Prozess um Kölner Drogenkomplex | Aktuelle Stunde
00:30 Min.. Verfügbar bis 09.10.2027.
Die sieben Angeklagten müssen Haftstrafen zwischen vier Jahren und drei Monaten und elfeinhalb Jahren absitzen. Die Männer waren laut Gericht an einer Geiselnahme beteiligt, die im Sommer 2024 in Bochum begann und in Köln endete. Hintergrund war der Raub von 350 Kilogramm Marihuana in einer Lagerhalle in Hürth.
Richter zeigt sich entsetzt
Die Täter sollen auf Anweisung des Chefs einer Drogenbande gehandelt haben. Sie hatten sich erhofft, durch die Geiselnahme Hinweise auf die geraubten Drogen mit einem Schwarzmarktwert von mehr als einer Million Euro zu bekommen. Ein Spezialeinsatzkommando beendete die Geiselnahme in einem Haus in Köln-Rodenkirchen. Der Vorsitzende Richter erklärte in der Urteilsbegründung, es handle sich um eine Tat, bei dem es einem "eiskalt den Rücken herunter läuft".
Opfer bedroht
In seiner Urteilsbegründung nannte er viele Details der Tat. Die Täter hätten sämtliche Empathie vermissen lassen. Schon zu Beginn der Geiselnahme im Gewerbegebiet in Bochum wurde dem männlichen Opfer damit gedroht, ihm "vier Finger und die Hand" zu brechen. Er sollte das Versteck des geraubten Cannabis preisgeben.
Täter filmten Tat
Im Keller des freistehenden Hauses in Köln- Rodenkirchen ging es laut Gericht weiter. Es seien unvorstellbare Szenen gewesen, so der Richter. Der Mann habe sich ausziehen müssen. Unbekleidet wird er immer wieder geschlagen und getreten.
Diese Einzelheiten sind deshalb so genau bekannt, weil die Täter ein Video gedreht haben, um den Bruder des männlichen Opfers, der auch mit dem Raub aus Sicht der Täter zu tun hatte, unter Druck zu setzen. Auf dem Video sind auch die Schreie des Opfers zu hören. Seine Verletzungen sind deutlich erkennbar.
Das Video wurde während der Verhandlung gezeigt. Auch die Frau war zeitweise nur schwach bekleidet. Als sie auf die Toilette ging, folgte ihr ein jetzt Verurteilter. Eine besonders schlimmen Szene gab es noch zum Ende der Geiselnahme.
Bedrohung mit ungeladener Waffe
Ein Täter hatte laut Gericht eine ungeladene Pistole an den Kopf des männlichen Opfers gehalten. Dass sich kein Projektil im Lauf befand, soll das Opfer nicht gewusst haben. Der Täter sagte laut Gericht daraufhin: "Gleich wirst Du Gott sehen." Daraufhin habe der Täter abgedrückt.
In dem Komplex gab es bislang sieben Verhandlungen vor dem Kölner Landgericht. Möglicherweise in diesem Jahr soll der Prozess gegen den Kopf der Bande beginnen. Er hatte laut Anklage die Drogengeschäfte eingestielt und auch die Anweisungen zu Geiselnahme und anderer Gewalt gegeben.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter bei Urteilsverkündung am Kölner Landgericht
Über dieses Thema berichtet der WDR am 09.10.2025 auch im Fernsehen: Aktuelle Stunde um 18.45 Uhr.