht eingehaltene Ruhezeiten oder unbezahlte Überstunden würden teilweise als branchenüblich hingenommen.

DEHOGA will "ausgewogenen und verantwortungsvollen Abschluss"

Andreas Büscher, der Präsident des Dehoga Nordrhein-Westfalen und damit der Arbeitgeberseite in den Verhandlungen, spricht von einer äußerst angespannten Situation des Gastgewerbes in NRW. Steigende Kosten für Personal, Energie, Lebensmittel und Bürokratie belasteten die Unternehmen. Für Arbeitnehmer sei die Branche dennoch attraktiv.

Porträtfoto von Andreas Büscher, Präsident DEHOGA NRW
"Was die Lohnentwicklung anbetrifft, müssen wir uns nicht verstecken. Nach Zahlen der Arbeitsagentur war das Gastgewerbe zwischen 2020 und 2025 die Branche mit den mit größten Lohnsteigerungen." Andreas Büscher, Präsident des Dehoga Nordrhein-Westfalen

Büscher weist außerdem darauf hin, dass seit der Pandemie über 100.000 neue Beschäftigte in der Gastro angefangen hätten - damit liege man ungefähr auf dem Niveau von 2019. Außerdem betont er, dass die Gastronomie auch andere Annehmlichkeiten für seine Mitarbeitenden bringt. Entwicklungsperspektiven, interessante Aufgaben, selbstwirksames Arbeiten, sichere Arbeitsplätze, flexible Arbeitszeitmodelle sowie die Möglichkeit, schnell Verantwortung zu übernehmen, gehöre auch zum Gesamtpaket "guter Arbeitsplatz".

Kundgebung für bessere Arbeitsbedingungen am Rudolfplatz

Dort klaffen die Meinungen aber wohl auseinander. Unter dem Motto Wir sagen: "Es reicht!" gehen am Mittag Beschäftigte aus dem Gastgewerbe in Köln auf die Straße. Sie fordern faire Löhne, verlässliche Dienstpläne, ausreichend Personal und vor allem gesunde Arbeitszeiten. Die Kundgebung findet zwischen 11 und 13 Uhr auf dem Rudolfplatz statt. Hintergrund sind auch laufende Tarifverhandlungen fürs Gastgewerbe in NRW.

"Eine Fachkraft, die nach der Ausbildung Vollzeit in der Gastronomie startet, verdient rund 2.700 Euro brutto", erklärt Isabell Muhr. Sie sitzt für die NGG mit am Verhandlungstisch. "Wie soll man davon eine Miete in Köln bezahlen oder eine Familie ernähren?“.

Kölner Gastro-Beschäftigte gehen auf die Straße

WDR 04.09.2026 52 Sek. Verfügbar bis 03.09.2028

Unsere Quellen

  • Interview mit Marc Kissinger - Geschäftsführer NGG Köln
  • Interview mit Isbaell Muhr - stellvertretende Landesbezirksvorsitzende NGG NRW
  • Dehoga Nordrhein Westfalen
  • Pressemitteilung NGG

Sendung: WDR.de, Kölner Gastro-Beschäftigte gehen auf die Straße, 07.09.2026, 05:04 Uhr

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