Es war eine Tat, die nicht nur die Menschen in Pulheim erschüttert hat. Am 7. September 2023 überfallen mehrere junge Männer einen 85 Jahre alten Mann in seinem Haus. Die Täter foltern ihn. Der Mann stirbt schließlich an seinen schweren Verletzungen.
Rentnermord in Pulheim: Zwei Prozesse, drei Haftstrafen
Die Täter stammen aus dem Raum Osnabrück. Die Polizei und die Kölner Staatsanwaltschaft können nach intensiven Ermittlungen die Festnahme von drei Tätern vermelden - in zwei folgenden Prozessen werden sie verurteilt.
Vierter Tatverdächtiger im Libanon zeitweise in Haft
Der vierte Tatverdächtige ist damals in sein Heimatland, den Libanon geflohen. Die Kölner Staatsanwaltschaft hatte ihn international zur Festnahme ausgeschrieben. Über einen Verbindungsbeamten war zu erfahren, dass der Gesuchte eine Zeit lang in Gewahrsam gesessen hat. Eine Auslieferung nach Deutschland ist nicht möglich, weil kein entsprechendes Abkommen besteht. Allerdings gäbe es die Möglichkeit, ihm den Prozess im Libanon zu machen.
Libanon ohne Todesstrafe Streit um möglichen Prozess
Noch vor einigen Wochen sagte die Kölner Staatsanwaltschaft, dass ein Prozess im Libanon ausgeschlossen sei, weil dem Mann dort die Todesstrafe drohe - das sei mit dem deutschen Grundgesetz nicht vereinbar.
Mit diesem Foto suchen die Ermittler den Verdächtigen
Bildquelle: WDR / Markus SchmitzDann die Überraschung: Die Regierung im Libanon hat die Todesstrafe in diesem Sommer abgeschafft. Für die Kölner Staatsanwaltschaft ändert das aber nichts.
Kann der vierte Täter noch bestraft werden?
Grundlage für einen Prozess im Libanon wäre unter anderem die Bereitstellung der Akten, die noch in Köln bei der Staatsanwaltschaft liegen.
"Unser Ermittlungsverfahren an die libanesischen Behörden abzugeben, scheidet aus zweierlei Gründen aus", sagt der Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft, Ulrich Bremer. Dieser Fall habe eine besondere Tragweite, deshalb bestehe großes Interesse auch den vierten Verdächtigen in Köln einer Verurteilung zuzuführen.
Auch bei Aktenzeichen XY wurde der Fall aufgenommen. Daraufhin konnte der 3. Täter gefasst werden.
Bildquelle: WDRZum anderen, so der Oberstaatsanwalt, bestünden trotz der abgeschafften Todesstrafe große Bedenken, ob dem Beschuldigten dort tatsächlich ein nach deutschem Verständnis rechtsstaatliches Verfahren erwarte.
Die Staatsanwaltschaft Köln würde dann jedes Mitspracherecht verlieren, insbesondere was die Höhe der Strafe anbelangt - diese könnte auch niedriger ausfallen. Das wollen wir nicht. Ulrich Bremer, Oberstaatsanwalt Köln
Es gibt kein Rechtshilfeabkommen mit dem Libanon
Im Übrigen sagt die Staatsanwaltschaft, dass es "kein bilaterales Rechtshilfeabkommen" zwischen den Ländern gibt. Die geordnete Übernahme eines Verfahrens sei ungeregelt.
Söhne des Opfers: Auch Verurteilung im Libanon wünschenswert
Die Söhne des getöteten Rentners als Nebenkläger vor dem Kölner Landgericht. Links: Ihre Anwältin
Bildquelle: WDR / Markus SchmitzDie beiden Söhne des getöteten Rentners haben die beiden zurückliegenden Prozesse mit den Verurteilungen von drei Tätern als Nebenkläger verfolgt. Für sie hat es selbstverständlich höchste Priorität, dass auch der vierte Tatverdächtige vor Gericht gestellt und bestraft wird. Dem WDR sagen sie in der aktuellen Situation, dass sie es vorziehen würden, wenn der Tatverdächtige in Köln, nach deutschem Strafgesetz, verurteilt werden würde. Allerdings würden sie es ebenso begrüßen, wenn die Kölner Staatsanwaltschaft mit weiteren Behörden einen Prozess im Libanon ermöglichen könnte. Dazu müsste der Verdächtige erst einmal erneut festgenommen werden.
In Köln könnte ihm nach aktuellem Stand nur der Prozess gemacht werden, wenn er wieder nach Deutschland oder in ein anderes Land, mit dem es ein Auslieferungsabkommen gibt, einreist. Wenn das nicht passiert, und ihm auch nicht im Libanon der Prozess gemacht wird, könnte seine Tat ungesühnt bleiben.
Unsere Quellen:
- Staatsanwaltschaft Köln
- Söhne des Rentners
Sendung: WDR.de, Getöteter Rentner in Pulheim: Suche nach viertem Täter, 07.09.2026, 04:50 Uhr